
Tödlicher Schusswaffeneinsatz bei Ramallah: Israelische Armee tötet 15-jährigen Palästinenser
Der Vorfall in al-Bireh fällt in eine Phase drastisch gestiegener Gewalt im Westjordanland, die eine israelische Menschenrechtsorganisation auf gelockerte Einsatzregeln zurückführt.
Israelische Soldaten haben am Montag in der Stadt al-Bireh nahe Ramallah einen 15-jährigen Palästinenser durch Schüsse getötet. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums erlag Amir Ahmad Jawad Jaber im Krankenhaus seinen Verletzungen; er sei von Kugeln in Kopf und Brust getroffen worden. Der palästinensische Rote Halbmond hatte den Jugendlichen zuvor mit lebensgefährlichen Schussverletzungen aus dem Viertel Umm al-Charayet in ein Krankenhaus gebracht. Das israelische Militär erklärte, bei einem Einsatz sei es zu einer „Unruhestörung mit Steinwürfen“ gegen die Truppe gekommen, woraufhin Soldaten das Feuer auf den Jugendlichen eröffnet hätten. Der Vorfall werde untersucht.
Die Gouverneurin von Ramallah und al-Bireh, Laila Ghannam, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einer „Hinrichtung am helllichten Tag“ und warf internationalen Institutionen vor, angesichts der palästinensischen Sache wegzusehen. Aus Sicht der Palästinensischen Autonomiebehörde reiht sich der Tod des Jungen in eine Serie israelischer Militäroperationen ein, die seit dem 7. Oktober 2023 massiv zugenommen haben. Nach einer auf palästinensischen Behördenangaben beruhenden Zählung der AFP wurden in diesem Zeitraum mindestens 1.085 Palästinenser im Westjordanland von Soldaten oder Siedlern getötet, darunter nach Darstellung der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem 235 Kinder und Jugendliche.
B'Tselem veröffentlichte am selben Tag einen Bericht, der für das Jahr 2025 allein 54 getötete Minderjährige dokumentiert – mehr als das Vierfache des Jahresdurchschnitts zwischen 2005 und 2021. Die Organisation führt diese Entwicklung auf eine schrittweise Lockerung der Einsatzregeln zurück: Ende 2021 habe die Armee den Einsatz tödlicher Gewalt auch gegen fliehende Steinwerfer autorisiert, nach dem Hamas-Angriff vom Oktober 2023 seien die Regeln nochmals ausgeweitet worden. Der Kommandeur des für das Westjordanland zuständigen Zentralkommandos, General Avi Bluth, hatte öffentlich erklärt, man töte „wie seit 1967 nicht mehr“, und behauptet, 96 Prozent der Getöteten seien an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen. B'Tselem nennt diese Aussage eine „unverfrorene Lüge“ und verweist darauf, dass von den 54 im Jahr 2025 getöteten Minderjährigen nur zwei zum Zeitpunkt ihres Todes eine Schusswaffe trugen und mindestens 21 an keinen Auseinandersetzungen beteiligt waren.
Das israelische Militär betont, es ziele nicht absichtlich auf unbeteiligte Zivilisten, und verweist auf interne Untersuchungsmechanismen. Der aktuelle Fall in al-Bireh wird nach Militärangaben geprüft. Die Vorgänge unterstreichen die angespannte Sicherheitslage im seit 1967 besetzten Westjordanland, wo nach offiziellen israelischen Daten im selben Zeitraum mindestens 46 Israelis bei palästinensischen Angriffen oder Militäreinsätzen getötet wurden. Mit einem Abschluss der Untersuchung ist in den kommenden Wochen zu rechnen; Erfahrungen aus früheren Fällen lassen indes nach Darstellung von Menschenrechtsgruppen nur selten Anklagen gegen Soldaten erwarten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Während eines Militäreinsatzes nahe Ramallah kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit Steinwürfen. Soldaten eröffneten das Feuer auf einen 15-jährigen arabischen Israeli, der später starb. Die Armee erklärte, der Vorfall werde untersucht.
Israelische Streitkräfte töteten einen 15-jährigen palästinensischen Jungen im besetzten Westjordanland und erhöhten damit die ohnehin hohe Zahl getöteter Kinder. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren ein Muster tödlicher Gewalt, die straflos bleibt, und sehen darin eine Entmenschlichung der Palästinenser. Die Tötung ist Teil einer breiteren Eskalation, die seit 2023 Hunderte zivile Opfer gefordert hat.
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