
VAR-Kontroverse in Boston: Tuchels England entgeht knapp einer Niederlage gegen Ghana
Beim 0:0 in der WM-Gruppe L moniert Ghanas Trainer Carlos Queiroz zwei strittige Szenen – englische Experten und der deutsche Schiedsrichter-Analyst Manuel Gräfe stimmen ihm zu.
Mit 79 Prozent Ballbesitz dominierte England die Partie gegen Ghana im Boston Stadium, doch die Mannschaft von Thomas Tuchel fand kein Mittel gegen die disziplinierte Defensive der Black Stars. Der höchste Ballbesitzwert eines Teams, das bei einer Weltmeisterschaft torlos blieb, seit sechs Jahrzehnten, mündete in ein 0:0, das Englands vorzeitigen Einzug in die K.o.-Runde vertagte. Nico O’Reillys Kopfball an die Latte und Harry Kanes missglückter Nachschuss in der Schlussphase waren die seltenen Höhepunkte einer zähen Begegnung.
Zwei Entscheidungen des honduranischen Schiedsrichters Saíd Martínez rückten nach dem Abpfiff in den Mittelpunkt. In der 67. Minute stürmte der ghanaische Angreifer Prince Adu auf den englischen Torhüter Jordan Pickford zu, der außerhalb des Strafraums zu spät kam und mit Adu zusammenprallte. Martínez wertete die Szene als Stürmerfoul – zum Entsetzen Ghanas, das wegen Notbremse eine Rote Karte forderte. Zwölf Minuten später brachte Ezri Konsa denselben Adu im Strafraum zu Fall. Die Zeitlupen zeigten: Konsa traf nur den Gegner, nicht den Ball. Der Unparteiische ließ weiterspielen, der Video-Assistent griff nicht ein.
Ghanas Nationaltrainer Carlos Queiroz kleidete seinen Unmut in beißenden Sarkasmus. „Funktioniert der VAR noch?“, fragte der Portugiese und legte nach: „Der VAR-Schiedsrichter war in der zweiten Halbzeit im Urlaub“ und „Der VAR ging einen Kaffee trinken – ich mag auch mal einen Kaffee, aber das war ein klarer Elfmeter und eine Rote Karte.“ Um einer möglichen Fifa-Strafe zu entgehen, schob er hinterher: „Entschuldigung für den Sarkasmus, ich mache nur Spaß.“ In England teilten die BBC-Experten Wayne Rooney und Micah Richards diese Einschätzung; der frühere Premier-League-Schiedsrichter Darren Cann nannte die Szene einen „klaren Elfmeter“. Auch der deutsche Schiedsrichter-Analyst Manuel Gräfe (Bild) stimmte Queiroz bei der Attacke von Konsa zu. Aus Sicht der Fifa könnte die Zurückhaltung des VAR mit der von Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina ausgegebenen Linie zusammenhängen, die Interventionsschwelle höher anzusetzen und mehr Zweikämpfe laufen zu lassen.
Mit dem Remis bleiben England und Ghana in Gruppe L mit je vier Punkten an der Spitze. Am Samstag trifft England auf das bereits ausgeschiedene Panama, Ghana misst sich mit Kroatien. Für Tuchels Team geht es in New York darum, die offensive Durchschlagskraft wiederzufinden, um den Achtelfinaleinzug perfekt zu machen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Ghana wurde ein klarer Elfmeter und eine rote Karte für den englischen Torwart verweigert. Der VAR schien im Urlaub zu sein und ließ den Schiedsrichter ohne Unterstützung. England hatte extremes Glück, einer Niederlage zu entgehen, und der Vorfall könnte große Auswirkungen auf die Gruppe haben.
England kam mit einem torlosen Unentschieden davon, dank eines VAR, der im Urlaub zu sein schien. Ghanas Trainer sprach von einem klaren Elfmeter und einer nicht gegebenen Roten Karte. Tuchels Mannschaft dominierte, traf aber nicht, und die Kontroverse überschattete das Spiel.
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