
Waffenruhe im Libanon in Kraft, doch Israel beharrt auf Truppenpräsenz und Hisbollah wirft Verstöße vor
Die von den USA und Katar vermittelte Feuerpause ist Voraussetzung für die laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran, wird jedoch von gegenseitigen Schuldzuweisungen überschattet.
Am Freitag trat eine von den Vereinigten Staaten und Katar unter Mitwirkung Irans vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon in Kraft. Die Hisbollah hatte den Libanon am 2. März mit Raketenangriffen auf Israel in den Konflikt hineingezogen, um die Tötung des iranischen Obersten Führers durch amerikanisch-israelische Angriffe zu rächen; seither starben nach libanesischen Angaben über 4.100 Menschen. Die Feuerpause begann gegen 16 Uhr Ortszeit, doch bereits in der ersten Stunde flog die israelische Luftwaffe nach libanesischen Sicherheitskreisen noch etwa ein Dutzend Angriffe; danach ebbten die Kampfhandlungen ab. Das israelische Militär bestätigte, in der Nacht einen Hisbollah-Kämpfer getötet zu haben, der zuvor drei Soldaten durch einen Handgranatenwurf verletzt hatte. Die Hisbollah wiederum warf Israel einen „eklatanten“ Verstoß vor: Bei einem Drohnenangriff auf ein Fahrzeug seien drei Zivilisten getötet worden. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums starben seit Mitternacht 47 Menschen durch israelische Angriffe.
Aus israelischer Sicht bedeutet die Waffenruhe keinen Truppenabzug. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz erklärten, die Armee werde in Sicherheitszonen im Südlibanon, im Gazastreifen und in Syrien verbleiben, solange die Hisbollah nicht entwaffnet und das Gebiet entmilitarisiert sei. Ein Regierungssprecher betonte, Israel behalte sich volle Handlungsfreiheit gegen jede Bedrohung vor. Die israelische Führung begründet diese Haltung mit den Erfahrungen früherer Konflikte, in denen eine Entwaffnung der Hisbollah ausgeblieben sei.
Die Waffenruhe im Libanon ist aus Washingtoner Sicht eine zentrale Voraussetzung für das am selben Tag in Kraft getretene Memorandum of Understanding zwischen den USA und Iran. Dieses eröffnet ein 60-tägiges Verhandlungsfenster über das iranische Nuklearprogramm, Sanktionserleichterungen und regionale Sicherheit. US-Vizepräsident JD Vance sprach von einem „guten Fundament“ für ein endgültiges Abkommen. Präsident Donald Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben auf Israel eingewirkt, die Eskalation zu beenden, da die Kämpfe die Gespräche mit Teheran zu gefährden drohten. Israelische Minister kritisierten das amerikanisch-iranische Abkommen öffentlich und betonten, Israel lasse sich nicht von Washington diktieren.
Die Lage ist von gegenseitigen Anschuldigungen und anhaltender Gewalt geprägt. Während libanesische und israelische Vertreter in Washington über einen gestaffelten Abzug der israelischen Truppen beraten, setzt Israel seine begrenzten Militäroperationen fort. Die Hisbollah hat bislang auf eine militärische Antwort verzichtet, bezeichnete die israelischen Angriffe jedoch als dritten schweren Verstoß binnen weniger Tage. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff reist laut Medienberichten in die Schweiz, um die erste Verhandlungsrunde mit Iran über ein mögliches Nuklearabkommen zu führen. Ob die 60-tägige Frist genutzt werden kann, um die Region zu stabilisieren, hängt maßgeblich davon ab, ob die Waffenruhe im Libanon hält und die Differenzen über die Truppenpräsenz beigelegt werden können.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Israelische Sicherheitsanalysten stellen Netanjahus harte Haltung infrage und sehen die Weigerung, sich aus dem Libanon zurückzuziehen, als ein Wagnis, das unter amerikanischem Druck zusammenbricht. Die Waffenruhe ist brüchig, und Israels Beharren droht es zu isolieren, während Washington seine eigenen strategischen Interessen in den Vordergrund stellt.
Israel verletzt eklatant die Waffenruhe, indem es Zivilisten tötet und sich weigert, abzuziehen. Die Hisbollah verurteilt die Aggression und warnt vor Konsequenzen; sie stellt den jüdischen Staat als Besatzer dar, der Abkommen missachtet. Das von den USA vermittelte Abkommen erscheint bereits als gescheitert.
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