
Bluttest vervierfacht frühe Krebsdiagnosen – Symptome bleiben oft unerkannt
Eine britische Studie mit 143.000 Teilnehmern zeigt das Potenzial der Flüssigbiopsie; persönliche Berichte aus Nord- und Südamerika mahnen zur Wachsamkeit bei ersten Anzeichen.
Die auf dem Asco-Kongress vorgestellte NHS-Galleri-Studie hat erstmals in einer randomisierten Vergleichsuntersuchung mit 143.000 symptomfreien Personen zwischen 50 und 79 Jahren den Nutzen eines blutbasierten Krebsscreenings belegt. Der Test weist Fragmente von Tumor-DNA nach, die in die Blutbahn abgegeben werden, und kann so Signale lange vor bildgebenden Verfahren liefern. Der jährlich durchgeführte Test identifizierte binnen drei Jahren 1.173 Karzinome vor Symptombeginn – viermal mehr als die 290 Fälle im Kontrollarm mit herkömmlicher Vorsorge. Gleichzeitig reduzierte sich der Anteil der erst im Stadium IV oder notfallmässig diagnostizierten Tumore um 14 Prozent, während die Entdeckungen in den frühen Stadien I und II um 16 Prozent zunahmen. Die Spezifität erreichte 99,55 Prozent; bei einem positiven Signal grenzte das Verfahren in 92,5 Prozent der Fälle den Ursprungsort korrekt ein.
Obwohl die Studie einen quantifizierbaren Fortschritt für die häufig screeningfreien Tumore wie Pankreas- oder Ovarialkarzinome verspricht, verdeutlichen individuelle Krankengeschichten die derzeitige diagnostische Lücke. Die argentinische Influencerin Caro Trippar verwechselte einen Knoten in der Brust während der Stillzeit mit einer Mastitis und erhielt später die Diagnose eines metastasierten Mammakarzinoms. Ähnliches widerfuhr der kalifornischen Fitnesstrainerin Maria Kang sowie dem US-Amerikaner Marcus Wendling, deren anfängliche Verdauungsbeschwerden sich als Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium herausstellten. Solche Berichte, die in sozialen Netzwerken grosse Resonanz fanden, illustrieren, wie leicht selbst handfeste Symptome missgedeutet werden – ein Umstand, dem eine empfindliche und breit einsetzbare Detektionstechnik entgegenwirken soll. Die brasilianische Onkologin Janaína Pontes vom Einstein Hospital in São Paulo bezeichnete den potenziellen Nutzen der Flüssigbiopsie für bislang nicht screenbare Krebsarten daher als 'sehr wichtigen Wandel'.
Parallel zur Früherkennung werden auch lokoregionäre Therapieansätze weiterentwickelt. Am Miami Cancer Institute erprobten Ärzte ein Kathetersystem (RenovoCath), das die Chemotherapie isoliert über die tumorversorgende Arterie direkt in das Pankreaskarzinom leitet. Das von der Firma RenovoRX entwickelte System war bereits 2014 von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen worden, der vorliegende klinische Versuch untersuchte jedoch ein optimiertes Protokoll. Die Patienten wiesen laut dem Radiologen Ripal Gandhi 65 Prozent weniger systemische Nebenwirkungen und eine um sechs Monate verlängerte Überlebenszeit auf. Ein 83-jähriger Teilnehmer, der zuvor auf die Standardchemotherapie nicht angesprochen hatte, erreichte nach dem Eingriff eine deutliche Tumorregression.
Die Aufnahme der Flüssigbiopsie in nationale Screening-Programme hängt nun von den Ergebnissen bereits laufender randomisierter Folgestudien des britischen National Health Service ab. Deren Daten werden in der onkologischen Fachwelt als entscheidender Meilenstein betrachtet. Für das Katheterverfahren müssen noch Langzeitdaten aus Registern vorliegen, bevor es zur Standardoption werden kann.
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