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Geopolitik & PolitikSamstag, 20. Juni 2026

Polen entzieht Selenskyj den Orden des Weißen Adlers – Geschichtsstreit eskaliert

Der polnische Präsident Nawrocki annullierte die höchste Auszeichnung des Landes für den ukrainischen Staatschef, nachdem Kiew eine Armeeeinheit nach der umstrittenen UPA benannt hatte.

Polens Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers entzogen – die höchste staatliche Auszeichnung der Republik. Der Schritt erfolgte, nachdem Selenskyj Ende Mai einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ verliehen hatte. Aus Warschauer Sicht ehrt die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) eine Organisation, die während des Zweiten Weltkriegs für Massaker an Zehntausenden polnischen Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien verantwortlich gemacht wird. Der polnische Sejm stufte die Taten 2016 als Völkermord ein.

Nawrocki erklärte in einer Videoansprache, die Aberkennung richte sich nicht gegen das ukrainische Volk und ändere nichts an der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik. Den ukrainischen Präsidenten beschuldigte er, durch die Ehrung von „Banditen und Mördern“ bewiesen zu haben, dass die Ukraine mental nicht für die Aufnahme in die europäische Familie bereit sei. In Kiew wies der Außenminister Andrij Sybiha den Vorstoß als „strategischen Fehler“ zurück, von dem nur Moskau profitiere. Sybiha kündigte an, seinerseits das ihm 2022 verliehene Kommandeurkreuz des Ordens für Verdienste um die Republik Polen zurückzugeben. Der Chef des ukrainischen Präsidialamts, Kyrill Budanow, der ebenfalls auf eine polnische Auszeichnung verzichtete, nannte die Entscheidung einen „unfreundlichen Akt“ und verwies auf die anhaltende Weigerung Warschaus, den faschistischen Diktator Benito Mussolini den gleichen Orden posthum zu entziehen.

Der Orden des Weißen Adlers war Selenskyj im April 2023 vom damaligen polnischen Präsidenten Andrzej Duda verliehen worden, als Zeichen der Anerkennung für die Vertiefung der bilateralen Beziehungen und den Abwehrkampf gegen Russland. Die Spannungen um die historische Aufarbeitung belasten jedoch zunehmend das Bündnis, das für die militärische Unterstützung der Ukraine und die Aufnahme von rund einer Million Flüchtlingen in Polen von entscheidender Bedeutung ist. Die Eskalation überschattet eine für den 25. und 26. Juni in Danzig geplante Wiederaufbaukonferenz, zu der die EU, die G7 und weitere Geber geladen sind. Polens Premierminister Donald Tusk, politischer Gegner Nawrockis, rief beide Präsidenten zur Deeskalation auf und warnte, der Konflikt erfreue den russischen Präsidenten Wladimir Putin und schockiere die Verbündeten.

Rechtlich ist die Aberkennung des Ordens an die Gegenzeichnung durch den Premierminister gebunden, wie polnische Verfassungsrechtler hervorheben. Tusks Schritt steht noch aus. Aus Moskauer Sicht begrüßten hochrangige Vertreter die Entscheidung. Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, empfahl Selenskyj sarkastisch, stattdessen ein Eisernes Kreuz zu tragen. Die Affäre offenbart die tiefe Kluft in der Geschichtspolitik beider Länder: Während in weiten Teilen der ukrainischen Gesellschaft die UPA als Symbol des Unabhängigkeitskampfes gegen die Sowjetunion verehrt wird, bleibt sie in Polen Inbegriff von Vertreibung und Massenmord. Eine Aufarbeitung der Wolhynien-Tragödie auf staatlicher Ebene ist bislang unterblieben.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 4 Sprachen

44%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Russische & GUS-PresseKontinentaleuropäische Presse
Russische & GUS-Presse/ Staatlich
SchadenfreudeIronie

Russische Medien stellen die Entscheidung Polens als gerechtfertigte Demütigung für Selenskyj dar, die die Umarmung von Nazi-Kollaborateuren durch die Ukraine offenlegt. Sie merken sarkastisch an, dass selbst Warschau, ein wichtiger Verbündeter Kiews, jetzt Ehrungen aberkennt, nachdem eine Militäreinheit nach der UPA benannt wurde, die Massaker an Polen verübte. Beamte wie Medwedew frohlocken und schlagen vor, Selenskyj solle stattdessen ein Nazi-Eisernes Kreuz tragen.

Kontinentaleuropäische Presse/ DACH+
PragmatismusDistanz

Kontinentaleuropäische Medien berichten über die polnische Entscheidung als scharfe Eskalation eines historischen Erinnerungskonflikts und warnen, sie könnte die alliierte Einheit während des russischen Einmarsches untergraben. Sie stellen den Entzug des Weißen Adlers durch Präsident Nawrocki dem Appell von Ministerpräsident Tusk gegenüber, die Solidarität nicht zu vergeuden. Die Berichterstattung betont das empfindliche Gleichgewicht zwischen historischen Beschwerden und heutiger strategischer Zusammenarbeit.

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Samstag, 20. Juni 2026

Polen entzieht Selenskyj den Orden des Weißen Adlers – Geschichtsstreit eskaliert

Der polnische Präsident Nawrocki annullierte die höchste Auszeichnung des Landes für den ukrainischen Staatschef, nachdem Kiew eine Armeeeinheit nach der umstrittenen UPA benannt hatte.

Polens Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers entzogen – die höchste staatliche Auszeichnung der Republik. Der Schritt erfolgte, nachdem Selenskyj Ende Mai einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ verliehen hatte. Aus Warschauer Sicht ehrt die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) eine Organisation, die während des Zweiten Weltkriegs für Massaker an Zehntausenden polnischen Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien verantwortlich gemacht wird. Der polnische Sejm stufte die Taten 2016 als Völkermord ein.

Nawrocki erklärte in einer Videoansprache, die Aberkennung richte sich nicht gegen das ukrainische Volk und ändere nichts an der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik. Den ukrainischen Präsidenten beschuldigte er, durch die Ehrung von „Banditen und Mördern“ bewiesen zu haben, dass die Ukraine mental nicht für die Aufnahme in die europäische Familie bereit sei. In Kiew wies der Außenminister Andrij Sybiha den Vorstoß als „strategischen Fehler“ zurück, von dem nur Moskau profitiere. Sybiha kündigte an, seinerseits das ihm 2022 verliehene Kommandeurkreuz des Ordens für Verdienste um die Republik Polen zurückzugeben. Der Chef des ukrainischen Präsidialamts, Kyrill Budanow, der ebenfalls auf eine polnische Auszeichnung verzichtete, nannte die Entscheidung einen „unfreundlichen Akt“ und verwies auf die anhaltende Weigerung Warschaus, den faschistischen Diktator Benito Mussolini den gleichen Orden posthum zu entziehen.

Der Orden des Weißen Adlers war Selenskyj im April 2023 vom damaligen polnischen Präsidenten Andrzej Duda verliehen worden, als Zeichen der Anerkennung für die Vertiefung der bilateralen Beziehungen und den Abwehrkampf gegen Russland. Die Spannungen um die historische Aufarbeitung belasten jedoch zunehmend das Bündnis, das für die militärische Unterstützung der Ukraine und die Aufnahme von rund einer Million Flüchtlingen in Polen von entscheidender Bedeutung ist. Die Eskalation überschattet eine für den 25. und 26. Juni in Danzig geplante Wiederaufbaukonferenz, zu der die EU, die G7 und weitere Geber geladen sind. Polens Premierminister Donald Tusk, politischer Gegner Nawrockis, rief beide Präsidenten zur Deeskalation auf und warnte, der Konflikt erfreue den russischen Präsidenten Wladimir Putin und schockiere die Verbündeten.

Rechtlich ist die Aberkennung des Ordens an die Gegenzeichnung durch den Premierminister gebunden, wie polnische Verfassungsrechtler hervorheben. Tusks Schritt steht noch aus. Aus Moskauer Sicht begrüßten hochrangige Vertreter die Entscheidung. Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, empfahl Selenskyj sarkastisch, stattdessen ein Eisernes Kreuz zu tragen. Die Affäre offenbart die tiefe Kluft in der Geschichtspolitik beider Länder: Während in weiten Teilen der ukrainischen Gesellschaft die UPA als Symbol des Unabhängigkeitskampfes gegen die Sowjetunion verehrt wird, bleibt sie in Polen Inbegriff von Vertreibung und Massenmord. Eine Aufarbeitung der Wolhynien-Tragödie auf staatlicher Ebene ist bislang unterblieben.

Divergenz der Quellen

Geopolitik & Politik · 6 Quellen · 4 Sprachen

44%Mittel

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Neutral33%
Kritisch67%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 4 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Russische & GUS-PresseKontinentaleuropäische Presse
Russische & GUS-Presse/ Staatlich
SchadenfreudeIronie

Russische Medien stellen die Entscheidung Polens als gerechtfertigte Demütigung für Selenskyj dar, die die Umarmung von Nazi-Kollaborateuren durch die Ukraine offenlegt. Sie merken sarkastisch an, dass selbst Warschau, ein wichtiger Verbündeter Kiews, jetzt Ehrungen aberkennt, nachdem eine Militäreinheit nach der UPA benannt wurde, die Massaker an Polen verübte. Beamte wie Medwedew frohlocken und schlagen vor, Selenskyj solle stattdessen ein Nazi-Eisernes Kreuz tragen.

Kontinentaleuropäische Presse/ DACH+
PragmatismusDistanz

Kontinentaleuropäische Medien berichten über die polnische Entscheidung als scharfe Eskalation eines historischen Erinnerungskonflikts und warnen, sie könnte die alliierte Einheit während des russischen Einmarsches untergraben. Sie stellen den Entzug des Weißen Adlers durch Präsident Nawrocki dem Appell von Ministerpräsident Tusk gegenüber, die Solidarität nicht zu vergeuden. Die Berichterstattung betont das empfindliche Gleichgewicht zwischen historischen Beschwerden und heutiger strategischer Zusammenarbeit.

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