
Alleinige Brückeneinweihung: Kanada feiert ohne USA – Trump beansprucht 50 Prozent der Einnahmen
Die neue Gordie-Howe-Brücke zwischen Ontario und Michigan wurde ohne amerikanische Beteiligung eröffnet; Washington verkündete geänderte Erlösaufteilung und neue Zölle
Die feierliche Eröffnung der internationalen Gordie-Howe-Brücke zwischen Windsor (Ontario) und Detroit (Michigan) fand am Freitag ohne die ursprünglich geladenen amerikanischen Vertreter statt. Das kanadische Infrastrukturministerium hatte die Einladung an die USA zurückgezogen, nachdem Präsident Donald Trump am Montag neue Zölle von 50 Prozent auf eine breite Palette kanadischer Waren angekündigt hatte – darunter Hockeyausrüstung, Alkohol und Milchprodukte. Die Brücke, deren Bau vollständig von Kanada mit umgerechnet 4,7 Milliarden US-Dollar finanziert wurde, soll am kommenden Montag für den Verkehr freigegeben werden. Kanadas Infrastrukturminister Gregor Robertson erklärte bei der Zeremonie, die bereits 2012 geschlossene ursprüngliche Vereinbarung über die Einnahmenverteilung bleibe unverändert; demnach fließen alle Mauteinnahmen zunächst vollständig an Kanada, bis die Baukredite getilgt sind.
Aus Washingtoner Sicht stellt die neue Erlösregelung eine Korrektur eines schlecht verhandelten Abkommens dar. Trump verkündete auf Truth Social, der ursprüngliche Deal sei hinfällig und die USA erhielten nun 50 Prozent der Gewinne. Ein am Dienstag veröffentlichtes Grundsatzabkommen zwischen Washington und Ottawa sieht vor, dass Kanada in den ersten 15 Jahren die Hälfte der Nettoeinnahmen aus Brücken- und Grenzverkehr an einen von den USA kontrollierten Fonds abführt, ohne explizit die Rückzahlung der kanadischen Schulden zu berücksichtigen. Premierminister Mark Carney hatte wiederholt öffentlich versichert, es gebe keine Erlösteilung vor vollständiger Schuldentilgung; am Donnerstag räumte er ein, sich nicht so klar ausgedrückt zu haben, wie es möglich gewesen wäre. Die konservative Opposition wirft ihm Irreführung der kanadischen Bevölkerung vor und hat für kommende Woche eine Untersuchung im parlamentarischen Regierungsausschuss beantragt.
Der Streit um die Brückeneinnahmen ist Teil eines sich verschärfenden Handelskonflikts. Trump begründete die neuen Zölle mit anhaltenden kanadischen Handelsschranken, namentlich dem staatlichen Marktordnungssystem für Milchprodukte und den von mehreren Provinzen verhängten Verkaufsverboten für amerikanische Spirituosen. Die ersten US-Zölle dieser Runde sollen ab dem 19. August in Kraft treten. Ontarios Premierminister Doug Ford befürwortet eine harte Gegenreaktion: „Wenn dir jemand zehnmal ins Gesicht schlägt, musst du dich wehren“, sagte er dem Sender CBS News und plädierte für Zoll-gegen-Zoll-Maßnahmen, auch wenn dies die Verbraucher auf beiden Seiten der Grenze treffe.
Die Brücke, benannt nach der kanadischen Hockeylegende Gordie Howe, soll zugleich die Abhängigkeit von der privat betriebenen Ambassador Bridge verringern, die im Eigentum der Familie des US-Unternehmers Matt Morun steht. Morun traf sich amerikanischen Medienberichten zufolge kurz vor Trumps Blockadedrohung im Februar mit US-Handelsminister Howard Lutnick, was die Frage nach lobbyistischen Einflussnahmen aufwirft. Mit der Verkehrsfreigabe am Montag tritt das Bauwerk in eine wirtschaftlich sensible Phase: Kanadischen Schätzungen zufolge wird die Rückzahlung der Schuldenlast bei ungeteilter Nutznießung rund 50 Jahre dauern – eine Frist, die sich durch die nun vereinbarte vorzeitige Erlösteilung möglicherweise verlängert.
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