
Staatliche Eingriffe dämpfen Strompreisschocks – von Jakarta bis Kairo
Während Indonesien eine rechnerisch fällige Tariferhöhung aussetzt, rüstet sich Ägypten mit Gasimporten und Batteriespeichern gegen einen Rekordsommer, und Brasilien genehmigt zweistellige Aufschläge.
Die indonesische Regierung hat für das dritte Quartal 2026 eine Erhöhung der Stromtarife für 13 nicht subventionierte Kundengruppen ausgesetzt, obwohl die vierteljährliche Anpassungsformel einen Anstieg verlangt hätte. Energieminister Bahlil Lahadalia begründete den Schritt am 30. Juni mit dem Ziel, die Kaufkraft der Bevölkerung zu stützen und die gesamtwirtschaftliche Stabilität zu sichern. Die Formel, die Wechselkurs (16.959 Rupiah je US-Dollar), Rohölpreis (96,12 US-Dollar je Barrel), Inflation (0,21 Prozent) und Kohlepreis (70 US-Dollar je Tonne) berücksichtigt, hätte laut Ministerium zu einem Aufschlag geführt. Für 24 subventionierte Abnehmergruppen – darunter Sozial- und Kleinstbetriebe – bleiben die Sätze ohnehin unverändert.
In Ägypten bereiten sich das Strom- und das Erdölministerium unterdessen auf eine erwartete Lastspitze vor, die den Vorjahresrekord von 40.000 Megawatt um rund acht Prozent übertreffen dürfte. Eine gemeinsame Einsatzplanung sieht vor, die Versorgung durch schwimmende LNG-Regasifizierungseinheiten, die strategische Nutzung des Exportterminals Damietta als Gasspeicher sowie den Zubau von 2.200 Megawatt erneuerbarer Kapazität und 1.300 Megawattstunden Batteriespeichern noch in diesem Jahr abzusichern. Ein Ministeriumssprecher dementierte zugleich Gerüchte über eine Anhebung der Haushaltstarife zum 1. Juli, kündigte aber einen 20-prozentigen Zuschlag für bestimmte gewerbliche Verbraucher während der Spitzenlastzeiten an. Aus Kairoer Sicht ist die Zuverlässigkeit des Netzes politisch hochsensibel, nachdem es 2023 zu täglichen Zwangsabschaltungen gekommen war und die Importabhängigkeit bei Gas zuletzt auf 68 Prozent der Eigenproduktion gestiegen ist.
In Brasilien genehmigte die Regulierungsbehörde Aneel am selben Tag eine durchschnittliche Tariferhöhung von 10,18 Prozent für die Kunden des Versorgers Enel São Paulo, die am 4. Juli in Kraft tritt. Für Haushalte in Niederspannung beträgt der Anstieg 9,02 Prozent, für Hochspannungskunden 15 Prozent. Als Haupttreiber nennt die Behörde finanzielle Ausgleichsposten aus vorangegangenen Perioden, die nur für ein Jahr wirken. Im Bundesstaat Tocantins steigen die Tarife für Privatkunden um 8,11 Prozent, nachdem sie im Vorjahr bereits um 12,31 Prozent angehoben worden waren.
Die drei Schauplätze illustrieren einen globalen Zielkonflikt: Steigende Brennstoffkosten und Netzinvestitionen erhöhen den Preisdruck, während Regierungen soziale Härten und politische Risiken fürchten. Indonesien setzt auf direkte Tarifdeckelung, Ägypten auf eine Mischung aus Importlogistik, Speichertechnik und selektiven Preissignalen für Gewerbekunden, Brasilien lässt die Regulierung die Kosten weitergeben. Der nächste Prüfstein ist der 4. Juli, wenn in Brasilien die neuen Tarife wirksam werden und sich in Ägypten die Lastprognosen im laufenden Hochsommer bewähren müssen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Regierung hat die Stromtarife für das dritte Quartal 2026 nicht erhöht, obwohl die Anpassungsformel einen Anstieg vorgesehen hätte, um die Kaufkraft der Bürger zu schützen und die Wirtschaft zu stützen. Die Entscheidung gilt für 13 nicht subventionierte Kundengruppen.
Ägypten hat einen Notfallplan für eine rekordhohe Stromnachfrage im Sommer aufgestellt, die voraussichtlich um 8 % über dem Vorjahreswert von 40.000 MW liegen wird. Der Plan kombiniert LNG-Reserven, 2.200 MW neue erneuerbare Kapazitäten und 1.300 MW Batteriespeicher, um Stromausfälle wie 2023 zu verhindern.
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