
Der letzte Bunker der Reichskanzlei: Ein begraster Hügel, ein verborgener Eingang und die Frage, was bleiben muss
Ein privater Investor will auf dem Areal der einstigen Machtzentrale Hitlers Wohnungen errichten – der älteste erhaltene NS-Bunker Berlins steht den Plänen im Weg.
Viel ist nicht zu sehen. Eine kleine, mit Gras bewachsene Erhebung auf einer Brachfläche an der Voßstraße in Berlin-Mitte, am Rand die gemauerten Überreste eines Eingangs, der in den Untergrund führt. Wer nicht weiß, wonach er sucht, läuft achtlos vorbei. Dabei verbirgt sich unter dem unscheinbaren Hügel ein Relikt, das zu den letzten baulichen Spuren des nationalsozialistischen Regierungsviertels zählt: der Bunker der Neuen Reichskanzlei, errichtet ab 1938 nach Plänen Albert Speers, später Lazarett und Luftschutzraum für das Personal. Dass dieser Ort nun verschwinden soll, hat eine Kontroverse ausgelöst, in der sich grundsätzliche Fragen des Umgangs mit der NS-Vergangenheit bündeln.
Ein Hamburger Investor plant, auf dem Gelände ein siebengeschossiges Wohnhaus mit 66 Apartments sowie ein Bürogebäude zu errichten. Der Berliner Bausenator Christian Gaebler (SPD) signalisierte Zustimmung: Die Stadt werde dringend benötigten Wohnraum nicht blockieren, nur um einen Bunker zu erhalten, der womöglich zur Pilgerstätte für Neonazis werden könnte. Die Sorge vor einer ungewollten Mystifizierung des Ortes ist nicht neu – der wenige hundert Meter entfernte „Führerbunker“, in dem Adolf Hitler und Eva Braun 1945 Suizid begingen, wurde nach dem Krieg zerstört, die Fläche darüber jahrzehntelang nicht gekennzeichnet. Erst seit 2006 erinnert eine Informationstafel an die Geschichte des Areals.
Gegen den Abriss formiert sich Widerstand, angeführt vom Verein Berliner Unterwelten. Dessen Vorsitzender, der Historiker Dietmar Arnold, nennt die Pläne „totalen Wahnsinn“. Er plädiert dafür, den Bunker gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Berlin in einen Ort der Dokumentation und des Gedenkens zu verwandeln. „Es ist ein Täterort“, sagte Arnold der BBC, „das Machtzentrum Nazi-Deutschlands, und dies sind seine letzten Überreste.“ Der Bunker, den er zuletzt 2007 besichtigte, sei in bemerkenswert gutem Zustand: Rund 1.200 Quadratmeter der Anlage sind erhalten, Wände und Decken 1,70 Meter dick. Für das Bauvorhaben müsste etwa die Hälfte davon weichen.
Auch der Berliner Landesdenkmalrat hat sich eingeschaltet. In einer internen Empfehlung sprach sich das Gremium dafür aus, die Aufnahme des Bunkers in die Denkmalliste zu prüfen. Die Neue Reichskanzlei sei „Planungszentrum und Ausgangspunkt des Zweiten Weltkriegs“ gewesen und stehe zugleich „symbolhaft für das katastrophale Ende des NS-Regimes“. Die Senatsbauverwaltung hält dem entgegen, dass Berlin bereits über zahlreiche unterirdische historische Orte verfüge, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Eine denkmalrechtliche Unterschutzstellung besteht bislang nicht; der 2006 beschlossene Bebauungsplan sieht den Abriss bereits vor.
So bleibt der begraste Hügel vorerst, was er seit Jahrzehnten ist: ein übersehener Zeuge einer untergegangenen Machtarchitektur, eingezwängt zwischen den Landesvertretungen von Hessen und Brandenburg, in Sichtweite des Brandenburger Tors. Ob er bald Wohnungen weicht oder doch zum mahnenden Ort wird, ist offen. Die Debatte aber hat eine unsichtbare Schwelle bereits überschritten – sie holt ein verborgenes Relikt zurück ins öffentliche Bewusstsein.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Pläne, den letzten intakten Nazi-Bunker in Berlin abzureißen, um Luxuswohnungen zu bauen, haben scharfe Verurteilung ausgelöst. Der Bunker, Teil des Reichskanzleikomplexes, gilt als wesentliches historisches Zeugnis der Verbrechen des Dritten Reiches und seines Untergangs. Kritiker warnen, dass seine Zerstörung nicht nur eine wichtige Mahnstätte beseitigen, sondern auch eine Leere schaffen würde, die rechtsextreme Gruppen ausnutzen könnten.
In Berlin tobt ein Streit zwischen Denkmalschutz und Stadtentwicklung um einen ungenutzten Nazi-Bunker. Der Bebauungsplan von 2006 sah bereits eine Wohnbebauung auf dem Gelände vor, doch lokale Initiativen fordern den Erhalt des Bunkers und seine Öffnung als historisches Dokument. Die Kontroverse spiegelt das anhaltende Spannungsfeld zwischen Vergangenheitsbewältigung und aktuellem Wohnraumbedarf wider.
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