
Hagel über dem Atlas, Staub in Zabol – ein Tag im Wetterteppich des Orients
Während im marokkanischen Gebirge Gewitterwolken aufziehen und das Jordantal unter Hitzewarnung steht, spannt sich der Himmel von Algerien bis Iran in ein Mosaik aus Regen, Sturm und flirrender Trockenheit.
Ein Hirte im Mittleren Atlas hebt den Kopf. Über den Gipfeln türmen sich am frühen Nachmittag jene Kumuluswolken, die der marokkanische Wetterdienst für diesen Dienstag angekündigt hat – unstet, schwül, geladen mit der Möglichkeit von Hagel. Die Luft riecht nach nassem Stein, noch bevor der erste Blitz die Stille zerschneidet. Wenige Stunden später werden über dem Rif und dem Antiatlas vereinzelte Regengüsse niedergehen, während die Thermometer in den östlichen Landesteilen und im Innern der Sahara-Provinzen auf 41 bis 46 Grad klettern.
Zur gleichen Zeit, nur wenige Längengrade weiter östlich, hat der israelische Wetterdienst für das Jordantal eine orangefarbene Hitzewarnung ausgegeben, für die Senke von Beit Sche’an und die Ufer des Toten Meeres gilt Gelb. In Jerusalem hingegen bewegen sich die Temperaturen um milde 28 Grad, und über Tel Aviv schiebt sich eine dünne Wolkenschicht, die am Vormittag noch den Himmel filtert, ehe er klar wird. Algerische Meteorologen wiederum melden für den Dienstag Regen und Gewitter in einem breiten Band von Tebessa über Constantine bis hinunter nach Tindouf und Tamanrasset – eine gelbe Warnstufe, die in den kommenden Tagen weiterwandert.
Diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ist mehr als eine meteorologische Fußnote. Sie zeichnet den Alltag der Menschen in den Bergdörfern des Atlas, in den Dattelpalmenhainen des Jordantals, auf den staubigen Straßen von Zabol im Osten Irans, wo der Wind – wie die iranischen Wetterbehörden vermelden – schon seit Tagen Sand und feine Partikel aufwirbelt und die Sicht trübt. Der Hirte sucht mit seiner Herde eine Felsnische, der Bauer im Beit-Sche’an-Tal stellt die Bewässerung auf die Mittagshitze ein, der Fahrer in Sistan und Belutschistan zieht sich ein Tuch vor das Gesicht. Die amtlichen Warnungen, ob gelb oder orange, legen sich als moderne Schicht über uralte Rhythmen der Vorsicht.
Am Mittwoch und Donnerstag verschiebt sich das Bild. Über dem Norden Irans zieht eine Welle mittlerer Höhe hinweg und bringt Regen bis an die Südhänge des Alborz, während in den Emiraten das nationale Zentrum für Meteorologie für den Nachmittag Kumuluswolken über den östlichen Landesteilen erwartet, die sich ins Landesinnere ausdehnen können – begleitet von auffrischendem Wind, der Staub aufwirbelt. Marokko verzeichnet einen leichten Temperaturrückgang, doch die Gewitterneigung über dem Mittleren Atlas und den östlichen Hochplateaus bleibt. Algeriens Regenfront zieht am Mittwoch weiter nach Westen und erfasst nun auch Küstenstädte wie Oran und Mostaganem, während gleichzeitig eine Hitzewelle in Tipasa und Saida gemeldet wird.
In der Nacht zum Donnerstag legt sich entlang der marokkanischen Atlantikküste eine feuchte, milchige Decke aus tiefer Bewölkung und stellenweisem Nebel über das Land. Zur selben Stunde steht die Luft über dem Jordantal noch immer in flirrender, trockener Hitze, und in Zabol rieselt der Staub langsam aus dem Wind. Der Kontinent aus Wetter, von den Hängen des Atlas bis zu den Salzpfannen des Toten Meeres, atmet in seinen eigenen, gegensätzlichen Rhythmen – ein einziger Tag, der viele Gesichter trägt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der israelische Wetterdienst hat gelbe und orange Hitzestresswarnungen für das Jordantal, das Tote Meer und die Arava herausgegeben, während die Temperaturen anderswo jahreszeitlich normal bleiben. Am Mittwoch wird ein leichter Anstieg erwartet, gefolgt von einem Rückgang am Donnerstag.
Die algerische Wetterbehörde hat eine gelbe Warnstufe 1 für Regen und Gewitter in mehreren östlichen und inneren Provinzen herausgegeben, während die Hitze in den Sahara- und südöstlichen Regionen anhält. Ab Mitte der Woche wird ein allmählicher Temperaturrückgang erwartet.
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