
WAICO-Gründung in Shanghai: Neue KI-Organisation soll digitale Kluft überbrücken
Mit Indonesien als Gründungsmitglied und 5.000 Ausbildungsplätzen für Entwicklungsländer setzt China auf eine inklusive Governance der Künstlichen Intelligenz.
Mit der offiziellen Gründung der Weltorganisation für Künstliche Intelligenz (WAICO) im Rahmen der Vereinten Nationen haben China und eine Reihe von Staaten des Globalen Südens am Rande der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai ein neues multilaterales Forum für KI-Governance geschaffen. Der indonesische Koordinierungsminister für Wirtschaft, Airlangga Hartarto, unterzeichnete die Gründungsdokumente und sicherte seinem Land damit nach eigener Darstellung einen frühen Zugang zu allen künftigen Beratungen über die Entwicklung der KI. Zeitgleich kündigte der chinesische Präsident Xi Jinping in seiner Eröffnungsrede an, in den nächsten fünf Jahren 5.000 Ausbildungsplätze im KI-Bereich für Entwicklungsländer bereitzustellen und mit Regionalorganisationen wie ASEAN, der Afrikanischen Union und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten internationale Kooperationszentren für KI-Anwendungen aufzubauen.
Aus Sicht der Entwicklungs- und Schwellenländer steht dabei die Sorge vor einer neuen digitalen Spaltung im Vordergrund. Der ehemalige mongolische Präsident Nambaryn Enkhbayar warnte auf der Konferenz davor, dass eine zu frühe Regulierung die Fortschritte in aufstrebenden Märkten ersticken könne; Staaten müssten zunächst in der Lage sein, technologische Chancen zu ergreifen. Der stellvertretende Leiter des russischen Präsidialamtes, Maxim Oreschkin, forderte einen nichtdiskriminierenden Zugang zu Daten, Rechenkapazität, modernen Modellen und Energieinfrastruktur und erklärte, KI dürfe kein geschlossener Klub weniger Akteure werden. Der chinesische Außenminister Wang Yi bezeichnete die WAICO in einem Gespräch mit Airlangga als eine Organisation, die speziell für die Länder des Globalen Südens konzipiert sei, um neue Gräben im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu verhindern.
Für Indonesien verbinden sich mit der Mitgliedschaft konkrete wirtschaftliche und technologische Interessen. Airlangga führte in Shanghai Gespräche mit Huawei und ByteDance, um die Zusammenarbeit bei KI-Infrastruktur, Cloud-Computing, digitaler Talentförderung und grünen Rechenzentren zu vertiefen. Gegenüber ByteDance regte er die Einrichtung eines KI-Forschungszentrums und die Entwicklung großer Sprachmodelle an. Studien, auf die sich die indonesische Regierung beruft, prognostizieren einen Beitrag der KI zur indonesischen Wirtschaft von 366 Milliarden US-Dollar bis 2030. Bei einem Rundgang über die Messe zeigte sich Airlangga beeindruckt von den flexiblen Robotersystemen chinesischer Firmen wie Unitree und Deep Robotics und betonte, Indonesien müsse in der Robotik und bei erneuerbaren Energien aufholen. Er kündigte an, Präsident Prabowo Subianto Bericht zu erstatten.
Xi Jinping umriss in Shanghai vier Prinzipien für die globale KI-Governance: offene Innovation, Sicherheit, Inklusivität und kulturelle Vielfalt sowie eine gestärkte multilaterale Ordnung unter dem Dach der Vereinten Nationen. Er warnte davor, den Begriff der nationalen Sicherheit übermäßig auszuweiten und dadurch die internationale Zusammenarbeit zu behindern. Für den deutschsprachigen Raum signalisiert die Gründung der WAICO eine zunehmend multipolare Ausrichtung der KI-Regelsetzung, die das Gewicht europäischer Governance-Modelle relativieren könnte. Die Organisation hat ihre Arbeit aufgenommen; als nächste Schritte gelten die Umsetzung der angekündigten Ausbildungsprogramme und die weitere Ausgestaltung der institutionellen Strukturen, über die nach Angaben aus Jakarta auch der indonesische Präsident zeitnah unterrichtet werden soll.
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Indonesien positioniert sich als aufholender Akteur, der die Zusammenarbeit mit China nutzen will, um die technologische Lücke zu schließen.
Durch die Betonung wirtschaftlicher Prognosen und konkreter Partnerschaften verwandelt der indonesische Diskurs technologische Abhängigkeit in eine Wachstumschance.
Es lässt jede Diskussion über die Risiken technologischer Abhängigkeit von China oder die Auswirkungen auf die Datensouveränität aus.
China präsentiert sich als natürlicher Führer des globalen Südens und fördert den gleichberechtigten Zugang zu KI, um eine neue digitale Kluft zu verhindern.
Durch die Verwendung der Sprache der Zusammenarbeit und des internationalen Konsenses universalisiert China seine eigenen Interessen als globales Gemeingut.
Es lässt westliche Kritik an der KI-Governance und die mögliche Nutzung der Organisation zur Ausweitung des chinesischen Einflusses aus.
Afrika begrüßt China als Wohltäter und erkennt die Ausbildungsinitiativen als Schritt in Richtung technologischer Souveränität an.
Indem die afrikanische Presse Xi Jinpings Versprechen ohne Kritik berichtet, legitimiert sie die chinesische Führung als altruistisch und notwendig.
Es lässt Bedenken hinsichtlich der chinesischen Kontrolle über Daten und der mangelnden Transparenz bei den Ausbildungsinitiativen aus.
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