
Trump lehnt rasche Wahlen in Venezuela ab – Fortschritte unter Interimspräsidentin Rodríguez gelobt
US-Präsident Donald Trump verweigert die Festlegung eines Wahltermins für Venezuela und würdigt zugleich die wirtschaftliche Erholung unter der amtierenden Regierung – ein Balanceakt zwischen Demokratisierungsrhetorik und geostrategischen Interessen.
Gut sieben Monate nach der Festnahme des früheren Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte hat Präsident Donald Trump Wahlen in Venezuela eine Absage erteilt: Das Land sei dafür „noch nicht wirklich bereit“, erklärte Trump am Freitag im Oval Office. Gleichzeitig hob er hervor, es habe „viele Fortschritte“ gegeben, und nannte die Arbeit der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez „fantastisch“. Die Äußerungen bestätigen aus Washingtoner Sicht den Kurs eines kontrollierten, an Bedingungen geknüpften Übergangs, bei dem demokratische Reformen hinter die Stabilisierung von Wirtschaft und Ölsektor zurücktreten.
Nach Angaben des Weißen Hauses knüpft Washington die Abhaltung von Wahlen an institutionelle und rechtliche Vorleistungen. Außenminister Marco Rubio verlangte im Juni eine neue Wahlkommission und eine freie Presse, ohne einen Zeitrahmen zu nennen. Trumps Lob galt vor allem der wieder anziehenden Erdölförderung; US-Firmen profitierten bereits von der Lockerung der Sanktionen, die nach Maduros Sturz in Kraft trat. Aus Sicht der US-Regierung dient Venezuela als Blaupause für Kuba – Trump erwähnte das Land als „Beispiel“. In Caracas wird die enge Abstimmung mit Washington von der Interimsregierung als notwendig dargestellt, um internationale Finanzhilfen zu mobilisieren und die Folgen der Erdbeben vom Juni zu bewältigen.
Die venezolanische Opposition drängt hingegen auf einen schnelleren Übergang und beklagt, dass Hunderte politische Gefangene weiter in Haft sind. María Corina Machado, die eine Kandidatur anstrebt, ist an den für August angekündigten Gesprächen zwischen Regierung und Teilen der Opposition nicht beteiligt; Rubio stellte ihr jedoch eine künftige Rolle in Aussicht. Trumps Hinweis, er sei in Venezuela „sehr beliebt“, weil die Wirtschaft wiederaufgebaut werde, kontrastiert mit der Kritik von Menschenrechtsorganisationen, die auf unveränderte Machtstrukturen verweisen. In Lateinamerika und Europa wird der US-geführte Prozess zurückhaltend aufgenommen; die EU und mehrere Staaten der Region hatten Maduros Wiederwahl 2024 nicht anerkannt, vermeiden aber offene Kritik an der neuen Konstellation.
Für die US-Administration ist Venezuela Teil einer umfassenderen Lateinamerika-Strategie. Der Zugriff auf die Ölreserven erhält vor dem Hintergrund der Iran-Sanktionen und der Golfkrise besonderes Gewicht. Gleichzeitig will Trump direkte Finanzhilfen geringhalten: Statt neuer Mittel aus Washington soll der Zugang zu eingefrorenen Auslandsgeldern erleichtert werden, so mit der Materie vertraute Personen. Die für den 1. August angesetzten innervenezolanischen Gespräche gelten als erster Test, ob der Widerspruch zwischen versprochener Demokratisierung und faktischer Kontrolle aufgelöst werden kann. Einen Wahltermin ließ Trump offen – „irgendwann werden sie bereit sein, und wir werden genau darauf achten“.
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