
Zwei Sonden, zwei Asteroiden: Japan und China gelingen zeitgleich präzise Vorbeiflüge
Hayabusa2 und Tianwen-2 haben ihre Zielasteroiden in wenigen hundert Metern Abstand passiert und liefern Bilder, die bisherige Größenschätzungen korrigieren.
Innerhalb weniger Tage haben die japanische und die chinesische Raumfahrtbehörde unabhängig voneinander die Annäherung ihrer Sonden an erdnahe Asteroiden vermeldet. Die japanische Hayabusa2 passierte am 5. Juli den Asteroiden Torifune mit einer Relativgeschwindigkeit von fünf Kilometern pro Sekunde in einem Abstand von nur wenigen hundert Metern. Die chinesische Tianwen-2 erreichte nach 400 Tagen und rund einer Milliarde Kilometern Flugstrecke eine Position 20 Kilometer von ihrem Ziel 2016 HO3 (Kamo‘oalewa) und begann mit wissenschaftlichen Beobachtungen. Beide Missionen markieren einen Übergang von der reinen Navigation zur detaillierten Erkundung kleiner Himmelskörper.
Die von JAXA veröffentlichte Nahaufnahme von Torifune zeigt eine schneemannartige Doppelstruktur mit zwei deutlich verbundenen Lappen und einer von Gesteinsbrocken übersäten Oberfläche. Aus japanischer Sicht legt diese Morphologie nahe, dass der rund 800 Meter lange Asteroid durch die Kollision und Verschmelzung zweier kleinerer Körper entstanden ist. Yuya Mimasu, Leiter des erweiterten Missionsteams, sprach von einem „Schock“ beim Anblick des Bildes, das in einer flüchtigen Sekunde vor der größten Annäherung entstand. Die gewonnenen Daten zu Topografie, Textur und Temperatur sollen nicht nur die Entstehungsgeschichte des Asteroiden erhellen, sondern auch Techniken zur planetaren Verteidigung voranbringen.
Die chinesische Mission lieferte parallel eine Überraschung: Aufnahmen von Tianwen-2 deuten darauf hin, dass 2016 HO3 deutlich kleiner ist als bisher angenommen. Während frühere Schätzungen von 40 bis 100 Metern Durchmesser ausgingen, spricht Zhang Pengfei vom Institut für Geochemie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften nun von lediglich 20 bis 30 Metern. Die graue, unregelmäßig geformte Masse mit rauer Oberfläche wird in den kommenden Wochen schrittweise genauer kartiert, um Form, Materialzusammensetzung und innere Struktur zu erfassen – Voraussetzung für die spätere Probenentnahme, die erste dieser Art für China.
Beide Vorhaben sind in einen größeren Kontext eingebettet. Hayabusa2 hatte bereits 2020 Proben des Asteroiden Ryugu zur Erde gebracht und soll nach dem Torifune-Vorbeiflug 2031 den Asteroiden 1998 KY26 erreichen und auf ihm landen. Tianwen-2 wird nach der Fernerkundung eine Probenkapsel zur Erde schicken und danach ebenfalls zu einem weiteren Himmelskörper weiterfliegen. Die Manöver dienen auch der Erprobung von Ablenkungstechniken, wie sie die NASA 2022 mit der DART-Mission an Dimorphos demonstrierte. Die nächsten auswertbaren Datensätze werden in den kommenden Wochen von beiden Sonden erwartet, wenn die schrittweise Übertragung der wissenschaftlichen Instrumentendaten abgeschlossen ist.
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| Chinesische Presse | +0.60 | aligned |
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