
Streit um „Anchorage-Abkommen“: Trump erwägt Abkehr von Russland-Zugeständnissen
Während Moskau auf einer faktischen Einigung beim Gipfel in Alaska beharrt, dementiert Washington und Präsident Trump signalisiert einen Kurswechsel – doch Europas Skepsis bleibt.
Die diplomatische Auseinandersetzung um die Ergebnisse des Trump-Putin-Gipfels in Anchorage vom August 2025 hat sich binnen weniger Tage zugespitzt. US-Außenminister Marco Rubio erklärte am 25. Juni, auf dem Treffen in Alaska sei kein Abkommen erzielt worden, sondern lediglich ein Vorschlag unterbreitet worden. Wenige Tage zuvor hatte Präsident Donald Trump nach übereinstimmenden Berichten zweier mit den Beratungen vertrauter Beamter beim G7-Gipfel im französischen Évian Enttäuschung über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert und angedeutet, er könne sich von den sogenannten Anchorage-Vereinbarungen lossagen. Diese sahen nach Darstellung mehrerer Quellen vor, dass Washington die Forderung Moskaus nach einer russischen Kontrolle über den Donbass in jedem Friedensabkommen akzeptiert.
In Washington betonte Rubio, die russische Seite habe auf dem Gipfel maximalistische Gebietsansprüche erhoben, ohne dass daraus eine beiderseitige Einigung erwachsen sei. Aus Moskauer Sicht stellt sich der Vorgang grundlegend anders dar. Der russische Außenminister Sergei Lawrow widersprach Rubio am 26. Juni mit einer detaillierten Rekonstruktion: Die USA hätten über den Sondergesandten Steve Witkoff konkrete Vorschläge nach Moskau übermittelt, die Putin in Anchorage Punkt für Punkt mit Witkoff abgeglichen habe und die von amerikanischer Seite bestätigt worden seien. Von einem fehlenden Abkommen zu sprechen, nannte Lawrow „nicht elegant“. Der außenpolitische Berater des Kreml, Juri Uschakow, fügte hinzu, eine Seite sei nicht in der Lage gewesen, ihren Teil der Vereinbarungen zu erfüllen. Russland beharrt weiterhin auf der „Anchorage-Formel“ als Grundlage für Verhandlungen mit der Ukraine.
Die widersprüchlichen Darstellungen offenbaren eine tiefe Kluft über den Rahmen möglicher Friedensgespräche. Aus Sicht europäischer Diplomaten, die mit den G7-Beratungen vertraut sind, ist die Glaubwürdigkeit einer amerikanischen Kehrtwende jedoch begrenzt. Gegenüber Axios äußerten Beamte, Trump habe zwar über Druck auf Russland gesprochen, doch die übrigen Staats- und Regierungschefs glaubten nicht, dass er tatsächlich handeln werde. Die beim Gipfel in Évian beschlossene Aufstockung der Waffenlieferungen an die Ukraine – darunter Flugabwehrsysteme und weitreichende Artillerie – deutet unterdessen auf eine kollektive westliche Haltung hin, die sich von der Kompromisslinie des Anchorage-Treffens entfernt. In Moskau wiederum wird der Vorwurf laut, Washington habe die Gespräche in Alaska nur genutzt, um Zeit für die Aufrüstung Kiews zu gewinnen.
Der Anchorage-Gipfel hatte im August 2025 zunächst eine diplomatische Dynamik entfacht; Trump bewertete das Treffen mit der Höchstnote und drängte Kiew zu Zugeständnissen. Seither hat sich das militärische Lagebild verändert: Die Ukraine führte massive Drohnenangriffe auf Moskau durch, und Trump bezeichnete die Lage von Präsident Wolodymyr Selenskyj zuletzt als „ziemlich gut“. Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben den Ukraine-Konflikt zur außenpolitischen Priorität erklärt und den Iran in den Hintergrund gerückt. Die nächste Bewährungsprobe für die amerikanische Ukraine-Politik dürfte die Umsetzung der in Évian zugesagten Rüstungshilfen sein, während Moskau weiter auf der Einhaltung der aus seiner Sicht getroffenen Anchorage-Vereinbarungen besteht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Washington macht einen Rückzieher bei den Vereinbarungen von Anchorage, was selbst im Westen für Verärgerung sorgt. Die Äußerungen von Außenminister Rubio, die einseitige Unterstützung für Kiew beanspruchen, haben den Dialog mit Moskau untergraben. Trump droht nun mit einer Revision der Absprachen und bestätigt damit die amerikanische Unzuverlässigkeit.
Es herrscht Streit darüber, was in Anchorage tatsächlich vereinbart wurde. Moskau beschwört einen 'Geist von Anchorage' mit einem Rahmen zur Beendigung des Krieges, doch Washington bestreitet dies kategorisch. Trump äußerte Enttäuschung über Putin und deutete eine mögliche Abkehr von den Vereinbarungen an, aber die europäischen Staatschefs bezweifeln, dass er Taten folgen lässt.
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