
Argentinien ringt England nieder: Messis späte Geniestreiche ebnen Weg ins Finale
Mit zwei Vorlagen in der Schlussphase drehte Lionel Messi das Halbfinale gegen England und führte Argentinien ins Endspiel gegen Spanien – während er Vorwürfe der Bevorzugung scharf zurückwies.
Im Mercedes-Benz Stadium von Atlanta schien England lange auf Kurs für das erste WM-Finale seit 1966. Anthony Gordon hatte die Three Lions in der 55. Minute in Führung gebracht, und die Mannschaft von Thomas Tuchel zog sich danach tief in die eigene Hälfte zurück. Doch Argentinien, das bereits im Achtelfinale gegen Ägypten einen 0:2-Rückstand gedreht hatte, schlug erneut spät zu. Enzo Fernández traf in der 85. Minute mit einem Distanzschuss zum Ausgleich, ehe Lautaro Martínez in der zweiten Minute der Nachspielzeit eine Flanke von Messi per Kopf zum 2:1-Sieg verwertete. Beide Treffer bereitete der 39-jährige Kapitän vor, der damit seine Assists im Turnier auf vier erhöhte und zum Rekordhalter der WM-Geschichte aufstieg.
Messi nutzte die Gelegenheit, um auf die anhaltenden Vorwürfe zu reagieren, Argentinien werde von der FIFA bevorteilt. „Niemand hat uns etwas geschenkt“, sagte er nach der Partie. „Wir sind seit vier Jahren die Besten, ob es den Leuten passt oder nicht.“ Der achtfache Ballon-d’Or-Gewinner verwies auf die zwei aufeinanderfolgenden Finalteilnahmen als Beleg für die Konstanz des Teams. Zugleich widmete er den Sieg Diego Maradona, dessen legendärer Auftritt gegen England im Viertelfinale 1986 sich zum 40. Mal jährte. „Der Diego da oben genießt das sicher sehr“, sagte Messi, der eine Replik von Maradonas Trikot von 1986 überreicht bekam.
Trainer Lionel Scaloni betonte die besondere Mentalität seiner Mannschaft. „Wir sind einzigartig, und das ist keine Arroganz, sondern kommt von Herzen“, erklärte er. Tatsächlich hatte Argentinien nach dem Rückstand 88 Prozent Ballbesitz und drängte England in die Defensive. Messi, der in der ersten Halbzeit noch 15 Mal den Ball verloren hatte, wurde nach seiner Verlagerung auf den rechten Flügel zum entscheidenden Faktor: Neun Dribblings, sieben Ballkontakte im gegnerischen Strafraum und die beiden Torvorlagen dokumentieren seine Dominanz in der Schlussphase. Aus englischer Sicht wurde die defensive Ausrichtung von Tuchel kritisiert, der früh zusätzliche Verteidiger einwechselte und sein Team damit jeglicher Entlastung beraubte.
Im Finale am Sonntag im MetLife Stadium in New Jersey trifft Argentinien auf Spanien, das Frankreich mit 2:0 bezwang. Für Messi ist es das dritte WM-Endspiel seiner Karriere; 2014 unterlag er Deutschland, 2022 triumphierte er gegen Frankreich. Die Partie gegen Spanien hat für ihn persönliche Note: Er verbrachte den Großteil seiner Karriere beim FC Barcelona und besitzt einen spanischen Pass. Scaloni, der mit einer Spanierin verheiratet ist und auf Mallorca lebt, kündigte an, „alles zu geben, um Herrn de la Fuente zu schlagen“. England spielt zuvor im Spiel um Platz drei gegen Frankreich. Argentinien könnte als erste Mannschaft seit Brasilien 1962 den WM-Titel verteidigen.
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