
Venezuela schränkt Zugang zum Erdbebengebiet La Guaira ein
Nach den verheerenden Erdbeben mit über 900 Toten und Zehntausenden Vermissten verlangt die Regierung in Caracas von Helfern eine vorherige Registrierung, um Rettungsarbeiten zu erleichtern.
Die venezolanische Regierung hat am Freitagabend (Ortszeit) den Zugang zum Bundesstaat La Guaira, dem am schwersten von den Erdbeben betroffenen Gebiet, für nicht autorisierte Personen gesperrt. Wie Innenminister Diosdado Cabello im Staatsfernsehen mitteilte, müssen sich alle, die als Freiwillige in die Küstenregion reisen wollen, zuvor im Poliedro von Caracas registrieren lassen. Motorisierte Helfer erhalten demnach eine Kennzeichnungsweste und eine Plakette mit QR-Code; die Behörden würden entlang der Zufahrtsstraßen kontrollieren, um Unbefugte fernzuhalten.
Nach Darstellung der Regierung soll die Maßnahme verhindern, dass ein Übermaß an spontanen Helfern die Rettungskonvois blockiert. Cabello verwies auf Bitten von Anwohnern und warnte vor möglichen Gesundheitsrisiken durch verwesende Leichen unter den Trümmern. Zuvor hatte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez die Bevölkerung aufgerufen, sich von La Guaira fernzuhalten, sofern sie keine Rettungs- oder Sicherungsaufgaben wahrnehmen. Rodríguez war bei einem Besuch in einem zerstörten Viertel von Caracas ausgebuht worden; Anwohner warfen der Regierung vor, nichts für das Volk zu tun, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Augenzeugen und internationale Medien schildern, dass in den ersten Stunden nach den Beben vor allem Zivilisten die Bergungsarbeiten übernahmen, weil es an qualifizierten Einsatzkräften mangelte. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Vermissten auf rund 50.000. Offizielle Stellen sprechen von mindestens 920 Toten und mehr als 4.300 Verletzten. In La Guaira sind nach Regierungsangaben etwa hundert Gebäude eingestürzt; der Bundesstaat wurde zur Katastrophenzone erklärt und unter die Kontrolle der Streitkräfte gestellt.
Internationale Hilfsteams aus mehreren lateinamerikanischen Staaten, den USA und Europa sind vor Ort oder auf dem Weg. Ein brasilianisches Kontingent mit 44 Fachkräften für urbane Suche und Rettung sowie ein Feldlazarett der Marine wurden angekündigt. Die Zugangsbeschränkung gilt seit 20.00 Uhr Ortszeit; die Registrierung der Freiwilligen läuft. Die Rettungsarbeiten dauern an.
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