
Schwere Unwetter in Südamerika erwartet: El Niño verstärkt Sturmgefahr
Meteorologen warnen vor heftigen Regenfällen, Hagel und Orkanböen in Brasilien und Argentinien, während das Klimaphänomen El Niño an Intensität gewinnt.
In weiten Teilen Südamerikas haben die Wetterdienste für die kommenden Tage Warnungen vor schweren Unwettern herausgegeben. Betroffen sind vor allem der Süden Brasiliens sowie mehrere argentinische Provinzen, wo heftige Regenfälle, großkörniger Hagel, Sturm- und Orkanböen sowie in den Andenregionen intensive Schneefälle erwartet werden. Nach Angaben des brasilianischen Instituts Inmet und des argentinischen Servicio Meteorológico Nacional (SMN) könnten die Niederschlagsmengen örtlich bis zu 400 Millimeter innerhalb weniger Tage erreichen.
Für den brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul prognostizieren die Modelle ab Donnerstag eine mehrtägige Unwetterlage. Meteorologen der Climatempo zufolge entsteht eine Kombination aus einer halbstationären Front, einem Tiefdruckgebiet und einem starken Feuchtigkeitstransport aus dem Amazonasgebiet, die zu langanhaltenden Starkregenfällen, Hagelschauern und Windgeschwindigkeiten von über 90 Kilometern pro Stunde führen kann. Vereinzelt seien auch Mikroexplosionen und isolierte Tornados nicht ausgeschlossen. In Argentinien hat der SMN für die Provinz Neuquén die höchste Warnstufe Rot ausgerufen; dort werden bis zu 60 Zentimeter Neuschnee und stürmischer „weißer Wind“ erwartet. Für die Region um Buenos Aires kündigen die Behörden ab Freitag teils kräftige Gewitter an, während im Nordosten des Landes mit Niederschlägen von 30 bis 50 Millimetern gerechnet wird.
Aus meteorologischer Sicht wird die brisante Wetterlage durch das Klimaphänomen El Niño begünstigt, dessen Intensität nach Einschätzung des US-amerikanischen Climate Prediction Center mit einer Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent bis zum Jahresende die Kategorie „sehr stark“ erreichen könnte. Die Erwärmung des äquatorialen Pazifiks verändert die atmosphärische Zirkulation und verstärkt den Zustrom feuchtwarmter Luftmassen vom Amazonas in den Süden des Kontinents. Brasilianische und argentinische Fachleute betonen jedoch, dass die unmittelbar bevorstehenden Unwetter nicht allein auf El Niño zurückzuführen seien, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren resultierten – darunter ein blockierendes Hochdruckgebiet über Zentralbrasilien, das die Instabilitäten im Süden festhält.
Offen bleibt, wie rasch sich das volle Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre einstellt und ob die prognostizierten Extremniederschläge tatsächlich die befürchteten Überschwemmungen und Erdrutsche auslösen. Die Behörden in den betroffenen Regionen haben die Bevölkerung aufgerufen, Anweisungen der Zivilschutzes zu befolgen und die Entwicklung der Lage aufmerksam zu verfolgen. Die Warnungen gelten vorerst bis zum Wochenende; eine Verlängerung der Unwetterperiode wird nicht ausgeschlossen.
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