
Kreml reagiert zurückhaltend auf virales Video eines russischen Veteranen mit Aufstandsdrohung
Ein ehemaliger Kommandeur fordert ein Treffen mit Putin und droht mit bewaffnetem Aufstand; der Kreml spricht von „seltsamen Formulierungen“ und hat das Video noch nicht geprüft.
Ein Video des russischen Kriegsveteranen Alexander Lunin, das binnen 24 Stunden mehr als zwölf Millionen Aufrufe auf Instagram verzeichnete, hat den Kreml zu einer vorsichtigen Reaktion veranlasst. Lunin, der sich als ehemaliger Kommandeur einer Aufklärungseinheit im Freiwilligenbataillon Sudoplatow ausgibt, fordert darin ein persönliches Treffen mit Präsident Wladimir Putin sowie eine live im Fernsehen übertragene Ansprache. Für den Fall einer Ablehnung droht er, die Armee werde „ihre Waffen gegen den Kreml richten“. Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow erklärte am Freitag, man sei über das Video informiert, habe es aber noch nicht eingehend geprüft. Die darin enthaltenen Formulierungen seien „ziemlich seltsam“, so Peskow.
In dem Video, das nach eigenen Angaben auf Bitten hochrangiger Vertreter des Verteidigungsministeriums und der Sicherheitsorgane entstand, erhebt Lunin schwere Vorwürfe gegen die militärische Führung. Tausende Soldaten würden in Erdgruben festgehalten, gefoltert und getötet, weil sie sich weigerten, „dumme, selbstmörderische Befehle“ auszuführen oder Geld an Vorgesetzte abzugeben. Später relativierte Lunin seine Drohung und betonte, er sei kein Anführer einer Rebellion, sondern lediglich Überbringer einer Botschaft. Er kündigte an, nach Moskau zu reisen, nachdem ihn der Leiter des Föderalen Projekts für Sicherheit und Korruptionsbekämpfung, Witali Borodin, zu einem Gespräch eingeladen habe. Unabhängige russische Medien bestätigten Lunins Identität und berichteten, er sei 2023 aus dem offiziellen Extremistenregister gestrichen worden.
Die Verbreitung des Videos fällt in eine Phase sinkender Zustimmungswerte für den Präsidenten. Eine Umfrage des unabhängigen Lewada-Partners FOM ergab, dass das Vertrauen in Putin auf 69 Prozent gesunken ist – den niedrigsten Wert seit Beginn des Krieges. Das staatliche Institut WZIOM meldete hingegen einen Anstieg der Zustimmung. In westlichen Hauptstädten wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt, da sie auf Spannungen innerhalb der Streitkräfte hindeuten könnte, die seit der gescheiterten Wagner-Revolte im Juni 2023 latent vorhanden sind. Beobachter in Moskau weisen jedoch darauf hin, dass Lunin bislang keine Beweise für seine Behauptungen vorgelegt hat und seine Reichweite vor allem auf der algorithmischen Verstärkung kontroverser Inhalte beruht.
Das Verteidigungsministerium hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert. Lunin selbst erklärte, er sammle nun Berichte über Vergehen in der Armee, um sie in Moskau vorzulegen. Ob es tatsächlich zu einem Treffen mit offiziellen Stellen kommt, ist ungewiss. Der Vorgang zeigt, wie einzelne Stimmen aus dem Militär in Russland über soziale Netzwerke eine breite Öffentlichkeit erreichen können, während die staatlichen Kontrollinstanzen mit einer Mischung aus Distanzierung und selektivem Dialog reagieren.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Kreml erklärte, von dem Videoappell des Veteranen zu wissen, ihn aber noch nicht im Detail geprüft zu haben. Der Präsidentensprecher bezeichnete die Formulierungen als 'ziemlich seltsam' und sagte, dass vor einer gründlichen Prüfung keine Schlüsse gezogen werden könnten. Die Angelegenheit wird eher als Kuriosität denn als ernsthafte Bedrohung behandelt.
Ein ehemaliger Kommandeur des Ukraine-Kriegs hat öffentlich mit einer Militärrebellion gedroht, falls Präsident Putin ihm kein live im Fernsehen übertragenes Treffen gewährt, um die Misshandlung von Soldaten anzuprangern. Der Kreml, sichtlich verunsichert, tat den Appell als 'seltsame Formulierungen' ab, während das Video Millionen Aufrufe erzielte. Der Vorfall schürt die Alarmstimmung vor einer möglichen Instabilität innerhalb der russischen Streitkräfte und schwindendem Vertrauen in die Führung.
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