
Südkoreas Zentralbank strafft erstmals seit 2023 – Inflationsdruck und Chipboom ermöglichen Zinswende
Die Bank of Korea erhöhte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent und signalisierte weitere Schritte, um die über dem Ziel liegende Inflation und die schwache Währung zu bekämpfen.
Die südkoreanische Notenbank hat am Donnerstag ihren siebentägigen Repo-Satz von 2,50 auf 2,75 Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung seit Januar 2023 und beendet eine Phase, in der die Währungshüter trotz steigender Immobilienpreise und Haushaltsverschuldung aus Rücksicht auf die exportabhängige Konjunktur stillhielten oder lockerten. Der Schritt war nach wiederholten Hinweisen von Gouverneur Shin Hyun-song weithin erwartet worden; der Won zeigte sich nach der Entscheidung kaum verändert, während der Leitindex KOSPI um 7 Prozent nachgab – belastet vor allem von Abgaben bei Halbleiterwerten.
Auslöser der Straffung ist ein anhaltender Inflationsdruck, der die Geldpolitik zunehmend hinter die Kurve geraten ließ. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lagen damit den zweiten Monat in Folge über der Drei-Prozent-Marke, deutlich oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels der Bank. Treiber sind vor allem Energiepreise, die durch die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran in die Höhe getrieben wurden, sowie die Schwäche der Landeswährung, die Importe verteuert. Gleichzeitig wächst die Wirtschaft dank eines Booms bei Halbleiterexporten, die im Juni fast das Dreifache des Vorjahreswerts erreichten, so stark wie seit fast fünfzig Jahren nicht mehr.
Die robuste Konjunktur gibt der Notenbank aus Sicht von Beobachtern in Seoul den nötigen Spielraum, um die Zinsen weiter anzuheben, ohne das Wachstum abzuwürgen. Die Regierung hob erst in dieser Woche ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 3,0 Prozent an – das wäre das höchste Tempo seit 2021. Auch die Bank of Korea selbst erwartet, dass die Expansion ihre Mai-Schätzung von 2,6 Prozent erheblich übertreffen wird. Mit der Zinswende reiht sich Südkorea in eine breitere regionale Bewegung ein: Notenbanken in Australien, Neuseeland, Indonesien und den Philippinen haben ihre Geldpolitik ebenfalls gestrafft, und die Bank of Japan hatte zuletzt ihren Leitzins auf ein 31-Jahres-Hoch gesetzt.
Für die kommenden Monate signalisierte die Notenbank weiteren Handlungsbedarf. Die Mehrheit der von internationalen Medien befragten Analysten erwartet mindestens eine weitere Anhebung noch in diesem Jahr, womit der Leitzins auf 3,00 Prozent steigen würde. Mediane Prognosen sehen den Satz im ersten Quartal 2027 bei 3,25 Prozent. Gouverneur Shin wird sich in Kürze auf einer Pressekonferenz äußern; die Aufmerksamkeit der Märkte gilt der Frage, wie entschlossen die Bank die Inflationsbekämpfung und die Eindämmung der Haushaltsverschuldung vorantreiben will, während geopolitische Risiken und die Zollpolitik der USA die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen belasten.
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Die Bank of Korea handelt entschlossen, um den Won zu stabilisieren und die Inflation einzudämmen, gestützt auf solide Daten und Expertenprognosen.
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