
US-Militär setzt Tanker im Golf von Oman außer Gefecht – Seeblockade gegen Iran erfasst immer mehr Schiffe
Amerikanische Kräfte haben nach eigenen Angaben ein Handelsschiff beschossen, das die maritime Absperrung iranischer Häfen durchbrechen wollte. Die iranische Seite meldet Todesopfer und droht mit Vergeltung.
Einheiten der US-Streitkräfte haben am Freitag im Golf von Oman das Handelsschiff MT Lavin manövrierunfähig geschossen, nachdem dessen Besatzung laut Central Command (CENTCOM) mindestens viermal versucht hatte, die von Washington verhängte Seeblockade iranischer Häfen zu durchbrechen. Nach mehrfachen Warnungen und der Weigerung, zu stoppen, eröffneten amerikanische Kräfte das Feuer auf den Maschinenraum. Der Tanker trieb in der Folge antriebslos im Seegebiet östlich der Straße von Hormus. Nach CENTCOM-Angaben handelt es sich um das zweite Schiff, das seit der Wiederaufnahme der Blockade am 14. Juli auf diese Weise gestoppt wurde; zwölf weitere Frachter seien zuvor bereits umgeleitet worden.
Aus Teheran verlautbarte über die Nachrichtenagenturen Fars und IRIB eine andere Version: Demnach habe das US-Militär zwei Raketen auf den Tanker abgefeuert, wobei zwei Besatzungsmitglieder getötet worden seien. Das Schiff habe iranisches Flüssiggas transportiert. Eine Bestätigung von amerikanischer Seite lag zunächst nicht vor. Der Generalstabschef der Streitkräfte Irans, Ali Abdollahi, kündigte an, man werde für jeden getöteten Iraner einen amerikanischen Soldaten „eliminieren". Zuvor hatten die Revolutionsgarden nach eigenen Angaben US-Stützpunkte in Jordanien und im Irak angegriffen, während das Pentagon seinerseits Ziele der iranischen Seestreitkräfte und Raketenstellungen bombardierte.
Die maritime Abriegelung ist aus Washingtoner Sicht das zentrale Instrument, um die ökonomische Bewegungsfreiheit Teherans zu beschneiden. Das Pentagon schätzt, dass infolge der Blockade iranisches Öl im Wert von rund 4,8 Milliarden Dollar nicht exportiert werden kann und spricht von einem „vernichtenden Schlag" gegen die Finanzierungsquellen regionaler Stellvertretergruppen. Präsident Donald Trump erklärte am Freitag, er habe noch keine Entscheidung über breiter angelegte Militärschläge getroffen; Iran zeige sich in den Gesprächen „ernsthafter", doch falls keine Einigung erzielt werde, seien die USA zu „sehr viel heftigeren" Aktionen bereit. Aus Paris und Berlin kamen warnende Signale: Eine weitere Eskalation gefährde nicht nur die Sicherheit der Golfregion, sondern auch die Energieversorgung Europas.
Die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft, ist seit Ausbruch der bewaffneten Auseinandersetzungen im Februar zu einer umkämpften Engstelle geworden. Iran reklamiert die Kontrolle über die Schifffahrtswege und hatte das Nadelöhr mehrfach zeitweise gesperrt; Washington lehnt diesen Anspruch ab und hat die Blockade schrittweise von April an ausgebaut. Seitdem sind nach CENTCOM-Angaben insgesamt neun Schiffe durch gezielte Treffer außer Gefecht gesetzt worden. Der Konflikt hat längst auch die diplomatischen Kanäle erreicht: Vermittlungsversuche aus Doha und Maskat blieben bislang ohne greifbares Ergebnis. Die nächste Runde der amerikanisch-iranischen Gespräche wird in den kommenden Tagen erwartet – sie steht unter dem Eindruck einer militärisch hochgerüsteten Pattsituation mit ungewissem Ausgang.
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