
China gründet globale KI-Organisation – Xi Jinping erstmals auf Weltkonferenz
Während Peking mit der Waico eine umfassende Institution zur KI-Regulierung schafft und verbindliche Standards für vernetzte Fahrzeuge setzt, reagieren die USA mit Abschottung und Rohstoffstrategien.
Die Volksrepublik China bereitet die Gründung der Weltorganisation für Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz (Waico) vor. Die neue Institution soll auf der Welt-KI-Konferenz (WAIC) in Shanghai, die am Freitag beginnt, offiziell vorgestellt werden. Erstmals wird Staatspräsident Xi Jinping persönlich an der Konferenz teilnehmen und eine Grundsatzrede halten. Aus Pekinger Sicht markiert dies den Anspruch, die globale KI-Governance nicht länger den bestehenden, oft als exklusiv empfundenen Gremien der Industrieländer zu überlassen, sondern ein inklusiveres Forum zu schaffen, das sich gezielt an Länder richtet, die bei der KI-Entwicklung zurückgeblieben sind.
Parallel dazu treibt das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) verbindliche technische Standards voran. Ein neuer Sicherheitsbenchmark für generative KI-Modelle soll 31 spezifische Risiken in sechs Dimensionen – von Inhaltsicherheit über Fairness bis Vertrauenswürdigkeit – bewerten. Unternehmen und Experten sind aufgerufen, sich am Aufbau zu beteiligen. Gleichzeitig wird ab Januar kommenden Jahres für alle neu zugelassenen Fahrzeuge mit intelligenten Fahrassistenzsystemen eine kontinuierliche Sicherheitsüberwachung, Datenaufzeichnung und Fernverwaltung verpflichtend. Diese Maßnahmen ergänzen die außenwirtschaftliche Dimension: Auf einer Konferenz in Chengdu loteten Vertreter aus Indonesien und den Philippinen Kooperationen bei intelligenter Energietechnik aus, um die hohen Stromkosten in den Inselstaaten mit chinesischen Plattformen und Speichersystemen zu senken.
In Washington hingegen dominiert eine Politik der Abschottung. Der Handelsausschuss des US-Senats stimmt noch in dieser Woche über einen überparteilichen Gesetzentwurf ab, der das Verbot chinesischer Fahrzeughersteller und vernetzter Fahrzeugkomponenten auf dem US-Markt verschärfen soll. Begründet wird dies mit dem Risiko des Zugriffs auf sensible Infrastruktur und persönliche Daten. Gleichzeitig gewinnt in verteidigungspolitischen Kreisen die Forderung an Gewicht, die Abhängigkeit von chinesisch kontrollierten Lieferketten für kritische Mineralien durch Recycling zu verringern. Aluminium, Kupfer, Lithium und Seltene Erden, deren Verarbeitung China dominiert, sollen verstärkt aus heimischen Altprodukten zurückgewonnen werden, um strategische Verwundbarkeiten zu reduzieren.
In Canberra bereitet Premierminister Anthony Albanese eine mit Spannung erwartete Rede zu den sicherheits- und gesellschaftspolitischen Leitplanken für KI vor. Regierungsdokumente belegen, dass der KI-Konzern Anthropic die australische Rechtsunsicherheit beim Urheberrecht als Haupthindernis für Investitionen in Rechenzentren anführt. Die Regierung steht vor der Herausforderung, den Ausbau energieintensiver Infrastruktur mit dem Schutz geistigen Eigentums und der gesellschaftlichen Akzeptanz in Einklang zu bringen. Umfragen zeigen eine gespaltene Bevölkerung: 36 Prozent sehen mehr Risiken als Chancen, 41 Prozent beides gleichermaßen.
Die kommenden Tage werden die unterschiedlichen ordnungspolitischen Ansätze weiter konturieren. Mit der WAIC in Shanghai und der erwarteten Ankündigung der Waico setzt Peking einen institutionellen Rahmen, der die technologische Führungsrolle untermauern soll. Die Abstimmung im US-Senat und die Grundsatzrede in Sydney werden zeigen, wie die westlichen Demokratien auf diesen Vorstoß reagieren.
| Chinesische Presse | +0.90 | aligned |
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