
Die Stunde der Jalousien: Wie Italien mit Bonus, Kühlmatten und Melonen gegen die Hitze rüstet
Während die Temperaturen steigen, verlängert Rom die Steuererleichterung für Wärmepumpen – doch der Alltag der Menschen und Tiere verlangt nach mehr als nur nach Technik.
Im römischen Viertel Trastevere, wo die Gassen am Morgen noch kühl sind, schiebt eine ältere Frau um sieben Uhr die schweren Holzjalousien zu. Es ist ein Ritual, das sie vom Juni bis in den September pflegt, gelernt von der Mutter, die es wiederum von ihrer Mutter hatte. Die Klimaanlage surrt leise im Schlafzimmer, doch die Jalousien bleiben das erste Bollwerk gegen die afrikanische Hitze, die in diesen Tagen ganz Italien im Griff hält. Draußen testet ein Hundebesitzer mit dem Handrücken den Asphalt: zu heiß, der Spaziergang fällt aus. Im nächsten Hof füttert eine junge Mutter ihre Tochter mit Wassermelone – das Kind verzieht das Gesicht, die Mutter lacht, denn sie weiß, dass die Frucht mehr Flüssigkeit spendet als ein halber Liter Wasser.
Diese kleinen Szenen des Alltags haben eine große politische Entsprechung. Bis Ende 2026 verlängert der italienische Staat den sogenannten „Bonus condizionatori“. Dabei geht es nicht um ein eigenes Gesetz, sondern um ein Geflecht aus Steuerabzügen, die im Rahmen des Ecobonus oder der Renovierungsprämie gewährt werden. Die Steuerbehörde hat klargestellt: Auch ohne umfassende Bauarbeiten kann der Austausch einer alten Klimaanlage durch eine hocheffiziente Wärmepumpe mit 50 Prozent der Kosten abgesetzt werden, sofern es sich um die Hauptwohnung handelt; für Zweitwohnungen sind es 36 Prozent. Bezahlt werden muss per „bonifico parlante“, einem sprechenden Überweisungsbeleg, der den Verwendungszweck, die Steuernummer des Begünstigten und die Rechnungsdaten enthält. Wer mit Kreditkarte zahlt, geht leer aus. Zudem müssen die technischen Unterlagen innerhalb von 90 Tagen nach Abschluss der Arbeiten an das Portal der Energieagentur Enea übermittelt werden.
Die Prämie ist mehr als ein fiskalischer Anreiz. Sie spiegelt eine doppelte Anpassung an ein Klima, das längst kein rein mediterranes mehr ist. Im Sommer 2025 trieb eine Hitzewelle die Stromrechnung eines durchschnittlichen Haushalts auf geschätzte 146 Euro – vier Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Vergleichsportal Facile.it vorrechnet. Die Ursache: gestiegene Energiepreise durch geopolitische Spannungen und die schiere Dauer der Betriebsstunden. Gleichzeitig wächst in Italien die Zahl derer, die zu passiven Kühlmethoden greifen, die in südlichen Ländern seit Jahrhunderten erprobt sind: Außenjalousien und Fensterläden, die tagsüber geschlossen bleiben; nächtliches Querlüften, sobald die Luft abkühlt; hell gestrichene Fassaden und begrünte Innenhöfe. In den Ratgeberspalten der Zeitungen finden sich zudem Ratschläge, die nahelegen, wie sehr die Hitze in alle Bereiche des Lebens vordringt – vom Tipp, Kindern gefrorene Wassereis-Würfel zu geben, bis zur Warnung, Hunden niemals ein nasses Handtuch über den Körper zu legen, weil dies die Wärme darunter einschließt.
Die Debatte strahlt über Italien hinaus. In Großbritannien, wo eine Hitzewelle im Jahr 2022 erstmals die 40-Grad-Marke knackte, diskutiert die Presse über kulturelle Fehlwahrnehmungen: Sonnige Wochenenden gelten noch immer als „gutes Wetter“, das zu Strandausflügen und Grillabenden einlädt, selbst wenn die Temperaturen lebensgefährlich werden. Forscher der Universität Cardiff plädieren daher für eine Kampagne, die das öffentliche Bewusstsein schärft – nach dem Vorbild jener Länder, in denen die Siesta nicht als folkloristisches Relikt, sondern als physiologische Notwendigkeit gilt. In deutschen Städten wiederum setzt man eher auf baulichen Wärmeschutz und den nachträglichen Einbau von Klimatechnik, doch die Vorstellung, im Hochsommer den Rolladen herunterzulassen und erst am Abend das Fenster zu öffnen, ist vielen fremd.
In Rom fällt am späten Nachmittag das Licht schräg durch die Schlitze der Jalousien. Die Frau aus Trastevere öffnet behutsam einen Flügel, prüft die Temperatur der Luft und lässt die Brise herein. Der Hund im dritten Stock hat seinen Platz auf einer Kühlmatte gefunden, die Wassermelone ist längst aufgegessen. Im Hintergrund läuft leise der Ventilator – nicht, weil die Klimaanlage fehlt, sondern weil das Zusammenspiel aus alter Klugheit und neuer Technik an diesem langen Sommertag die einzige vernünftige Antwort bleibt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Continental European press focuses on Italy's practical measures against heat, such as the air conditioner bonus extended to 2026. It highlights rising energy costs and bills with a tone of concern but also pragmatism. There is debate whether AC is an adaptive solution or a maladaptation to climate change.
Iranian press provides advice on protecting children from extreme heat, with a paternalistic and urgent tone. Focus is on children's vulnerabilities and practical solutions like hydration and water-rich foods.
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