
Putins Zustimmung stürzt in Rekordtempo ab – Treibstoffkrise und Drohnenangriffe belasten Kreml
Laut staatlichen und unabhängigen Umfragen verzeichnet der russische Präsident den stärksten wöchentlichen Rückgang seiner Zustimmungswerte seit der Invasion 2022; die Treibstoffknappheit und ukrainische Angriffe auf Raffinerien verschärfen die soziale Unzufriedenheit vor den Dumawahlen im September.
Die Zustimmungswerte für den russischen Präsidenten Wladimir Putin sind in der letzten Juniwoche so stark eingebrochen wie zuletzt zu Beginn des Krieges gegen die Ukraine. Nach Erhebungen des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM sank die Zustimmung zu Putins Amtsführung binnen sieben Tagen um 3,5 Prozentpunkte auf 66,9 Prozent; die Vertrauenswerte fielen um 3,4 Punkte auf 73,3 Prozent. Das Institut spricht vom stärksten wöchentlichen Rückgang seit Februar 2022. Auch die unabhängigen Erhebungen des Lewada-Zentrums und des Fonds „Öffentliche Meinung“ (FOM) zeigen einen Abwärtstrend, wenngleich mit unterschiedlichen absoluten Werten.
Aus Moskauer Sicht wird der Einbruch vor allem mit der sich ausweitenden Treibstoffkrise in Verbindung gebracht. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien haben in zahlreichen Regionen zu Engpässen, Preissteigerungen und langen Schlangen an Tankstellen geführt. Das Lewada-Zentrum nennt die Benzinprobleme und die Luftangriffe als die von den Befragten am häufigsten genannten Ereignisse des Monats Juni. Kremlnahe Analytiker wie Sergej Kolesnikow sehen darin eine Transformation der wirtschaftlichen in eine soziale Krise, die das Potenzial habe, politische Folgen zu zeitigen. Die allgemeine Unzufriedenheit werde durch eine wachsende Kriegsmüdigkeit verstärkt, auch wenn den Bürgern die Mittel für organisierten Protest fehlten.
Die Entwicklung fällt in eine politisch sensible Phase: Im September wird die Staatsduma neu gewählt. Vor diesem Hintergrund hat Putin die Treibstoffkrise erstmals öffentlich eingeräumt – allerdings nicht in einer Rede an die Nation, sondern in einem Interview mit dem als kremlnah geltenden Journalisten Pawel Sarubin. Westliche Beobachter werten dies als Versuch, den Eindruck der Weltfremdheit zu vermeiden, ohne der Krise durch ein präsidiales Format zusätzliches Gewicht zu verleihen. Putin versicherte, die Lage sei nicht „kritisch“, und lenkte das Gespräch rasch auf militärische Erfolge und Friedensverhandlungen.
Die Aussagekraft der Umfragen wird in Fachkreisen unterschiedlich beurteilt. Das WZIOM hatte im Mai seine Methodik von reinen Telefoninterviews auf eine Kombination mit persönlichen Befragungen umgestellt, was die Werte vorübergehend ansteigen ließ. Der Politologe Alexander Kinew weist darauf hin, dass persönliche Befragungen überwiegend ältere, konservativere Bevölkerungsgruppen erreichten, während Telefonumfragen jüngere, gebildetere und mobilere Schichten abbildeten. Unabhängig von methodischen Differenzen zeichnen alle drei Institute ein Bild sinkender Zustimmung. Der FOM verzeichnet zudem eine stark gestiegene gesellschaftliche Ängstlichkeit, die zuletzt während der Teilmobilmachung 2022 ähnlich hoch war. Die nächsten belastbaren Daten werden mit den Juli-Umfragen erwartet; die Regierung hat bislang keine konkreten Maßnahmen zur Behebung der Treibstoffengpässe angekündigt.
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Putins Zustimmungswerte sinken drastisch, während sich nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien Treibstoffknappheit in Russland ausbreitet. Die WZIOM-Daten zeigen einen rekordverdächtigen wöchentlichen Rückgang und lassen Zweifel an der Stabilität der Kreml-Unterstützung aufkommen.
Putins Zustimmungsrate verzeichnet den stärksten wöchentlichen Rückgang seit der Invasion der Ukraine, laut offiziellen WZIOM-Daten. Treibstoffknappheit und Kriegsmüdigkeit untergraben die Unterstützung und legen Risse im sorgfältig gepflegten Konsens des Kremls offen.
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