
Angriffe auf drei Tanker im Golf von Oman gefährden brüchige Waffenruhe
Trotz eines befristeten Abkommens zwischen Washington und Teheran wurden binnen 24 Stunden mehrere Handelsschiffe beschossen; Katar macht Iran verantwortlich.
Im Golf von Oman sind innerhalb von 24 Stunden drei Handelsschiffe beschossen worden. Nach Angaben der britischen Seesicherheitsbehörde UKMTO wurde zunächst ein Gastanker vor der omanischen Küste von einem Projektil getroffen und in Brand gesetzt. Später meldete die Behörde zwei weitere Vorfälle, darunter einen Drohnenangriff auf einen Tanker. Verletzte wurden nicht gemeldet, doch die Schäden an den Schiffen – darunter der katarische LNG-Frachter „Al Rekayyat“ und der unter saudischer Flagge fahrende Rohöltanker „Wedyan“ – sind laut Reedereikreisen erheblich.
Das katarische Außenministerium wies Iran die „volle rechtliche Verantwortung“ für den Angriff auf die „Al Rekayyat“ zu und sprach von einer schwerwiegenden Verletzung des Völkerrechts. Das iranische Staatsfernsehen deutete an, das Schiff habe Warnungen ignoriert, vermied jedoch ein offizielles Bekenntnis. Teheran hatte in der vergangenen Woche erklärt, nur die von Iran genehmigten Routen durch die Straße von Hormus seien sicher, und vor einer Einmischung amerikanischer Kräfte gewarnt. Washington hingegen hält über das multinationale maritime Informationszentrum an der Freigabe der omanischen Küstenroute fest.
Die Angriffe gefährden das im Juni geschlossene vorläufige Waffenstillstandsabkommen, das für 60 Tage eine gebührenfreie Passage durch die Meerenge vorsieht. Die Straße von Hormus, durch die in Friedenszeiten rund ein Fünftel des globalen Öl- und Gashandels fließt, ist seit Beginn des Krieges Ende Februar zum zentralen Spannungsfeld geworden. Iran beansprucht die Kontrolle über die Wasserstraße und will künftig Transitgebühren erheben – ein Vorhaben, das die USA und die Golfstaaten ablehnen. Die jüngsten Attacken zeigen, dass die im Abkommen vereinbarte Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs fragil bleibt und die Sicherheitslage jederzeit kippen kann.
Die Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung ruhen derzeit. Aus Teheraner Sicht sind Gespräche erst nach einer Waffenruhe im Libanon und einem vollständigen israelischen Rückzug möglich, wie Außenminister Araghchi erklärte. Washington drängt unterdessen auf eine umfassende Einigung, die auch das iranische Atomprogramm einschränken soll. Präsident Trump drohte, notfalls „die Arbeit zu beenden“. Die nächste Verhandlungsrunde ist für die Zeit nach der Beisetzung des im Krieg getöteten geistlichen Führers Chamenei vorgesehen, dessen Trauerzeremonien in Qom andauern. Bis dahin bleibt die Lage in der für die Weltwirtschaft zentralen Passage ungewiss.
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