
Sheikh Hasina kündigt Rückkehr nach Bangladesch an – trotz Todesurteil
Die ehemalige Premierministerin will sich im Dezember freiwillig der Justiz stellen, während Dhaka auf Auslieferung drängt und die eigene Partei skeptisch bleibt.
Sheikh Hasina, die ehemalige Premierministerin Bangladeschs, hat in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters angekündigt, im Dezember aus ihrem indischen Exil nach Dhaka zurückzukehren und sich gemeinsam mit führenden Mitgliedern ihrer inzwischen verbotenen Awami-Liga freiwillig den Gerichten zu stellen. Das Internationale Verbrechenstribunal in Dhaka hatte die 78-Jährige im November 2025 in Abwesenheit zum Tode verurteilt, weil sie für die gewaltsame Niederschlagung der Studentenproteste von 2024 verantwortlich gemacht wird, bei denen nach UN-Angaben bis zu 1.400 Menschen starben. Hasina erklärte, sie nehme die Möglichkeit einer Verhaftung oder gar Tötung in Kauf: „Wenn der Tod kommt, dann soll es auf meinem eigenen Boden sein, wo meine Eltern begraben sind und ihr Blut vergossen wurde.“
Aus Sicht der Regierung in Dhaka, die seit den Wahlen im Februar 2026 von der Bangladesh Nationalist Party (BNP) unter Premierminister Tarique Rahman geführt wird, ist die Rückkehr Hasinas vor allem eine Frage der Vollstreckung des Todesurteils. Der oppositionelle Chief Whip Nahid Islam von der Nationalen Bürgerpartei (NCP) erklärte, Hasina werde „nur zurückkehren, um das Todesurteil zu vollstrecken“, und forderte die Regierung auf, sie „durch angemessene diplomatische und rechtliche Schritte“ zurückzuholen. Gleichzeitig erinnerte eine Mitteilung des Informationsministeriums die Medien an ein gerichtliches Verbot vom Dezember 2024, das die Verbreitung von Äußerungen der verurteilten und flüchtigen Hasina untersagt. Die Regierung hat wiederholt Auslieferungsersuchen an Indien gerichtet, die nach Angaben des indischen Außenministeriums geprüft werden.
Aus indischer Sicht hat die Aufnahme Hasinas die bilateralen Beziehungen erheblich belastet. Neu-Delhi betont, das Auslieferungsersuchen im Rahmen laufender rechtlicher Prozesse zu prüfen, und strebt zugleich einen konstruktiven Dialog mit der neuen Regierung in Dhaka an. Hasina selbst gab an, keine ausländische Regierung konsultiert zu haben, und stellte ihre Rückkehr als autonome Entscheidung dar. Beobachter in Dhaka weisen jedoch darauf hin, dass jede tatsächliche Rückkehr eine enge Abstimmung zwischen beiden Hauptstädten voraussetzen würde, da Hasina sich auf indischem Staatsgebiet aufhält und ohne indische Zustimmung kaum ausreisen könnte.
Innerhalb der Awami-Liga, deren Aktivitäten im Mai 2025 unter dem Antiterrorgesetz verboten wurden, wird die Ankündigung Hasinas mit Zurückhaltung aufgenommen. Mehrere führende Parteimitglieder, die sich im Untergrund oder im Ausland befinden, äußerten gegenüber bangladeschischen Medien Zweifel, ob es sich um einen realen Plan oder um eine symbolische Geste zur Mobilisierung der Anhängerschaft handelt. Bislang ist kein prominenter Parteifunktionär dem Aufruf zur Rückkehr gefolgt; viele haben aus Furcht vor Verhaftung Indien in Richtung Drittstaaten verlassen. Die Parteiführung in Dhaka ist weitgehend zerschlagen, und die politische Betätigung beschränkt sich auf vereinzelte Online-Aktivitäten.
Die Ankündigung fällt in eine Phase anhaltender innenpolitischer Spannungen. Die Regierung Rahman hat die Vollstreckung des Urteils zu einer Priorität erklärt, während die Opposition vor einer möglichen Destabilisierung warnt. Konkrete Vorbereitungen für eine Rückkehr Hasinas sind nicht bekannt. Der Zeitplan „Dezember“ wird von manchen Beobachtern als taktisches Datum gewertet, das mit dem Jahrestag der Parlamentswahlen oder anderen politischen Zäsuren zusammenfallen könnte. Die nächsten faktischen Schritte hängen davon ab, ob und wann Indien über das Auslieferungsersuchen entscheidet und ob die bangladeschische Regierung bereit ist, Hasina die Einreise zu ermöglichen, ohne dass es zu einer Eskalation kommt.
| Indische & südasiatische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
The Bangladeshi government and skeptical observers frame Hasina as a convicted fugitive whose return is legally blocked and politically dubious.
By invoking a court order to ban her statements, the government legitimizes its own narrative and marginalizes the opposition's voice.
Omits the fact that the death sentence was issued by a tribunal widely seen as politically motivated, which would weaken the government's moral authority.
The Russian outlet presents Hasina as a resolute leader defying a death sentence, highlighting the personal danger she accepts.
By listing the threats of arrest and killing, it creates a hierarchy of dangers that makes Hasina's decision appear heroic and self-sacrificing.
Omits the Bangladeshi court's ban on broadcasting her statements and the internal skepticism within her party, which would complicate the narrative of a unified, determined return.
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