Anmelden
Ausgabe von 20:00 CETDienstag, 14. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen126 Briefings heute
Gesellschaft & KulturDienstag, 14. Juli 2026

Zwischen Botox und Nostalgie: Stephen Chows neuer Film spaltet China

Während Frauen in Pekinger Schönheitskliniken für ewige Jugend campieren, entzweit Stephen Chows „Kung Fu Soccer“ das Publikum – ein Land auf der Suche nach dem, was einmal war.

In einer Pekinger Beauty-Klinik, kurz vor neun Uhr abends, liegen die ersten Patientinnen bereits unter den Nadeln. Andere haben die Nacht im Schlafsack vor der Tür verbracht, um nur ja nicht zu spät zu kommen. Es ist Injektions-Tag, und die Reichen und Schönen der Hauptstadt wollen noch schöner werden – mit Botox, Fillern, Stammzell-Therapien. Yang Mingming, die früher bei der Parteizeitung „People’s Daily“ arbeitete und heute Schönheitsbehandlungen und Versicherungen verkauft, sagt: „Vor wenigen Jahren hätten sich diese Frauen vielleicht eine teure Handtasche gekauft. Jetzt kaufen sie sich die ewige Jugend.“ Es ist ein Bild, das eine tiefe Verunsicherung spiegelt, eine Sehnsucht nach dem Bewahren in einem Land, dessen großer Aufbruch vorbei ist.

Wenige Tage später, in den Kinosälen Chinas, entfaltet sich eine andere Form der Rückbesinnung. Stephen Chow, der Meister des „mo lei tau“-Humors, bringt nach sieben Jahren Pause „Kung Fu Soccer“ auf die Leinwand – eine Hommage an seinen Klassiker „Shaolin Soccer“ von 2001. Der Film, der eine unterschätzte Frauenfußballmannschaft auf ihrem Weg zum Titel begleitet, spielte an den ersten vier Tagen über 660 Millionen Yuan ein und wurde zum erfolgreichsten Sommerfilmstart seit fünf Jahren. Doch der kommerzielle Triumph verdeckt eine tiefe Spaltung: Auf der Bewertungsplattform Douban pendelt sich der Film bei 6,6 von 10 Punkten ein. Viele Zuschauer klagen über veraltete Witze, abrupte Charakterentwicklungen und eine Handlung, die an eine Aneinanderreihung von Kurzvideos erinnere. Andere stören sich an den grellen visuellen Effekten – leuchtende Fußballfelder, Spielerinnen, die sich in Tiger und Drachen verwandeln. Ohne Chow selbst als Darsteller, so der Tenor in chinesischen sozialen Medien, wirkten die Versuche der Schauspieler, seinen Stil zu imitieren, hölzern und fingen die Magie nicht ein.

Dabei hatte Chow alles darangesetzt, die Brücke zur Vergangenheit zu schlagen. Aus Hongkong wurde berichtet, dass er mit Wong Yat-fei, dem Darsteller des „Eisenkopfes“ aus dem Original, wieder zusammenarbeitet – ein Moment, der in einem viralen Video festgehalten wurde, unterlegt mit dem klassischen Dialog: „Der erste Bruder ist zurück, ich habe das Gefühl, alles ist zurück.“ Auch Lam Chi-cung, der einst den schwebenden „Leichtgewicht“-Bruder spielte, kehrt zurück, diesmal als Regieassistent. Doch für viele Zuschauer reicht die Nostalgie nicht. „Nicht die Zuschauer schulden Chow einen Kinobesuch, sondern der Regisseur schuldet ihnen die Eintrittskarte“, spotteten manche in Anspielung auf die frühere Anti-Piraterie-Kampagne. Andere warfen dem Film Sexismus vor, weil Spielerinnen Schiedsrichter mit anzüglichen Gesten ablenken.

Die gespaltene Resonanz verweist auf einen tieferen Wandel. In Peking und anderen Metropolen boomen derweil Rentner-Clubs, die einer Generation, die in den Wirtschaftswunderjahren Wohlstand aufbaute, neue Bühnen bieten. Hou, 64, läuft in einem orangefarbenen Qipao über den Catwalk, nimmt Schauspielrollen an, lernt Salsa und Löwentanz. „Wir haben Ideen. Wir wollen nicht nur Tee trinken und Enkel hüten“, sagt sie. Über 500 solcher Clubs gibt es landesweit, manche erwirtschaften Millionengewinne. Gleichzeitig zieht es junge Ausländer wie den amerikanischen Barkeeper Nick Lappen nach Chengdu, der dort eine Rum-Bar eröffnete und die Wärme der Menschen und das langsamere Leben schätzt. Er will das Vorurteil widerlegen, alles aus China sei minderwertig – von Naturweinen aus Ningxia bis zu Craft-Bier aus Guiyang.

Doch der Glanz der Aufstiegsjahre ist stumpf geworden. Die Immobilienkrise hat auch Pekinger Eigentumswohnungen im Wert sinken lassen, Restaurants wirken halb leer, und die Elite sucht ihr Heil in Versicherungen und Botox. „Niemand weiss, was morgen ist. Schon gar nicht in China“, sagt Yang Mingming. In dieser Stimmung wird ein Film wie „Kung Fu Soccer“ zum Prisma: Für die einen ein Trost, der kurz die alte Magie aufblitzen lässt, für die anderen ein schales Versprechen, das sofort von überdrehten Effekten und abgestandenen Pointen durchbrochen wird. Am Ende bleibt das Bild einer Gesellschaft, die sich in den Wartezimmern der Schönheitskliniken und den verdunkelten Kinosälen dieselbe Frage stellt: Was von dem, was einmal war, lässt sich noch retten?

Divergenz — wer erzählt sie wie
Achse: Optimism vs. Pessimism
94%Hoch
3 Blöcke · Positionen von −1.00 bis +1.00
Decline narrativeSuccess narrative
EURCINATL
Abweichung zwischen Presseblöcken
Kontinentaleuropäische Presse−1.00critical
Chinesische Presse+1.00aligned
Atlantische / angloamerikanische Presse+1.00aligned
Kontinentaleuropäische Presse−1.00
Stimme

Die chinesische Elite verliert den Glauben; der Traum vom Fortschritt ist eine Fata Morgana. Wir durchschauen die Eitelkeit.

Mechanismusuniversalizzazione

Der Artikel universalisiert die Ängste einer kleinen Elite, um zu behaupten, dass der gesamte chinesische Traum vorbei sei, und verwendet selektive Anekdoten.

Auslassung

Er lässt den enormen kommerziellen Erfolg des Films und die positiven Geschichten von Rentnern aus, die von der chinesischen Presse als Zeichen der Vitalität dargestellt werden.

SkepsisAlarmIronie
Chinesische Presse+1.00
Stimme

Wir feiern Chinas Errungenschaften: Der Film bricht Rekorde, Rentner nehmen neue Lebensstile an. Der chinesische Traum lebt und gedeiht.

Mechanismustrionfalismo

Der Artikel verwendet selektive positive Beispiele und Kassenzahlen, um eine Erzählung ununterbrochenen Erfolgs zu konstruieren und ignoriert Risse.

Auslassung

Er lässt die europäische Kritik an der Elite-Angst und die gemischten Kritiken des Films aus und konzentriert sich nur auf das Positive.

TriumphPragmatismusPaternalismus
Atlantische / angloamerikanische Presse+1.00
Stimme

Ich habe meine Zukunft in China gefunden. Der amerikanische Traum verblasst im Vergleich zu den Möglichkeiten hier.

Mechanismustestimonianza personale

Der Artikel verwendet ein persönliches Zeugnis, um eine emotionale Resonanz zu erzeugen, die den chinesischen Traum bestätigt, ohne systemische Probleme anzusprechen.

Auslassung

Er lässt die Elite-Angst und die gemischten Kritiken des Films sowie die breitere europäische Kritik aus und präsentiert nur eine einzige positive Anekdote.

TriumphPragmatismus

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Trossard verlässt Arsenal Richtung Besiktas – Fenerbahce holt Greenwood·Ein Satz, ein Shitstorm: Pedro Sola und die neue Empörungskultur in Mexiko·Russische Angriffe auf Handelsschiffe vor Odessa fordern Tote – Moskau und Kiew weisen sich gegenseitig Verantwortung zu·Von Melonen bis Bohnen: Einfache Küchenregeln, die Gesundheitsrisiken senken·Peking fordert Gas zu Inlandspreisen – Moskau weist Darstellung als Juniorpartner zurück·Washington verhängt neue Seeblockade gegen Iran und weitet Luftschläge aus·Rajoy-Kolumne über Frankreichs Team löst diplomatische Krise aus·Festsetzung von US-Abgeordnetem Ro Khanna im Westjordanland löst transatlantische Kontroverse aus·Trossard verlässt Arsenal Richtung Besiktas – Fenerbahce holt Greenwood·Ein Satz, ein Shitstorm: Pedro Sola und die neue Empörungskultur in Mexiko·Russische Angriffe auf Handelsschiffe vor Odessa fordern Tote – Moskau und Kiew weisen sich gegenseitig Verantwortung zu·Von Melonen bis Bohnen: Einfache Küchenregeln, die Gesundheitsrisiken senken·Peking fordert Gas zu Inlandspreisen – Moskau weist Darstellung als Juniorpartner zurück·Washington verhängt neue Seeblockade gegen Iran und weitet Luftschläge aus·Rajoy-Kolumne über Frankreichs Team löst diplomatische Krise aus·Festsetzung von US-Abgeordnetem Ro Khanna im Westjordanland löst transatlantische Kontroverse aus·
Akt. 15:363 Sprachen · 4 Quellen
VorherigerGesellschaft & KulturNächster
4 Quellen|3 Sprachen|4 Min. Lesezeit
Dienstag, 14. Juli 2026

Zwischen Botox und Nostalgie: Stephen Chows neuer Film spaltet China

Während Frauen in Pekinger Schönheitskliniken für ewige Jugend campieren, entzweit Stephen Chows „Kung Fu Soccer“ das Publikum – ein Land auf der Suche nach dem, was einmal war.

In einer Pekinger Beauty-Klinik, kurz vor neun Uhr abends, liegen die ersten Patientinnen bereits unter den Nadeln. Andere haben die Nacht im Schlafsack vor der Tür verbracht, um nur ja nicht zu spät zu kommen. Es ist Injektions-Tag, und die Reichen und Schönen der Hauptstadt wollen noch schöner werden – mit Botox, Fillern, Stammzell-Therapien. Yang Mingming, die früher bei der Parteizeitung „People’s Daily“ arbeitete und heute Schönheitsbehandlungen und Versicherungen verkauft, sagt: „Vor wenigen Jahren hätten sich diese Frauen vielleicht eine teure Handtasche gekauft. Jetzt kaufen sie sich die ewige Jugend.“ Es ist ein Bild, das eine tiefe Verunsicherung spiegelt, eine Sehnsucht nach dem Bewahren in einem Land, dessen großer Aufbruch vorbei ist.

Wenige Tage später, in den Kinosälen Chinas, entfaltet sich eine andere Form der Rückbesinnung. Stephen Chow, der Meister des „mo lei tau“-Humors, bringt nach sieben Jahren Pause „Kung Fu Soccer“ auf die Leinwand – eine Hommage an seinen Klassiker „Shaolin Soccer“ von 2001. Der Film, der eine unterschätzte Frauenfußballmannschaft auf ihrem Weg zum Titel begleitet, spielte an den ersten vier Tagen über 660 Millionen Yuan ein und wurde zum erfolgreichsten Sommerfilmstart seit fünf Jahren. Doch der kommerzielle Triumph verdeckt eine tiefe Spaltung: Auf der Bewertungsplattform Douban pendelt sich der Film bei 6,6 von 10 Punkten ein. Viele Zuschauer klagen über veraltete Witze, abrupte Charakterentwicklungen und eine Handlung, die an eine Aneinanderreihung von Kurzvideos erinnere. Andere stören sich an den grellen visuellen Effekten – leuchtende Fußballfelder, Spielerinnen, die sich in Tiger und Drachen verwandeln. Ohne Chow selbst als Darsteller, so der Tenor in chinesischen sozialen Medien, wirkten die Versuche der Schauspieler, seinen Stil zu imitieren, hölzern und fingen die Magie nicht ein.

Dabei hatte Chow alles darangesetzt, die Brücke zur Vergangenheit zu schlagen. Aus Hongkong wurde berichtet, dass er mit Wong Yat-fei, dem Darsteller des „Eisenkopfes“ aus dem Original, wieder zusammenarbeitet – ein Moment, der in einem viralen Video festgehalten wurde, unterlegt mit dem klassischen Dialog: „Der erste Bruder ist zurück, ich habe das Gefühl, alles ist zurück.“ Auch Lam Chi-cung, der einst den schwebenden „Leichtgewicht“-Bruder spielte, kehrt zurück, diesmal als Regieassistent. Doch für viele Zuschauer reicht die Nostalgie nicht. „Nicht die Zuschauer schulden Chow einen Kinobesuch, sondern der Regisseur schuldet ihnen die Eintrittskarte“, spotteten manche in Anspielung auf die frühere Anti-Piraterie-Kampagne. Andere warfen dem Film Sexismus vor, weil Spielerinnen Schiedsrichter mit anzüglichen Gesten ablenken.

Die gespaltene Resonanz verweist auf einen tieferen Wandel. In Peking und anderen Metropolen boomen derweil Rentner-Clubs, die einer Generation, die in den Wirtschaftswunderjahren Wohlstand aufbaute, neue Bühnen bieten. Hou, 64, läuft in einem orangefarbenen Qipao über den Catwalk, nimmt Schauspielrollen an, lernt Salsa und Löwentanz. „Wir haben Ideen. Wir wollen nicht nur Tee trinken und Enkel hüten“, sagt sie. Über 500 solcher Clubs gibt es landesweit, manche erwirtschaften Millionengewinne. Gleichzeitig zieht es junge Ausländer wie den amerikanischen Barkeeper Nick Lappen nach Chengdu, der dort eine Rum-Bar eröffnete und die Wärme der Menschen und das langsamere Leben schätzt. Er will das Vorurteil widerlegen, alles aus China sei minderwertig – von Naturweinen aus Ningxia bis zu Craft-Bier aus Guiyang.

Doch der Glanz der Aufstiegsjahre ist stumpf geworden. Die Immobilienkrise hat auch Pekinger Eigentumswohnungen im Wert sinken lassen, Restaurants wirken halb leer, und die Elite sucht ihr Heil in Versicherungen und Botox. „Niemand weiss, was morgen ist. Schon gar nicht in China“, sagt Yang Mingming. In dieser Stimmung wird ein Film wie „Kung Fu Soccer“ zum Prisma: Für die einen ein Trost, der kurz die alte Magie aufblitzen lässt, für die anderen ein schales Versprechen, das sofort von überdrehten Effekten und abgestandenen Pointen durchbrochen wird. Am Ende bleibt das Bild einer Gesellschaft, die sich in den Wartezimmern der Schönheitskliniken und den verdunkelten Kinosälen dieselbe Frage stellt: Was von dem, was einmal war, lässt sich noch retten?

Divergenz — wer erzählt sie wie
Achse: Optimism vs. Pessimism
94%Hoch
3 Blöcke · Positionen von −1.00 bis +1.00
Decline narrativeSuccess narrative
EURCINATL
Abweichung zwischen Presseblöcken
Kontinentaleuropäische Presse−1.00critical
Chinesische Presse+1.00aligned
Atlantische / angloamerikanische Presse+1.00aligned
Kontinentaleuropäische Presse−1.00
Stimme

Die chinesische Elite verliert den Glauben; der Traum vom Fortschritt ist eine Fata Morgana. Wir durchschauen die Eitelkeit.

Mechanismusuniversalizzazione

Der Artikel universalisiert die Ängste einer kleinen Elite, um zu behaupten, dass der gesamte chinesische Traum vorbei sei, und verwendet selektive Anekdoten.

Auslassung

Er lässt den enormen kommerziellen Erfolg des Films und die positiven Geschichten von Rentnern aus, die von der chinesischen Presse als Zeichen der Vitalität dargestellt werden.

SkepsisAlarmIronie
Chinesische Presse+1.00
Stimme

Wir feiern Chinas Errungenschaften: Der Film bricht Rekorde, Rentner nehmen neue Lebensstile an. Der chinesische Traum lebt und gedeiht.

Mechanismustrionfalismo

Der Artikel verwendet selektive positive Beispiele und Kassenzahlen, um eine Erzählung ununterbrochenen Erfolgs zu konstruieren und ignoriert Risse.

Auslassung

Er lässt die europäische Kritik an der Elite-Angst und die gemischten Kritiken des Films aus und konzentriert sich nur auf das Positive.

TriumphPragmatismusPaternalismus
Atlantische / angloamerikanische Presse+1.00
Stimme

Ich habe meine Zukunft in China gefunden. Der amerikanische Traum verblasst im Vergleich zu den Möglichkeiten hier.

Mechanismustestimonianza personale

Der Artikel verwendet ein persönliches Zeugnis, um eine emotionale Resonanz zu erzeugen, die den chinesischen Traum bestätigt, ohne systemische Probleme anzusprechen.

Auslassung

Er lässt die Elite-Angst und die gemischten Kritiken des Films sowie die breitere europäische Kritik aus und präsentiert nur eine einzige positive Anekdote.

TriumphPragmatismus

Diese Nachricht erschien in

4 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Parade der europäischen Entschlossenheit: Macrons letzter 14. Juli als Bühne für die „Koalition der Willigen“

8 Sprachen · 20 Quellen

Aus Economy & Markets

Rekordpreis für T. rex „Gus“ verschärft Konflikt zwischen Fossilienmarkt und Wissenschaft

9 Sprachen · 23 Quellen

Aus Technology

Sojus-Rakete bringt neuen ISS-Crew ins All: Anil Menon startet zu achtmonatiger Mission

5 Sprachen · 9 Quellen

Mehr lesen