
Microns Rekordausblick und fallende Ölpreise treiben die Börsen
Die überraschend starken Quartalszahlen des Chipherstellers und die Entspannung am Persischen Golf lösen eine breite Erholungsbewegung aus, die jedoch an den großen Technologiekonzernen abprallt.
Zwei Entwicklungen haben am Donnerstag die globalen Finanzmärkte geprägt: der mit 17 Prozent Kurssprung quittierte Geschäftsausblick von Micron Technology und der Rückgang des Brent-Ölpreises unter das Niveau vor Beginn des amerikanisch-iranischen Krieges. Der Chiphersteller meldete für das abgelaufene Quartal einen Gewinnsprung auf 28,2 Milliarden Dollar und stellte für das laufende Vierteljahr Erlöse von 49 bis 51 Milliarden Dollar in Aussicht – weit mehr als von Analysten erwartet. Gleichzeitig fiel der Preis für die Nordseesorte Brent auf rund 72 Dollar je Barrel, nachdem die Wiederaufnahme des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus die Versorgungsängste dämpfte.
Die Micron-Zahlen wirken als Katalysator für den gesamten Halbleitersektor, weil sie die Sorge vor einer Überhitzung der KI-Investitionen zumindest vorübergehend zerstreuen. Das Unternehmen bezifferte die langfristigen Abnahmeverpflichtungen seiner Kunden auf 22 Milliarden Dollar und erklärte, die Knappheit bei Speicherchips werde voraussichtlich bis mindestens 2027 anhalten. Diese Signale ließen die Aktien asiatischer und europäischer Chipwerte deutlich steigen: Der südkoreanische Kospi-Index legte um 5,4 Prozent zu, der japanische Nikkei 225 um 4,7 Prozent. In Europa zogen Infineon, STMicroelectronics und ASML zwischen 2,4 und 4,9 Prozent an und verhalfen dem Stoxx-600-Technologiesektor zu einem Plus von über zwei Prozent.
An der Wall Street hingegen zeigte sich ein gespaltenes Bild. Während der Philadelphia-Halbleiterindex zulegte und die Dow-Jones-Industriewerte ein neues Allzeithoch erreichten, drehten der S&P 500 und der Nasdaq-Composite ins Minus. Grund waren kräftige Abschläge bei importierenden Technologiekonzernen: Apple verlor über sechs Prozent, nachdem das Unternehmen Preiserhöhungen für MacBooks und iPads mit den gestiegenen Speicherchipkosten begründet hatte. Auch Microsoft, Amazon und Meta gaben nach. Aus New Yorker Sicht bestätigt sich damit das Muster, dass die Gewinne der Zulieferer auf die Margen der Abnehmer durchschlagen.
Die Konjunkturdaten aus Washington untermauerten das Bild einer robusten, aber von hoher Inflation geprägten US-Wirtschaft. Der PCE-Preisindex stieg im Mai auf 4,1 Prozent, das BIP-Wachstum des ersten Quartals wurde auf annualisiert 2,1 Prozent nach oben revidiert. In Kombination mit dem fallenden Ölpreis nährte dies die Erwartung, dass die Federal Reserve den Zinserhöhungszyklus nicht über das bereits Eingepreiste hinaus verschärfen muss. Die Renditen kurzlaufender Staatsanleihen gaben nach. Der weitere Verlauf wird maßgeblich davon abhängen, ob die Entspannung am Golf Bestand hat und wie die Fed auf ihrer nächsten Sitzung Ende Juli die Inflationsperspektiven beurteilt.
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Die Wall Street eröffnete gemischt, aber mit neuer Risikofreude nach starken Micron-Ergebnissen und erwartungsgemäßen Konjunkturdaten. Der Ölpreisrückgang, der die Kriegsprämie auslöschte, verschaffte den Märkten eine Atempause und verstärkte die positive Stimmung.
Die europäischen Börsen stiegen, angeführt vom Technologiesektor nach Rekordergebnissen von Micron und positiven Signalen von Qualcomm. Der anhaltende Rückgang der Öl- und Gaspreise, die nun unter Vorkriegsniveau liegen, stützte ebenfalls die positive Stimmung.
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