
Weltbank stuft Vietnam, Philippinen und Sri Lanka höher – neue Dynamik in Asien
Zum 1. Juli hat die Weltbank mehrere asiatische Volkswirtschaften in die obere Mitteleinkommensklasse hochgestuft; parallel setzt Vietnam bevölkerungspolitisch neue Anreize.
Die Weltbank hat mit ihrer jährlichen Einkommensklassifizierung zum 1. Juli eine Verschiebung im asiatischen Entwicklungsgefüge sichtbar gemacht. Vietnam, die Philippinen und Sri Lanka überschritten die Schwelle von 4.636 US-Dollar Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Kopf und gelten nun als Upper-Middle-Income-Länder. Vietnam erreichte 4.970 Dollar, die Philippinen 4.850 Dollar, Sri Lanka kehrte nach der schweren Krise von 2022 mit einem realen BIP-Wachstum von 5 Prozent im Jahr 2025 in diese Kategorie zurück. Auch Jordanien und Mikronesien wurden hochgestuft, während Togo in die untere Mitteleinkommensgruppe aufrückte. Der Anteil der Niedrigeinkommensländer ist damit seit 1987 von 30 auf 11 Prozent gesunken.
Der Mechanismus hinter der Neueinstufung ist das Atlas-Verfahren der Weltbank, das das BNE pro Kopf als Durchschnittsindikator nutzt. Für Vietnam spiegelt der Aufstieg ein exportgetriebenes Wachstumsmodell wider, das durch wirtschaftsfreundliche Reformen und massive Infrastrukturinvestitionen gestützt wird. Die Philippinen verzeichneten ein breit angelegtes Wachstum über alle großen Branchen hinweg, getragen von verarbeitendem Gewerbe, Dienstleistungen, Outsourcing und Überweisungen. In Colombo wird die Rückstufung als Beleg für die Widerstandsfähigkeit nach der Zahlungsbilanzkrise gewertet, auch wenn das Land die Schwelle nur knapp überschreitet.
Zeitgleich mit dem wirtschaftlichen Aufstieg vollzieht Vietnam einen deutlichen bevölkerungspolitischen Kurswechsel. Ein Jahr nach Aufhebung der Zwei-Kind-Grenze trat am 1. Juli ein neues Bevölkerungsgesetz in Kraft, das den Mutterschaftsurlaub für das zweite Kind von sechs auf sieben Monate verlängert, Vorsorgeuntersuchungen subventioniert und einmalige Geldprämien von bis zu 228 Dollar vorsieht. Pham Thi Lan vom UN-Bevölkerungsfonds in Hanoi spricht von einem Übergang von der Geburtenkontrolle zur demografischen Entwicklung. Die Geburtenrate liegt mit 1,93 Kindern pro Frau bereits unter dem Bestandserhaltungsniveau, während die Lebenserwartung steigt – Vietnam zählt zu den am schnellsten alternden Gesellschaften weltweit.
Für die aufgestiegenen Länder verändern sich die finanzierungspolitischen Rahmenbedingungen. Der Zugang zu vergünstigten Entwicklungskrediten dürfte sich mit der Höherstufung verengen. Der philippinische Wirtschaftsplanungsminister Arsenio Balisacan erklärte, die Vorteile stärkerer Fundamentaldaten und verbesserten Marktzugangs würden diese Anpassungen überwiegen. Sri Lankas Präsident Anura Kumara Dissanayake peilt unterdessen ein Wachstum von 7 bis 8 Prozent an, gestützt auf den IT- und Elektroniksektor, und plant für 2027 Investitionsausgaben von umgerechnet 6 Milliarden Dollar. Die nächste Überprüfung der Einkommensklassen durch die Weltbank erfolgt turnusgemäß am 1. Juli 2027.
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