
Ebola-Ausbruch im Kongo: Fast 3.000 Fälle und über 1.300 Tote
Die Epidemie des seltenen Bundibugyo-Virus weitet sich rasch aus – Streiks des Gesundheitspersonals und eskalierende Gewalt in Nord-Kivu untergraben die Gegenmaßnahmen.
Die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo ist auf 2.973 gestiegen, wie das nationale Gesundheitsinstitut INSP mitteilte. 1.309 Patienten sind der Erkrankung bereits erlegen, was einer Letalitätsrate von 44 Prozent entspricht. Der seit Mitte Mai amtlich erklärte Ausbruch, ausgelöst durch die rare Bundibugyo-Variante, gegen die es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt, schreitet schneller voran als jede frühere Ebola-Epidemie im Land. 766 Personen befinden sich in Isolation oder stationärer Behandlung, 540 gelten als genesen.
Vor allem die östliche Provinz Ituri bleibt das Epizentrum, doch auch Nord-Kivu verzeichnet einen besorgniserregenden Anstieg der Infektionen. Dort hat sich die Zahl der Fälle binnen eines Monats mehr als verdoppelt, und die Sterblichkeit liegt mit 63 Prozent deutlich über dem landesweiten Durchschnitt. Bewaffnete Konflikte, insbesondere das Wiederaufflammen der Gewalt entlang der Grenze zwischen Ituri und Nord-Kivu, haben zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen und den Zugang zu betroffenen Gemeinden massiv erschwert. Nach Angaben des International Rescue Committee (IRC) verstecken viele Einwohner Erkrankte aus Misstrauen gegenüber den Behörden; zugleich fehlt es an Personal und Treibstoff für die aktive Fallsuche.
Zusätzlich lähmt ein Streik des Gesundheitspersonals die Versorgung. In der Stadt Bunia, Provinz Ituri, legten Ärzte, Pfleger und Sicherheitskräfte des Elikya-Ebola-Behandlungszentrums die Arbeit nieder, weil ihnen Bonuszahlungen seit zwei Monaten vorenthalten werden. Bereits in der Vorwoche war das größte Krankenhaus der Region von einem ähnlichen Ausstand betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registriert seit Beginn des Ausbruchs mehr als 100 infizierte Gesundheitsarbeiter. Gleichzeitig bleibt die Kontaktnachverfolgung mit einer Quote von 73,9 Prozent unzureichend; der Indexpatient konnte bis heute nicht identifiziert werden. Die WHO schätzt, dass das tatsächliche Ausmaß um das Zwei- bis Vierfache höher liegen könnte als die offiziellen Zahlen.
Während die globale Ausbreitungsgefahr von der WHO als gering eingestuft wird, bleibt das regionale Risiko hoch. In Ituri hat kürzlich eine klinische Studie zur Erprobung zweier potenzieller Ebola-Therapeutika begonnen – mangels zugelassener Alternativen ein entscheidender Schritt. Der Ausgang dieser Studie sowie die baldige Auszahlung der ausstehenden Gehaltsbestandteile an das Gesundheitspersonal gelten als nächste kritische Wegmarken für die Eindämmung der Epidemie.
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