
Selenskyj setzt Belarus ein Ultimatum: Relaisstationen binnen einer Woche entfernen
Der ukrainische Präsident droht mit eigener Zerstörung der Anlagen, sollte Minsk nicht handeln – Moskau wertet die Äußerung als Provokation gegen das Verbündete.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Belarus eine Frist von einer Woche gesetzt, um entlang der gemeinsamen Grenze stationierte Relaisstationen zu entfernen, die nach Darstellung Kiews der russischen Armee zur Lenkung von Drohnen- und Raketenangriffen auf ukrainische Zivilisten dienen. Sollte Minsk die Technik nicht abschalten oder abziehen, werde die Ukraine dies selbst tun, sagte Selenskyj am 19. Juni auf einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten von Honduras. Die Anlagen befänden sich in zwei belarussischen Grenzregionen; täglich würden durch sie Zivilisten getötet und Kinder verletzt. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Die ukrainische Führung begründet den Schritt mit der fortdauernden indirekten Kriegsbeteiligung Belarus’. Selenskyj verwies darauf, dass bereits zu Beginn der Invasion 2022 russische Raketen von belarussischem Territorium aus gestartet worden seien und Minsk heute der wichtigste Treibstofflieferant für die russischen Streitkräfte sei. Russland werde weiterhin versuchen, Belarus tiefer in den Krieg zu ziehen, doch Lukaschenko wisse, dass die Ukraine auf jede Bedrohung ihrer Zivilbevölkerung antworten werde. Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte zuvor mehrfach erklärt, sein Land wolle nicht in den Krieg hineingezogen werden, und sich für frühere scharfe Äußerungen gegenüber Selenskyj entschuldigt. Er betonte, Belarus sei kein militärisch aggressiver Staat; eine Ausweitung des Konflikts auf sein Territorium sei „vollkommen inakzeptabel“. Mit Präsident Putin habe er vereinbart, dass ein Übergreifen des Krieges auf Belarus mehr Schaden als Nutzen brächte. Aus Minsker Sicht wird die ukrainische Drohung als Versuch gewertet, Belarus und ganz Europa in den Konflikt zu ziehen; der Abgeordnete Oleg Gaidukewitsch sprach von einer Provokation, auf die sich Minsk nicht einlassen werde.
Moskau reagierte umgehend: Der Vorsitzende des Duma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten, Leonid Sluzki, bezeichnete die Drohung als Inszenierung für ein westliches Publikum und betonte, Russland betrachte Drohungen gegen Belarus als Drohungen gegen sich selbst. Die Episode fällt in eine Phase erhöhter Spannungen: Am 17. Juni hatte eine ukrainische Drohne einen Bus mit einer belarussischen Kinderfußballmannschaft in der russischen Region Brjansk attackiert; Lukaschenko nannte den Vorfall „offenen Faschismus“, der Kreml sprach von einem Terrorakt. Unabhängig davon hat die Ukraine in den vergangenen Monaten ihre Grenzbefestigungen zu Belarus verstärkt und zusätzliche Minenfelder angelegt.
Die Forderung Selenskyjs unterstreicht aus Sicht westlicher Beobachter die strategische Bedeutung des belarussischen Territoriums für die russische Kriegsführung, insbesondere nach ukrainischen Angriffen auf die russische Ölinfrastruktur. Belarus dient als logistische Drehscheibe und als Puffer, über den Russland Angriffe koordinieren kann, ohne eigenes Territorium zu exponieren. Eine eigenmächtige ukrainische Zerstörung der Relaisstationen würde eine direkte militärische Handlung auf belarussischem Boden bedeuten und birgt das Risiko einer Ausweitung des Konflikts. In europäischen Hauptstädten wird die Entwicklung mit Sorge beobachtet. Die gesetzte Frist läuft; diplomatische Vermittlungsversuche sind bislang nicht bekannt geworden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Russische Staatsmedien stellen Selenskyjs Aussage als aggressives Ultimatum dar und säen mit dem Wort 'angeblich' Zweifel an den Relaisstationen. Sie stellen dem sofort einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Bus mit Kindern gegenüber und implizieren, Kiew sei der Aggressor und Minsk das Opfer.
Kontinentaleuropäische Medien berichten über Selenskyjs Forderung an Lukaschenko, Relaisstationen zu entfernen, die russische Angriffe korrigieren, und stellen fest, dass Belarus trotz Dementis am Krieg beteiligt ist. Die einwöchige Frist und die Drohung mit ukrainischen Maßnahmen werden als faktische Entwicklung dargestellt.
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