
Ukrainische Drohnenkampagne löst Treibstoffkrise in Russland aus – Selenskyj ordnet Präventivschläge an
Die systematischen Angriffe auf Raffinerien und Öldepots haben nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur ein beispielloses Ausmaß erreicht und zwingen Moskau zu Rationierungen in Dutzenden Regionen.
Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur in der Nacht zum Donnerstag massiv ausgeweitet und damit eine sich verschärfende Treibstoffkrise im gesamten Staatsgebiet der Russischen Föderation ausgelöst. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden binnen 24 Stunden 269 Drohnen über Russland und der annektierten Krim abgefangen; dennoch trafen ukrainische Geschosse unter anderem das Öllager Poltawskaja in der Region Krasnodar, eine Industriezone in Baschkortostan sowie ein Fahrzeug im Gebiet Brjansk, wobei nach Behördenangaben mindestens vier Zivilisten getötet wurden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner abendlichen Videoansprache, er habe Geheimdienste und Militär angewiesen, „präventiv gegen Anlagen vorzugehen, die Russland für die Ausweitung seiner Kriegsanstrengungen nutzt“.
Aus Kiewer Sicht handelt es sich um eine strategische Kampagne, die den militärischen Nachschub des Gegners unterbrechen und den Druck auf die russische Führung erhöhen soll, um Verhandlungen zu erzwingen. Selenskyj betonte, die Operationen seien „klar kalkuliert“ und bewiesen, dass die Ukraine mit entsprechender Partnerhilfe Bedingungen schaffen könne, unter denen Russland „gezwungen sein wird, den Frieden zu wählen“. In Moskau hingegen wertet man die Angriffe als Eskalation; der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach von einem „wachsenden Ärger“ über die veränderte Haltung Washingtons und deutete an, man wolle verstehen, was beim G7-Gipfel in Évian besprochen worden sei. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete zudem, in der von Russland besetzten Stadt Horliwka seien drei Menschen durch einen Drohnenangriff ums Leben gekommen.
Die faktischen Folgen der ukrainischen Schläge sind in weiten Teilen Russlands spürbar. Laut einer Erhebung von Radio Free Europe/Radio Liberty haben mindestens 53 der 83 föderalen Subjekte Russlands sowie die besetzten ukrainischen Gebiete obligatorische Verkaufsbeschränkungen für Benzin und Diesel verhängt oder leiden unter Lieferengpässen privater Anbieter. Auf der Krim wurde der Treibstoffverkauf an Privatpersonen vollständig ausgesetzt, der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt und Straßenbeleuchtung gedimmt. Die Internationale Energieagentur bezeichnete das Ausmaß der Störungen in einem aktuellen Bericht als „beispiellos in der Geschichte des Konflikts“. Brancheninsidern zufolge wird die Moskauer Raffinerie Kapotnja, die ein Drittel des Treibstoffs für die Hauptstadtregion liefert, nach zwei Treffern in diesem Monat für mindestens sechs Monate ausfallen; insgesamt sollen mehr als 20 Prozent der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt sein.
In Washington zeichnet sich unterdessen eine bemerkenswerte Neubewertung der Lage ab. US-Präsident Donald Trump, der Selenskyj zuvor mangelnde Verhandlungsbereitschaft vorgeworfen hatte, nannte den ukrainischen Präsidenten nun „mutig“ und bescheinigte ihm, er schlage sich „ziemlich gut“. Laut Berichten der Financial Times und der Kyiv Independent war Trump beim G7-Gipfel von der ukrainischen Drohnenkampagne „tief beeindruckt“ und habe Selenskyj in einem privaten Gespräch zu entschlossenerem Vorgehen ermutigt. Europäische Diplomaten registrierten eine „echte Veränderung“ im Ansatz des Weißen Hauses, auch wenn Washington öffentliche Kritik an Moskau weiterhin vermeide. Die russische Regierung prüft unterdessen ein Exportverbot für Diesel und erwägt Treibstoffimporte, um die Engpässe zu mildern. Der Kreml hat sich zu den Rationierungen bislang nicht offiziell geäußert; die nächste Sitzung des russischen Sicherheitsrats ist für kommende Woche anberaumt.
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