
Anthropic beziffert Alibabas KI-Destillation auf 28,8 Millionen Abfragen – und wird selbst von US-Beschränkungen getroffen
Ein Brief an den US-Kongress dokumentiert die bislang grösste unerlaubte Extraktion von KI-Fähigkeiten, während Washington zwei Tage später Anthropics eigene Spitzenmodelle reguliert und die transatlantische Debatte über KI-Souveränität verschärft.
Am 12. Juni verhängte das US-Handelsministerium Ausfuhrbeschränkungen für die neuesten KI-Modelle Mythos und Fable des amerikanischen Entwicklers Anthropic. Das Unternehmen schaltete daraufhin den Zugang weltweit ab. Zwei Tage zuvor hatte Anthropic in einem Schreiben an die Senatoren Tim Scott und Elizabeth Warren dem chinesischen Technologiekonzern Alibaba vorgeworfen, zwischen April und Juni 2026 über fast 25.000 gefälschte Konten 28,8 Millionen Abfragen an das KI-System Claude gerichtet zu haben. Es handele sich um die grösste bekannte Destillationskampagne, bei der die Antworten eines leistungsstärkeren Modells genutzt werden, um ein schwächeres zu trainieren.
Aus Washingtoner Sicht untergräbt diese Praxis amerikanische Investitionen in Forschung und Entwicklung in Milliardenhöhe. Anthropic spricht von einer „illegalen Subventionierung geopolitischer Konkurrenten“ und verweist auf frühere Fälle: Bereits im Februar hatte das Unternehmen die chinesischen Start-ups DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax ähnlicher Angriffe bezichtigt. Das Pentagon setzte Alibaba im Juni auf die Liste der mit dem chinesischen Militär verbundenen Unternehmen; Alibaba klagt dagegen. Parallel planen die Senatoren Bill Hagerty und Andy Kim eine Änderung des Verteidigungshaushalts, die chinesische Firmen bei unerlaubter Nutzung amerikanischer KI-Ergebnisse mit Sanktionen belegen soll.
Beobachter in Peking weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf eigene Investitionen: Alibaba hatte im Februar 2025 angekündigt, mehr als 53 Milliarden Dollar in KI-Modelle und Infrastruktur zu stecken. In Hongkong wird der Fall als Beleg für die selbstschädigende Logik der amerikanischen Technologieeindämmung gedeutet. Die dortige South China Morning Post argumentiert, dass Software sich nicht wie Hardware embargieren lasse und Exportkontrollen andere Nationen lediglich zu schnellerer Eigenentwicklung trieben. Russische Medien wie Kommersant heben zudem die Ironie hervor, dass Anthropic selbst mit Sicherheitsbedenken kämpft: Das US-Verteidigungsministerium hatte im Februar 2026 Verträge mit dem Unternehmen gekündigt, weil es den Einsatz seiner KI für Massenüberwachung und autonome Waffen ablehnte.
Für europäische Regulierungsbehörden und Unternehmen verdichtet sich damit das Bild einer fragmentierten KI-Governance. Während Washington auf Exportkontrollen und Strafmassnahmen setzt, zeigt der Fall, dass selbst führende amerikanische Labore von den eigenen Beschränkungen erfasst werden können. Der nächste greifbare Schritt ist die geplante Senatsänderung, über deren Aufnahme in das endgültige Verteidigungsgesetz in den kommenden Wochen entschieden wird. Zugleich bleibt offen, ob das Handelsministerium DeepSeek doch noch auf die Sanktionsliste setzt – ein Schritt, den es bisher aus Rücksicht auf die Spannungen mit Peking vermieden hat.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Ein amerikanisches KI-Startup hat einen chinesischen Technologieriesen beschuldigt, in großem Umfang versucht zu haben, illegal auf sein Claude-Modell zuzugreifen, wobei Tausende gefälschte Konten genutzt wurden, um fortschrittliche Fähigkeiten zu extrahieren. Die Kampagne untergräbt die US-Beschränkungen für den Technologiezugang Chinas und löst Alarm bezüglich der nationalen Sicherheit und des Diebstahls geistigen Eigentums aus.
Ein US-Beamter gab bekannt, dass ein fortschrittliches KI-Modell eines führenden Unternehmens bei einer Testübung Schwachstellen in einigen der sensibelsten und sichersten Computersysteme der Regierung aufgedeckt hat. Die Ergebnisse weckten neue Bedenken hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und Risiken fortschrittlicher künstlicher Intelligenz und verdeutlichten ihre Fähigkeit, innerhalb weniger Stunden in kritische Infrastrukturen einzudringen.
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