
Britische Regierung erwägt Eingriff in Paramounts Übernahme von Warner Bros. Discovery
Kulturministerin Lisa Nandy äußerte Bedenken zur Medienvielfalt und setzte den Konzernen eine Frist bis zum 6. Juli; die 110-Milliarden-Dollar-Transaktion ist in mehreren Ländern bereits genehmigt.
In einer schriftlichen Erklärung an das britische Unterhaus teilte Kulturministerin Lisa Nandy am Dienstag mit, sie sei „geneigt, einzugreifen“ – eine formelhafte Wendung, die im Vereinigten Königreich den Auftakt eines behördlichen Verfahrens markiert. Die Ministerin, eine Vertraute des designierten Premierministers Andy Burnham, richtete ihre Zeilen an die derzeitigen und künftigen Eigentümer von Warner Bros. Discovery. Den Unternehmen bleibt nun eine Woche, um auf das Schreiben zu antworten; eine endgültige Entscheidung über eine Intervention hat Nandy nach eigenen Worten noch nicht getroffen.
Die Bedenken der Ministerin gründen auf dem öffentlichen Interesse an einer „hinreichenden Vielfalt von Standpunkten in den Nachrichtenmedien“ und einer ausreichenden Streuung der Kontrolle über Medienunternehmen. Im Fokus stehen dabei Angebote, die das britische Publikum unmittelbar betreffen: der terrestrische Sender Channel 5, Kinderkanäle wie Cartoon Network und Nickelodeon, der Sportanbieter TNT Sports sowie die Streamingdienste Paramount+ und HBO Max. Sollte Nandy tatsächlich intervenieren, würde die Medienaufsicht Ofcom eine Prüfung einleiten; parallel dazu untersucht die Wettbewerbsbehörde CMA bereits die Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den britischen Markt.
Während sich in London die Hürden auftürmen, ist die Fusion in anderen Teilen der Welt längst durchgewunken. Das US-Justizministerium erteilte Anfang Juni ohne Auflagen seine Zustimmung und erklärte, die Transaktion werde „voraussichtlich weder dem Wettbewerb noch den amerikanischen Verbrauchern schaden“. Auch China, Australien, Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien haben grünes Licht gegeben. In Brüssel prüft die EU-Kommission den Deal derzeit; Beobachter rechnen nicht mit einem Veto, doch Paramount will noch in dieser Woche Zugeständnisse vorlegen. Auf Ebene der US-Bundesstaaten hingegen formiert sich Widerstand: Eine Allianz von Generalstaatsanwälten, angeführt von Kalifornien und New York, erwägt eine Klage, um die Fusion zu blockieren.
Für Paramount drängt die Zeit. Um das Vertrauen in einen raschen Abschluss zu untermauern, hat das Unternehmen den Aktionären von Warner Bros. Discovery eine vierteljährliche Verzugsgebühr von 25 Cent pro Aktie zugesichert, sollte der Deal nicht bis zum 30. September vollzogen sein – ein Betrag, der sich auf rund 650 Millionen Dollar pro Quartal summiert. Das Management um David Ellison gibt sich dennoch zuversichtlich und verweist auf die konstruktiven Gespräche mit sämtlichen Regulierungsbehörden. In Hollywood indes haben mehr als 5.500 Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Drehbuchautoren einen offenen Brief unterzeichnet, der vor einem Verlust an Vielfalt und steigenden Kosten für Konsumenten warnt.
So ruht der Blick nun auf einem unscheinbaren Datum: dem 6. Juli. Bis dahin müssen die Konzerne auf Nandys Schreiben reagieren. In den Vorstandsetagen von Paramount und Warner Bros. Discovery liegt ein Brief, dessen wenige Zeilen über das Schicksal eines der größten Medienzusammenschlüsse der Geschichte mitentscheiden könnten – und über die Frage, wem künftig die Bilder und Nachrichten gehören, die ein Publikum von London bis Los Angeles erreichen.
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Die britische Regierung signalisiert Interventionsbereitschaft bei der Paramount-Warner-Bros.-Fusion und verweist auf Bedenken hinsichtlich der Medienvielfalt. Das Schreiben der Kulturministerin eröffnet eine neue regulatorische Front für einen Deal, der bereits auf beiden Seiten des Atlantiks geprüft wird, und könnte die 110-Milliarden-Dollar-Konsolidierung verzögern.
Das mögliche Eingreifen Großbritanniens in den Paramount-Warner-Bros.-Deal bringt neue Unsicherheit, obwohl die USA und China bereits zugestimmt haben. Der Schritt wird als mögliche Verweisung an die Kartellbehörde gesehen, was Erinnerungen an die blockierte Microsoft-Activision-Übernahme weckt und den Zeitplan der 110-Milliarden-Dollar-Fusion erschweren könnte.
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