
Tödliche ICE-Einsätze: Mindestens drei Migranten in den USA erschossen
In Maine, Texas und Florida kamen Migranten bei Operationen der Einwanderungsbehörde ums Leben; die offiziellen Darstellungen werden von Angehörigen und Justizbehörden in Frage gestellt.
Bei Einsätzen der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE sind in diesem Monat mindestens drei Migranten ums Leben gekommen. Die Vorfälle ereigneten sich in Biddeford im Bundesstaat Maine, in Houston, Texas, sowie an einem bislang nicht näher bezeichneten Ort in Florida. In Maine wurde am 13. Juli der 25-jährige Kolumbianer Johan Sebastián Durán Guerrero von einem Beamten erschossen; in Texas starb am 7. Juli der 52-jährige Mexikaner Lorenzo Salgado Araujo durch Schüsse eines ICE-Agenten. Zu dem Fall in Florida liegen noch keine gesicherten Einzelheiten vor.
Nach Angaben von Angehörigen handelt es sich bei dem Schützen in Maine um den 37-jährigen ICE-Beamten David Brouillette. Dessen frühere Ehefrau und seine Tochter erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, Brouillette habe ihnen in Telefonaten die Tat eingeräumt und sie zugleich aufgefordert, seine Vergangenheit nicht öffentlich zu machen. Die Familie schildert eine jahrelange Vorgeschichte psychischer Erkrankungen, häuslicher Gewalt und rassistischer Äußerungen. Das Ministerium für Heimatschutz (DHS) hat die Identität des Beamten bislang nicht offiziell bestätigt. Die Behörde erklärte, das Fahrzeug des Kolumbianers habe fliehen wollen und der Beamte habe aus Sorge um die öffentliche Sicherheit geschossen. Der Anwalt der Familie des Opfers sowie Videoaufnahmen legen hingegen nahe, dass Durán Guerrero nicht die Person war, die die Beamten ursprünglich suchten.
Im texanischen Fall widerspricht eine Mitteilung der Bundesstaatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von Texas der ursprünglichen DHS-Darstellung. Während das Ministerium zunächst behauptet hatte, Salgado Araujo habe ein Polizeifahrzeug gerammt und der Schütze habe in Notwehr gehandelt, erwähnt die jüngste Erklärung der Staatsanwaltschaft keine Kollision. Demnach suchten die Beamten zwei guatemaltekische Staatsangehörige und hielten Salgado Araujo sowie seine Mitfahrer irrtümlich für die Gesuchten. Einer der Beamten habe sich teilweise im oder unmittelbar neben dem Fahrzeug befunden, als der Fahrer zurücksetzen und dann wieder vorwärts fahren wollte. Verletzungen von Beamten wurden nicht gemeldet. Der Bruder des Getöteten, der sich ebenfalls im Wagen befand, befindet sich weiterhin in ICE-Gewahrsam.
Aus mexikanischen Regierungskreisen wird unterdessen internationaler Druck aufgebaut. Ricardo Monreal, Koordinator der Morena-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hat sich in einem Schreiben an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte gewandt und um eine Untersuchung der Todesfälle gebeten. Er verweist auf insgesamt 18 mexikanische Staatsangehörige, die in jüngerer Zeit im Zusammenhang mit ICE-Operationen ums Leben gekommen seien – 14 davon in Gewahrsamseinrichtungen, vier bei Festnahmeversuchen. Die Ermittlungen zu den einzelnen Vorfällen dauern an; das DHS hat in keinem der Fälle die Namen der beteiligten Beamten offiziell freigegeben.
| Indische & südasiatische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.80 | critical |
Der Beamte war ein Veteran mit schweren psychischen Erkrankungen seit der Kindheit; das Einwanderungssystem hat ihn in eine Position gebracht, in der er versagte.
Indem die individuelle Verantwortung auf eine Pathologie reduziert wird, verlagert sich der Fokus von systemischer Gewalt auf persönliche Tragödie, sodass die Schießerei wie ein unglücklicher Unfall und nicht wie ein Muster von Missbrauch erscheint.
Es lässt das Denkmal für das Opfer, Guerreros Tochter und andere ICE-Tötungen aus, die ein Muster von Gewalt zeigen würden.
Joan Sebastián Guerrero war ein Vater, ein Sohn, ein Gemeindemitglied; seine Tötung ist ein Akt rassistischer und ungestrafter Gewalt.
Durch emotionale Details wie den Bluey-Schlafanzug der Tochter und das Denkmal identifiziert sich das Publikum mit dem Opfer, macht die Gewalt persönlich und inakzeptabel, während die psychische Gesundheit des Beamten als irrelevant für die systemische Ungerechtigkeit abgetan wird.
Es lässt die lange Vorgeschichte psychischer Erkrankungen des Beamten aus, die die individuelle Verantwortung mildern und die Erzählung von vorsätzlicher Bosheit verkomplizieren könnte.
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