
EU und China setzen sich Drei-Monats-Frist für Handelsausgleich
Brüssel und Peking vereinbaren erstmals seit Jahren einen strukturierten Konsultationsmechanismus, um das Handelsdefizit von 360 Milliarden Euro bis Oktober spürbar zu verringern.
Die Europäische Union und China haben am Montag in Brüssel einen formellen Konsultationsprozess vereinbart, der binnen drei Monaten «greifbare Ergebnisse» zum Abbau des bilateralen Handelsungleichgewichts liefern soll. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und der chinesische Handelsminister Wang Wentao unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung – die erste seit 2019 – und legten vier Arbeitsfelder fest. Ausgangspunkt ist das aus Brüsseler Sicht «unhaltbare» Defizit, das 2025 nach Eurostat-Angaben rund 360 Milliarden Euro erreichte; chinesische Exporte übertreffen die Einfuhren aus der EU demnach um täglich eine Milliarde Euro.
Kernstück der Einigung ist ein gemeinsamer Überwachungsmechanismus für Handelsströme. Überschreiten die Importe bestimmte Schwellenwerte – intern als «gelbe» oder «rote» Zone bezeichnet –, werden automatisch politische Gespräche ausgelöst. Parallel dazu richten beide Seiten vier Arbeitsgruppen ein: zum Ausgleich von Handel und Investitionen, zur Exportkontrolle, zum Schutz geistigen Eigentums und zur WTO-Reform. Peking sicherte zudem zu, die bestehenden Ausfuhrkontrollen für Seltene Erden und Permanentmagnete würden die europäischen Lieferketten nicht unterbrechen, und stellte Erleichterungen bei Lizenzverfahren in Aussicht.
Für die europäische Industrie, insbesondere die deutsche Automobilbranche, ist die Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Die Ausfuhren deutscher Hersteller nach China sind 2025 um ein Drittel eingebrochen, während chinesische Elektrofahrzeuge und Komponenten trotz der 2024 verhängten Zölle weiter auf den EU-Markt drängen. In Brüssel wird die Lage zunehmend als «China-Schock 2.0» beschrieben, der weit über grüne Technologien hinausreiche. Gleichzeitig wächst in anderen Handelspartnern wie der Schweiz die Sorge vor protektionistischen Nebeneffekten: Bern lobbyierte zuletzt mehrfach gegen die ab 1. Juli geltende Anhebung der EU-Stahlzölle auf 50 Prozent, die auch Schweizer Exporteure trifft.
Die technischen Arbeiten in den vier Gruppen beginnen in den kommenden Wochen. Šefčovič wird im Herbst nach Peking reisen, um den Fortschritt zu bewerten; als entscheidendes Datum gilt der Oktober, wenn auch der EU-Gipfel am 15. des Monats tagt und Chinas Aussetzung der Exportkontrollen für kritische Mineralien ausläuft. Ob die Gespräche tatsächlich zu einem spürbaren Abbau des Defizits führen, bleibt offen – der Fahrplan steht, die inhaltlichen Differenzen sind damit nicht ausgeräumt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Europa steuert auf einen Handelskonflikt mit China zu, dem vorgeworfen wird, den Markt mit Billigwaren zu überschwemmen – ermöglicht durch staatliche Subventionen und eine künstlich niedrig gehaltene Währung. Brüssel sieht ganze Industriezweige in Gefahr und setzt Oktober als Frist für greifbare Ergebnisse, während der Druck für Schutzmaßnahmen wächst. Das vorherrschende Narrativ zeichnet Peking nicht länger als Partner, sondern als systemischen Rivalen.
Peking führt intensive und konstruktive Handelsgespräche mit Brüssel und stimmt der Einrichtung eines gemeinsamen Überwachungsmechanismus für Handelsströme zu, um Spannungen abzubauen. Die Europäische Union setzt Oktober als Frist für konkrete Ergebnisse, doch Chinas Bereitschaft, Daten zu teilen und Importanstiege zu steuern, signalisiert einen pragmatischen Ansatz zur Vermeidung eines Zollkriegs.
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