
Washington steuert KI-Freigaben: Mythos 5 teilweise wieder zugelassen, GPT-5.6 nur für geprüfte Partner
Die US-Regierung lockert das Verbot für Anthropics Modell und zwingt OpenAI zu einer gestaffelten Freigabe – ein präzedenzloser staatlicher Zugriff auf die Verbreitung frontier KI.
Die amerikanische Regierung hat am Freitag das Mitte Juni verhängte Exportverbot für das KI-Modell Claude Mythos 5 von Anthropic teilweise aufgehoben. Mehr als einhundert US-Unternehmen und -Institutionen, darunter zahlreiche Fortune-500-Konzerne, erhalten wieder Zugriff, wie das Handelsministerium mitteilte. Zeitgleich startete der Rivale OpenAI die Vorabversion seiner neuen Modellfamilie GPT-5.6 – jedoch nur für einen kleinen, von der Regierung gebilligten Kreis von Partnern. Beide Entscheidungen markieren einen tiefen Eingriff Washingtons in die kommerzielle Verbreitung leistungsfähiger KI-Systeme.
Auslöser der Kontrollen sind die als außergewöhnlich eingestuften Fähigkeiten der Modelle, Schwachstellen in Software zu identifizieren und zu verketten. In Washington wuchs die Sorge, dass ausländische Akteure – genannt werden China und Russland – diese Cyberfähigkeiten für Angriffe auf kritische Infrastrukturen nutzen könnten. Präsident Trump hatte Anfang Juni eine Durchführungsverordnung unterzeichnet, die einen freiwilligen Prüfrahmen für frontier-Modelle vorsieht; faktisch agiert die Regierung jedoch mit direkten Auflagen. Anthropic musste nach einer Anordnung vom 12. Juni den Zugang für sämtliche ausländischen Staatsangehörigen sperren und stellte daraufhin beide Modelle komplett ab, da eine technische Trennung nicht möglich war.
Die ungleiche Behandlung der beiden Unternehmen wird in Branchenkreisen auch politisch gedeutet. Anthropic hatte sich zuvor geweigert, seine Technologie für Massenüberwachung und autonome Waffen bereitzustellen, woraufhin das Pentagon Verträge kündigte und das Unternehmen als „Lieferkettenrisiko“ einstufte. OpenAI hingegen, dessen Führung sich der Administration gegenüber kooperativer zeigte, erhielt für GPT-5.6 eine abgestufte Freigabe. Das Unternehmen selbst erklärte, ein solcher staatlicher Genehmigungsprozess dürfe „nicht zur langfristigen Norm werden“, und verwies auf die Benachteiligung von Entwicklern und Cyberverteidigern weltweit.
Die nächste Wegmarke ist die Ausarbeitung des in der Durchführungsverordnung vorgesehenen freiwilligen Rahmens, für den eine Frist von sechzig Tagen läuft. Anthropic verhandelt weiter über eine Ausweitung des Zugriffs und eine Wiederfreigabe des abgespeckten Modells Fable 5. Für die kommenden Wochen ist zudem die schrittweise Öffnung von GPT-5.6 für internationale Partner angekündigt. Die Vorgänge unterstreichen das Fehlen eines konsistenten Regulierungsrahmens für Hochleistungs-KI, während die Vereinigten Staaten ihren technologischen Vorsprung gegenüber China zu wahren suchen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die US-Regierung hat OpenAI gebeten, den ersten Zugang zu GPT-5.6 auf eine geprüfte Gruppe von Partnern zu beschränken, unter Berufung auf nationale Sicherheits- und Cybersicherheitsbedenken. Dies stellt ein beispielloses Maß an staatlicher Einmischung in die Veröffentlichungspläne von KI dar und wirft Fragen nach dem Gleichgewicht zwischen Innovation und Kontrolle auf. Das Unternehmen kam der Bitte nach, signalisierte jedoch, dass eine solche Zugangskontrolle nicht zur Norm werden sollte.
Auf Druck aus Washington hat OpenAI sein neuestes KI-Modell auf eine Handvoll von den USA genehmigter Partner beschränkt und damit eine technologische Markteinführung faktisch in eine politische Überprüfungsübung verwandelt. Der Schritt offenbart die wachsende Bereitschaft der amerikanischen Regierung, den Zugang zu fortschrittlichen Technologien zu kontrollieren, selbst wenn dies die öffentliche Verfügbarkeit verzögert. Was als Sicherheitsmaßnahme dargestellt wird, gleicht eher dem Versuch, Spitzen-KI zu monopolisieren.
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