
Ukrainische Drohnenangriffe treffen Ölterminal und Militärziel bei St. Petersburg
Während Kiew die Angriffe auf russische Energieinfrastruktur als 'Langstreckensanktionen' bezeichnet, dementiert die Ukraine die von Moskau behauptete Einnahme der Stadt Kostjantyniwka.
In der Nacht zum Samstag hat die Ukraine einen massiven Drohnen- und Raketenangriff auf die Region um Sankt Petersburg durchgeführt. Nach russischen Angaben wurden dabei ein Ölterminal im Kirowski-Bezirk der Stadt sowie der Hafen von Wyssozk in der Oblast Leningrad getroffen. Der Gouverneur von Sankt Petersburg, Alexander Beglow, sprach von einem "großangelegten" Angriff; 72 Drohnen seien über der Stadt abgeschossen worden, eine sei auf das Schloss Peterhof gestürzt, ohne Schäden zu verursachen. Menschen kamen nicht zu Schaden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, insgesamt seien in der Nacht 494 Drohnen und zehn Langstreckenraketen abgefangen worden.
Aus Kiewer Sicht bestätigte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Angriffe und bezeichnete sie als Teil der "Langstreckensanktionen" gegen Russland. Die ukrainischen Streitkräfte hätten Hafenölinfrastruktur getroffen, die Einnahmen für den russischen Krieg generiere, sowie den Marinestützpunkt Kronstadt – ein militärisches Ziel in mehr als 850 Kilometern Entfernung von der ukrainischen Grenze. Moskau wies die Darstellung eines Treffers auf Kronstadt nicht explizit zurück, kündigte aber eine "angemessene Antwort" an. Aus russischer Sicht handelte es sich um einen Versuch Selenskyjs, zivile Infrastruktur zu beschädigen. Die Angriffe erfolgten wenige Tage nach einem russischen Luftschlag auf Kiew, der nach ukrainischen Angaben 30 Todesopfer forderte.
Die Attacken auf Energieanlagen haben in Russland zu Treibstoffengpässen geführt. In mehreren Regionen, darunter Noworossijsk und Teile Sibiriens, bildeten sich lange Schlangen vor Tankstellen; die Regierung verhängte ein befristetes Exportverbot für Benzin und lockerte Qualitätsvorschriften. Präsident Wladimir Putin räumte in einer Fernsehansprache ein, dass "Probleme für Autofahrer und Unternehmen fortbestehen". Finnland schränkte als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend den Schiffs- und Flugverkehr im östlichen Finnischen Meerbusen ein. Drei Flughäfen im Nordwesten Russlands – Kaliningrad, Pskow und Sankt Petersburg – wurden für mehrere Stunden geschlossen.
Parallel zu den Luftangriffen setzte sich der Stellungskrieg im Donbass fort. Das russische Militär behauptete, die Stadt Kostjantyniwka vollständig eingenommen zu haben; Präsident Putin sprach bei einem Besuch im Führungsstab von einem "strategisch bedeutsamen" Erfolg. Die ukrainische Armee wies dies als "Falschmeldung" zurück und erklärte, die Stadt befinde sich weiterhin unter ukrainischer Kontrolle. Nach Analysen des Institute for the Study of War (ISW) hat Russland seine Infiltrationszone in den westlichen Stadtteilen zwar ausgeweitet, jedoch nicht die gesamte Stadt erobert. Die Frontlinie blieb im Juni weitgehend unverändert, was auf einen nachlassenden Schwung der russischen Offensive hindeutet. Moskau hat Vergeltung angekündigt; die ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur dürften sich fortsetzen, während die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe weiterhin stocken.
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