
Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag: Koalition verschärft Krankschreibungsregeln – Ärzteverbände warnen vor Praxisüberlastung
Die Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen und eine ärztliche Bescheinigung vom ersten Krankheitstag an vorschreiben; medizinische Verbände rechnen mit Millionen zusätzlicher Praxisbesuche und warnen vor einer Überlastung des Gesundheitswesens.
Die schwarz-rote Koalition hat im Rahmen eines umfassenden Reformpakets beschlossen, die Regeln zur Krankschreibung grundlegend zu verschärfen. Künftig sollen Arbeitnehmer verpflichtet sein, ihrem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorzulegen; die bisher geltende Drei-Tage-Frist entfällt. Gleichzeitig wird die während der Corona-Pandemie eingeführte und 2023 verstetigte Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abgeschafft. Die genaue Ausgestaltung ist nach Angaben des Regierungssprechers noch offen; Arbeitgeber sollen jedoch die Möglichkeit erhalten, auf die sofortige Vorlage zu verzichten, und Krankschreibungen per Videosprechstunde bleiben zulässig.
Aus Sicht von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist der Schritt wirtschaftlich geboten. Die Zahl der Krankheitstage in Deutschland sei „exorbitant“ und verursache einen Wettbewerbsnachteil; man kehre zu den Verhältnissen vor der Pandemie zurück. Der CDU-Wirtschaftsflügel verweist auf durchschnittlich 18 Fehltage je Arbeitnehmer und Jahr sowie auf Kosten der Lohnfortzahlung von jährlich 82 bis 85 Milliarden Euro, die allein die Betriebe tragen. Die Maßnahmen sind Teil eines 34-Punkte-Pakets, mit dem die Koalition das Arbeitsvolumen erhöhen, Steuern senken und die Konjunktur beleben will. Die parlamentarische Verabschiedung der Kernpunkte ist bis zum Jahresende vorgesehen.
Medizinische Verbände und Kassenärzte reagieren mit scharfer Kritik. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schätzt, dass die Neuregelung zu mindestens 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr führen werde; ihr Vorstand sprach von „Irrsinn“. Der Deutsche Hausärzteverband warnt, dass infektiöse Patienten mit leichten Erkrankungen die Wartezimmer füllen und die Versorgung ernsthaft Erkrankter gefährden würden. Innerhalb der SPD, die dem Beschluss nach eigenen Angaben nur zustimmte, um weitergehende Forderungen der Union wie unbezahlte Karenztage abzuwenden, mehren sich die Bedenken. Arbeitsministerin Bärbel Bas kündigte eine genaue Prüfung der Auswirkungen an, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mahnte, eine Klarstellung sei nötig, damit Erkrankte nicht am ersten Tag in die Praxis gehen müssten.
Internationale Vergleiche zeigen, dass Deutschland bei den Krankmeldungen im oberen Drittel liegt, jedoch nicht die Spitzenposition einnimmt. Nach OECD-Daten weisen Länder wie Norwegen deutlich höhere Fehlzeiten auf, während Italien und Griechenland am unteren Ende rangieren. Die Kombination aus voller Lohnfortzahlung über sechs Wochen und anschließendem Krankengeld gilt als vergleichsweise großzügig, ist aber kein Alleinstellungsmerkmal. Die Debatte über die konkrete Umsetzung der Attestpflicht wird die Koalition in den kommenden Wochen weiter beschäftigen; das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, die Regelung so auszugestalten, dass keine unnötigen Praxisbesuche erzwungen werden.
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In Deutschland ist eine Kontroverse über die Entscheidung der Regierung ausgebrochen, ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest zu verlangen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Kanzler Merz argumentiert, dass die Krankentage zu hoch seien, doch der Schritt hat eine Debatte ausgelöst.
Das Reformpaket der Bundesregierung, das eine ärztliche Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorschreibt und die telefonische Krankschreibung abschafft, hat heftigen Widerstand der Ärzteschaft hervorgerufen. Mediziner warnen vor überlasteten Praxen und längeren Wartezeiten, nennen den Plan 'Irrsinn' und bezweifeln die Auswirkungen auf wirklich kranke Arbeitnehmer.
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