
Washington und Riad besiegeln Nuklearpakt – Urananreicherung unter Vorbehalt möglich
Der 30-jährige Vertrag ermöglicht saudische Urananreicherung nach gemeinsamer Prüfung, verzichtet auf scharfe IAEA-Kontrollen und entkoppelt die Kooperation von einer Annäherung an Israel.
Die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien haben am Mittwoch ein ziviles Nuklearkooperationsabkommen („123 Agreement“) sowie ein bilaterales Sicherungsabkommen unterzeichnet. Nach Angaben des US-Energieministeriums erlaubt der Vertrag amerikanischen Unternehmen einen breiten Zugang zum saudischen Nuklearprogramm und legt die rechtliche Grundlage für eine jahrzehntelange, milliardenschwere Partnerschaft. Kernstück ist die Option, nach einer gemeinsamen zweijährigen Studie eine Urananreicherungsanlage auf saudischem Boden zu errichten – betrieben von US-Firmen, ohne Transfer sensibler Technologie. Das Abkommen verzichtet auf das Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), das unangemeldete Inspektionen erlaubt hätte, und unterscheidet sich damit grundlegend vom „Goldstandard“-Vertrag mit den Vereinigten Arabischen Emiraten von 2009. Energieminister Chris Wright erklärte, die Vereinbarung wahre die höchsten Standards nuklearer Sicherheit und Nichtverbreitung.
Aus Washingtoner Sicht verbindet der Pakt strategische und wirtschaftliche Interessen: Er soll der heimischen Nuklearindustrie – insbesondere Westinghouse – Milliardengeschäfte sichern, gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und zugleich den Einfluss Russlands und Chinas im Golf zurückdrängen. In Riad wird das Abkommen als Erfüllung eines langjährigen Ziels gewertet, das Königreich hatte stets sein Recht auf ein ziviles Nuklearprogramm betont und mit einer Hinwendung zu anderen Partnern gedroht. Israelische Stimmen hingegen warnen vor einer strategischen Niederlage. Der frühere Premierminister Naftali Bennett sprach von einem „schweren strategischen Versagen“, das einen regionalen Rüstungswettlauf auslösen könne. Auch im US-Kongress regt sich parteiübergreifend Widerstand: Demokraten wie Edward Markey und Bernie Sanders sehen einen Widerspruch zum Krieg gegen den Iran, der gerade mit dem Ziel der Verhinderung einer iranischen Bombe geführt werde; Republikaner wie Jim Risch signalisieren grundsätzliche Zustimmung, fordern aber eine genaue Prüfung der Details.
Die sicherheitspolitische Brisanz liegt in der möglichen Dual-Use-Fähigkeit der Anreicherungstechnologie. Zwar betont die Trump-Administration, dass die Anlage unter amerikanischer Kontrolle bleibe und Riad für zehn Jahre keine eigene Anreicherungstechnologie entwickeln oder von Dritten erwerben dürfe. Doch Nichtverbreitungsexperten wie Alexander Bollfrass vom International Institute for Strategic Studies bezeichnen den Verzicht auf das IAEA-Zusatzprotokoll als „revolutionären neuen Ansatz“, der die Übertragung hochsensibler Technologie ohne das erwartbare Maß an Überwachung ermögliche. Kronprinz Mohammed bin Salman hatte 2018 erklärt, Saudi-Arabien werde nach einer iranischen Bombe unverzüglich nachziehen – eine Drohung, die angesichts des laufenden US-iranischen Krieges und der ungeklärten Zukunft des iranischen Nuklearprogramms an Gewicht gewinnt.
Das Abkommen wird nun dem Kongress zur 90-tägigen Prüfung vorgelegt. Zwar können beide Kammern mit einer gemeinsamen Missbilligungsresolution Einspruch erheben, doch für ein Veto des Präsidenten wäre eine Zweidrittelmehrheit erforderlich – angesichts der republikanischen Mehrheiten ein unwahrscheinliches Szenario. Zusätzlich muss der Gouverneursrat der IAEA die Sicherungsmodalitäten billigen. Anders als unter der Vorgängerregierung Biden ist die nukleare Zusammenarbeit nicht an eine Normalisierung der saudisch-israelischen Beziehungen geknüpft; Beobachter in Washington und Jerusalem werten dies als Zeichen einer transaktionaleren Nahostpolitik des Weißen Hauses. Die gemeinsame Machbarkeitsstudie zur Anreicherung wird voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen und über den tatsächlichen Umfang der künftigen saudischen Nuklearfähigkeiten entscheiden.
| Lateinamerikanische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Golfpresse | 0.00 | neutral |
| Russische & GUS-Presse | −0.50 | critical |
Lateinamerika warnt: Das US-saudische Atomabkommen ist eine offene Tür für Proliferation und ein Wettrüsten in der Region.
Indem das Abkommen als direkter Weg zu einer saudischen Atombombe dargestellt und der Alarm Israels und Irans betont wird, erzeugt die Erzählung ein Gefühl unmittelbarer Gefahr.
Der Block lässt die wirtschaftlichen Vorteile des Abkommens und die Tatsache, dass es einige Sicherheitsvorkehrungen enthält, sowie die Rolle der US-Unternehmen beim Aufbau der Infrastruktur aus.
Der Golf sieht das US-saudische Atomabkommen als pragmatischen Schritt, der die Energiesicherheit des Königreichs und die strategische Partnerschaft stärkt, mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen.
Durch die Hervorhebung der wirtschaftlichen Vorteile, der Rolle der US-Unternehmen und des Potenzials für pakistanische Unterstützung normalisiert die Erzählung das Abkommen als eine routinemäßige strategische Partnerschaft.
Der Block lässt die Proliferationsbedenken und das Fehlen von IAEA-Kontrollen sowie den Alarm Israels und Irans aus.
Russland weist auf das Fehlen von Sicherheitsvorkehrungen im US-saudischen Atomabkommen hin, das eine Proliferationsgefahr darstellt.
Indem sie sich auf das Fehlen zuvor geforderter Sicherheitsvorkehrungen und das Fehlen von IAEA-Kontrollen konzentriert, stellt die Erzählung das Abkommen als einen rücksichtslosen Schritt der USA dar.
Der Block lässt die wirtschaftlichen Vorteile und den Aspekt der strategischen Partnerschaft sowie das Potenzial für US-Unternehmen, Infrastruktur aufzubauen, aus.
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