
Zelenskyj bleibt Wiederaufbaukonferenz in Danzig fern – Ordenstreit vertieft polnisch-ukrainische Spannungen
Der ukrainische Präsident überlässt die Leitung der Delegation seiner Ministerpräsidentin, nachdem Warschau ihm wegen der Ehrung einer UPA-Einheit den Weißen Adlerorden entzogen hatte.
Die für den 25. und 26. Juni in Danzig angesetzte internationale Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine findet ohne den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj statt. Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko wird die Delegation Kiews leiten, wie sie am 23. Juni mitteilte. Das Fernbleiben Selenskyjs ist die unmittelbare Folge eines seit Ende Mai schwelenden diplomatischen Konflikts, der sich an der Verleihung des Ehrennamens „Helden der UPA“ an eine Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte entzündet hatte. Der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog Selenskyj daraufhin die höchste polnische Auszeichnung, den Orden des Weißen Adlers; Selenskyj sandte die Insignien demonstrativ per Post zurück, und zahlreiche ukrainische Amtsträger sowie frühere Präsidenten gaben ihre polnischen Orden ebenfalls ab.
Aus Kiewer Sicht soll die Konferenz nun „ohne unnötige Politisierung und Skandale“ in pragmatischen Bahnen verlaufen, wie der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, erklärte. Zugleich betonte er, die Position Nawrockis sei nicht mit der Haltung Polens oder der polnischen Gesellschaft gleichzusetzen. In Warschau bemüht sich Ministerpräsident Donald Tusk um Schadensbegrenzung. Er bezeichnete den Streit als strategischen Fehler, der beiden Seiten geschäftlich, geopolitisch und in der Reputation schade, und nannte die Abwesenheit Selenskyjs einen Schritt zur Deeskalation. Tusk räumte zugleich wachsende antiukrainische Stimmungen in der polnischen Bevölkerung ein, die er teils für nachvollziehbar hält, ohne sie jedoch weiter anfachen zu wollen.
Westliche Beobachter und Medien sehen in dem Zerwürfnis ein zerstörerisches Potential für die Einheit der Unterstützerkoalition. Die Financial Times berichtete, dass ein Besuch des ukrainischen Präsidialamtschefs Kyrylo Budanow in Warschau keine Einigung brachte, weil polnische Regierungsvertreter auf der Streichung des UPA-Bezugs aus dem Einheitsnamen bestanden. Die New York Times zitierte eine Warschauer Politikwissenschaftlerin mit der Einschätzung, Russland öffne angesichts des Streits „den Champagner“. Der polnische Publizist Ziemowit Szczerek nannte Tusk den „vielleicht einzigen Erwachsenen im Raum“; ähnlich äußerte sich ein Kolumnist von Bloomberg. Demgegenüber forderten randständige Stimmen in polnischen Medien wie Mysl Polska, Polen müsse die Beziehungen zu Russland normalisieren und sich auf einen möglichen Konflikt mit der Ukraine vorbereiten.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die gegensätzliche historische Bewertung der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA). Während sie in der Ukraine weithin als Trägerin des Unabhängigkeitskampfes gegen die Sowjetherrschaft gilt, wird sie in Polen mit den Massakern an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien 1943 bis 1945 in Verbindung gebracht. Die Konferenz in Danzig, zu der neben Tusk auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet werden, bleibt für Kiew ein zentrales Forum zur Einwerbung von Wiederaufbauhilfen und für Warschau eine Gelegenheit, seine regionale Führungsrolle zu unterstreichen. Ob und wie der historische Streit entschärft werden kann, ist derzeit nicht absehbar; die ukrainische Seite hat bislang keine Bereitschaft erkennen lassen, die Ehrung rückgängig zu machen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Selenskyj meidet die Danziger Konferenz, um der Peinlichkeit zu entgehen, nachdem er die UPA verherrlicht hat, die Polen als kriminell betrachtet. Warschau ist empört, die anti-ukrainische Stimmung wächst, und einige Stimmen fordern sogar eine Wiederannäherung an Moskau. Der Gipfel wird ohne den ukrainischen Präsidenten produktiver sein, und der Riss offenbart die Brüche im westlichen Bündnis.
Selenskyj wird nicht an der Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in Danzig teilnehmen, nach einem diplomatischen Streit um einen polnischen Staatsorden. Die ukrainische Premierministerin wird die Delegation leiten. Das Treffen mit europäischen Spitzenpolitikern konzentriert sich auf praktische Wiederaufbaumaßnahmen.
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