
EZB-Präsidentin Lagarde: Keine Zweitrundeneffekte, aber Krieg lastet auf Konjunktur
Christine Lagarde sieht trotz des Nahost-Konflikts keine Entankerung der Inflationserwartungen, während der IWF vor sinkender Entwicklungshilfe für Afrika warnt.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, hat am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments die Inflationsdynamik im Euroraum als beherrschbar eingestuft. Der durch den Nahostkrieg ausgelöste Preisschock sei zwar zu groß, um ihn zu ignorieren, doch seien bisher weder eine Entankerung der Inflationserwartungen noch gefährliche Zweitrundeneffekte zu beobachten. Die EZB hatte Anfang des Monats erstmals seit September 2023 die Leitzinsen angehoben, nachdem die Inflation über 3 Prozent gestiegen war. Lagarde zufolge befindet sich die Währungsunion in einem mittleren Szenario, das eine moderate Anpassung der Geldpolitik erfordert, aber keine „energischere Reaktion“. Die Märkte preisen derzeit einen weiteren Zinsschritt von einem Viertelpunkt auf 2,5 Prozent für den Einlagensatz ein, während der Ölpreis nach der Einigung auf eine Roadmap zwischen Washington und Teheran unter 80 Dollar je Barrel fiel.
Die konjunkturellen Übertragungswege des Konflikts sind indes deutlich spürbar. Lagarde berichtete, dass die Wirtschaft des Euroraums zu Jahresbeginn an Schwung gewonnen hatte – das reale BIP stieg im ersten Quartal 2026 um 0,3 Prozent –, der Krieg nun aber vor allem den Dienstleistungssektor belastet. Die Industrie zeigt dank Lageraufbau und höherer Verteidigungsausgaben eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Die EZB-Experten senkten ihre Wachstumsprognosen: Für 2026 wird nur noch ein BIP-Zuwachs von 0,8 Prozent erwartet, für 2027 von 1,2 Prozent. Die Binnennachfrage leidet unter gedämpftem Vertrauen und steigenden Energiekosten, während solide Haushaltsbilanzen und Investitionen in digitale Technologien sowie öffentliche Infrastruktur stützend wirken. Lagarde warnte jedoch, die Lohnbildung könne nach den Inflationserfahrungen der Vorjahre empfindlicher auf neue Schocks reagieren.
Über Europa hinaus zeichnet der Internationale Währungsfonds ein besorgtes Bild der globalen Auswirkungen. Der IWF-Afrikadirektor Zeine Zeidane sprach von einem „schwierigen Moment“ für Subsahara-Afrika, da die Entwicklungshilfe drastisch sinkt – die bilateralen Mittel fielen 2025 um schätzungsweise 26 Prozent auf rund 29 Milliarden Dollar. Gleichzeitig belasten hohe Energie- und Düngemittelpreise die Region, und die Golfstaaten benötigen nach eigenen Angaben sechs bis sieben Monate, um die Produktion wieder vollständig hochzufahren. Der Fonds hat Hilfsprogramme für mehrere Länder beschleunigt und schließt weitere Anträge bis Jahresende nicht aus. Lagarde selbst drängte in Brüssel zudem auf Gespräche über die Unterbewertung des chinesischen Yuan als Teil globaler Ungleichgewichte, erteilte aber einem neuen Plaza-Abkommen eine Absage.
Der weitere Kurs der EZB bleibt datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung ausgerichtet. Lagarde betonte, die Notenbank sei gut positioniert, um auf die kriegsbedingte Unsicherheit zu reagieren, und werde die Entwicklung der Löhne und der Kerninflation, die im Mai auf 2,6 Prozent stieg, genau beobachten. Der nächste Orientierungspunkt ist die geldpolitische Sitzung des EZB-Rats, bei der die aktualisierten Projektionen und die Fortschritte der Waffenstillstandsgespräche im Nahen Osten die Entscheidungsgrundlage bilden werden. Für Afrika steht die Genehmigung des IWF-Programms für São Tomé und Príncipe durch das Exekutivdirektorium an, während die Geberländer ihre Prioritäten neu justieren.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die EZB-Präsidentin spielt die Befürchtungen vor Zweitrundeneffekten der Inflation herunter und verweist auf fest verankerte langfristige Preiserwartungen. Die Zentralbank hat die Zinsen erhöht, doch Lagarde hält die derzeitige Geldpolitik für ausreichend, um die Inflation wieder auf 2% zu bringen.
Lagarde sieht keine Notwendigkeit für eine energischere Reaktion der EZB auf den Nahostkonflikt, da die Inflation zum Ziel zurückkehren dürfte. Gleichzeitig spricht sie die globalen Währungsungleichgewichte an und fordert, China in alle Gespräche über Wechselkurse einzubeziehen.
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