
Pionier des neuen Mundschutz-Verbots: Almiron sieht historischen Platzverweis
Erstmals in der WM-Geschichte wurde ein Spieler wegen verdeckten Mundes vom Platz gestellt – der Paraguayer muss nun um seine Turnierteilnahme bangen.
Es lief bereits die Nachspielzeit der ersten Halbzeit im kalifornischen Santa Clara, als der salvadorianische Schiedsrichter Iván Barton zur Monitor-Bank an der Seitenlinie schritt und kurz darauf jene Karte zückte, die noch kein Unparteiischer bei einer Weltmeisterschaft gezeigt hatte. Miguel Almirón, Offensivkraft Paraguays und früherer Profi von Newcastle United, erhielt die Rote Karte – nicht für ein rohes Foul, sondern weil er sich im verbalen Schlagabtausch mit dem türkischen Verteidiger Mert Müldür den Mund mit der Hand bedeckt hatte. Der Videobeweis hatte die Geste eindeutig dokumentiert, und der Unparteiische vollstreckte das neue, erst im April von IFAB und FIFA verabschiedete Verbot: Wer in einer konfrontativen Situation sein Gesicht verhüllt, riskiert den sofortigen Ausschluss.
Dabei hatte die Partie aus Sicht der Südamerikaner furios begonnen. Bereits in der zweiten Spielminute traf Matías Galarza mit einem Flachschuss aus zwanzig Metern zur frühen Führung, dem bis dahin schnellsten Tor des Turniers. Die Türkei, die ihr Auftaktspiel gegen Australien verloren hatte, zeigte sich keineswegs geschockt und erhöhte vor allem nach dem Seitenwechsel den Druck. Orlando Gill im paraguayischen Tor parierte mehrfach glänzend, während Julio Enciso auf der Gegenseite eine Konterchance vergab. Die numerische Unterlegenheit – Almiróns Platzverweis zwang Paraguay ab der 47. Minute zu zehnt – machte die Aufgabe nicht leichter, doch das Team von Gustavo Alfaro verteidigte das 1:0 mit großer Leidenschaft und sicherte sich drei lebenswichtige Punkte.
Die Regel selbst trägt in Medien Südamerikas bereits den Spitznamen „Ley Prestianni“. Sie ist eine direkte Folge eines Eklats in der letzten Champions-League-Saison, als Benficas Gianluca Prestianni während einer Auseinandersetzung mit Real Madrids Vinícius Júnior sein Trikot vor den Mund hielt und später wegen homophober Äußerungen gesperrt wurde – der Rassismusvorwurf ließ sich gerade wegen des verdeckten Mundes nicht beweisen. FIFA-Präsident Gianni Infantino fand im März klare Worte: „Wer nichts zu verbergen hat, verdeckt nicht seinen Mund, wenn er etwas sagt. So einfach ist das.“ Schiedsrichterchef Pierluigi Collina betonte, die Regel gelte nur bei offenkundig feindseligem Dialog; freundliche Gespräche blieben ungestraft.
Für Almirón, der bereits im ersten Spiel der Gruppe D gegen die USA unangenehm auffiel – damals wurde eine Gelbe Karte gegen ihn nach Videobeweis wegen Schwalbe in eine Verwarnung umgewandelt – hat der Ausschluss handfeste Konsequenzen: Er fehlt Paraguay im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Australien. Die Socceroos unterlagen zuvor den USA mit 0:2 und brauchen ihrerseits einen Sieg. Paraguay ist mit drei Punkten weiter im Rennen um die K.o.-Runde, während die Türkei nach zwei Niederlagen rechnerisch ausgeschieden ist – ein bitterer Rückschlag für das Team des italienischen Trainers Vincenzo Montella, das trotz spielerischer Überlegenheit in Hälfte zwei kein Tor erzielte.
Ob die Disziplinarkommission der FIFA die Sperre Almiróns über das automatische eine Spiel hinaus verlängert, bleibt abzuwarten. Sollte sich bei der Untersuchung herausstellen, dass hinter der verdeckten Bemerkung eine diskriminierende Äußerung steckte, drohen empfindlichere Strafen. Noch gibt es keine Anzeichen dafür – doch der Präzedenzfall ist geschaffen, und das Signal an alle Teilnehmer der WM 2026 ist unmissverständlich: Die Zeit des ungestraften Flüsterns hinter der vorgehaltenen Hand ist vorbei.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 7 Sprachen
FIFA's new rule banning players from covering their mouths during confrontations claimed its first victim: Miguel Almiron was sent off in Turkey vs Paraguay. The incident, occurring in first-half stoppage time, sparked debate on the rule's enforcement, seen as necessary to curb insults and time-wasting. The coverage focuses on the event itself, without strong critical or celebratory tones.
Miguel Almiron's red card for covering his mouth sparked outrage and mockery, with many outlets calling it 'shameful' and dubbing it the 'Prestianni Law'. The strictness of the rule is criticized as disproportionate, making the player a scapegoat. The incident is seen as a dangerous precedent that could impact the tournament.
Verwandte Artikel
Iran schließt Straße von Hormus – Verhandlungsteam reist dennoch in die Schweiz
9 Sprachen · 58 Quellen
SportCunha-Doppelpack und Vinícius-Tor führen Brasilien zum ersten Sieg – Raphinha angeschlagen
8 Sprachen · 33 Quellen
Kriminalität & KatastrophenGüterzug-Kollision in München: Ein Toter, Waggons stürzen von Brücke
11 Sprachen · 21 Quellen