
El Niño gewinnt an Kraft – Indiens Monsun stockt, Brasilien rüstet sich für Unwetter
Die Wahrscheinlichkeit für ein starkes El-Niño-Ereignis liegt bei 97 Prozent; die Folgen reichen von Ernteausfällen über Sturzfluten bis zu steigenden Infektionsrisiken.
Die US-Klimabehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass das laufende El-Niño-Phänomen bis Dezember eine starke oder sehr starke Intensität erreicht, auf 97 Prozent. Bereits jetzt zeigen sich die ersten wetterwirksamen Folgen: In Indien ist der Monsun in eine Trockenphase übergegangen, wie Satellitenbilder des indischen Wetterdienstes belegen. Während der Nordosten des Landes mit extremen Niederschlägen und Überschwemmungen rechnen muss, bleiben weite Teile Zentral- und Westindiens weitgehend niederschlagsfrei. Gleichzeitig sagt der brasilianische Wetterdienst MetSul für den Süden des Landes ab dem 16. Juli eine erste schwere Unwetterwelle voraus, die Superzellen mit Hagel, Sturm und Tornados bringen könnte.
El Niño, die periodische Erwärmung des zentralen und östlichen tropischen Pazifiks, verschiebt die globalen Zirkulationsmuster. Die typischen Ost-West-Passatwinde schwächeln, warmes Wasser verlagert sich nach Osten, und die atmosphärische Konvektion folgt dieser Wärmeanomalie. Für den indischen Subkontinent bedeutet dies eine Abschwächung der monsuntreibenden Tiefdruckgebiete und eine Nordverlagerung der Monsunrinne, was die Niederschläge in den Nordosten drängt und das Landesinnere austrocknet. In Südamerika hingegen lenkt das Phänomen feuchte Luftmassen in den Süden Brasiliens, Uruguays und Argentiniens, wo sich nun wiederholt schwere Gewitter entladen dürften.
Die ungleiche Niederschlagsverteilung trifft die indische Landwirtschaft in einer kritischen Phase: Das landesweite Monsundefizit liegt seit Anfang Juni bei 18 Prozent, und für die kommende Woche sind nur vereinzelte Schauer vorhergesagt. In Brasilien, dem weltgrößten Exporteur von Soja, Kaffee und Zucker, könnten während der Aussaat zwischen September und November Ertragseinbußen von bis zu zehn Prozent eintreten, wie der Agrarökonom Eduardo Assad von der Fundação Getulio Vargas warnt. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) in Washington weist auf steigende Risiken für Dengue, Chikungunya und Atemwegserkrankungen hin, da wärmere und feuchtere Bedingungen die Vermehrung von Mücken begünstigen und Waldbrände die Luftqualität verschlechtern. Eine Analyse der Schweizer Großbank UBS sieht Kolumbien aufgrund schwacher Staatsfinanzen und hoher Inflation makroökonomisch am stärksten gefährdet, während Argentinien von zusätzlichen Regenfällen für die Getreideproduktion profitieren könnte.
Die International Rescue Committee (IRC) mit Sitz in New York drängt auf vorausschauende humanitäre Hilfe, insbesondere in Ostafrika und Südasien, wo Überschwemmungen und Cholera-Ausbrüche drohen. In Somalia, Kenia und Uganda sind bereits nationale Notfallpläne aktiviert. Für Indien richtet sich der Blick auf die letzte Juliwoche: Sollten die Madden-Julian-Oszillation und neue Tiefdruckgebiete über dem Golf von Bengalen wie von einigen Modellen projiziert an Fahrt aufnehmen, könnte der Monsun noch einmal an Kraft gewinnen. Die nächste Aktualisierung der NOAA zur Stärke des El Niño wird für Ende Juli erwartet.
| Indische & südasiatische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
| Arabische Golfpresse | −0.60 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.10 | neutral |
Indien beobachtet, wie sein Monsun unter dem Einfluss von El Niño schwächer wird, mit direkten Folgen für die Ernten und das Leben von Millionen Menschen.
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Lateinamerika bereitet sich darauf vor, einem El Niño zu begegnen, der Gesundheit, Landwirtschaft und Wirtschaft bedroht, mit Warnungen von Gesundheits- und Wetterbehörden.
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