
Russischer Luftangriff auf Charkiw fordert mehrere Tote – Eskalation der gegenseitigen Angriffe
Bei der Bombardierung eines Wohnhauses in Charkiw kamen nach ukrainischen Behördenangaben mindestens fünf Zivilisten ums Leben; Moskau und Kiew steigern ihre wechselseitigen Schläge.
Ein russischer Gleitbombenangriff auf ein Wohnviertel im Osten Charkiws hat am Samstagmorgen nach Behördenangaben mindestens fünf Zivilisten getötet, darunter ein Kind. Der Bürgermeister der zweitgrößten ukrainischen Stadt, Ihor Terekhov, berichtete von der Bergung eines Leichnams aus den Trümmern eines niedrigen Mehrfamilienhauses im Bezirk Kholodnohirsky, während der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleh Syniehubov, von neun Verletzten und mehreren zerstörten Wohnungen sprach. Frühere Meldungen hatten von einem Todesopfer gesprochen; die Opferzahlen könnten weiter steigen. Nahezu zeitgleich meldete die ukrainische Luftwaffe den Abschuss von 92 der 99 in der Nacht gestarteten russischen Drohnen. Bereits am Vortag hatte ein russischer Drohnentreffer ein Zivilfahrzeug in der Region Charkiw getroffen und einen Mann getötet.
Nach Darstellung Moskaus sind die Schläge eine Reaktion auf den massiven ukrainischen Drohnenangriff vom Donnerstag, bei dem erstmals ein großes Ölraffineriegelände im Südosten Moskaus getroffen und ein Kind getötet wurde. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kündigte an, die „wirksamen“ Angriffe auf die Ukraine würden fortgesetzt; das Verteidigungsministerium in Moskau reklamierte den Abschuss von 177 ukrainischen Drohnen in der Nacht zum Samstag. Außenminister Sergej Lawrow drohte mit koordinierten massiven Vergeltungsschlägen. Aus Kiewer Perspektive sind die Angriffe auf Wohngebiete hingegen Teil eines systematischen Kriegs gegen die Zivilbevölkerung. Gleichzeitig bestätigte der ukrainische Generalstab gezielte Schläge gegen Eisenbahnbrücken auf der von Russland annektierten Krim, um den militärischen Nachschub zu stören. Westliche Diplomaten in Berlin und Washington konstatieren eine weitere Eskalationsspirale, die die ohnehin festgefahrenen, von den USA vermittelten Waffenstillstandsgespräche zusätzlich belastet.
Die wechselseitige Intensivierung der Luftangriffe reicht weit über die Frontlinien hinaus. Ukrainische Drohnenoperationen zielen zunehmend auf die russische Energieinfrastruktur; so wurde nach Angaben des Gouverneurs der Region Tjumen, Alexander Moor, am Samstag ein Angriff auf eine Ölraffinerie abgewehrt, ohne dass Schäden entstanden. Die Strategie Kiews zielt darauf ab, Moskaus Kriegseinnahmen zu schmälern und den Konflikt in das russische Hinterland zu tragen. Umgekehrt bombardieren russische Streitkräfte neben Charkiw auch die Regionen Sumy, Odessa und Kramatorsk, wobei es zu weiteren zivilen Opfern kam. Nach ukrainischen Angaben wurden zudem zivile Schiffe im Schwarzen Meer durch russische Drohnen getroffen, was die Gefährdung internationaler Handelswege unterstreicht.
Die diplomatische Lage bleibt verfahren. Der von Washington initiierte Gesprächsfaden ist laut westlichen Regierungskreisen praktisch gerissen; der Kreml lehnt Ultimaten ab, zeigt sich aber nach offizieller Lesart dialogbereit. Lawrows Warnung vor einer möglichen nuklearen Eskalation im Falle einer direkten Konfrontation zwischen Nato und Russland hat in europäischen Hauptstädten Besorgnis ausgelöst. Die Bundesregierung, die Kiew weiter mit Rüstungsgütern unterstützt, pocht auf eine politische Lösung, sieht jedoch kurzfristig keinen Verhandlungsspielraum. Die nächsten außenpolitischen Konsultationen der EU und G7 dürften von der Frage überschattet werden, wie der zivilen Notlage begegnet werden kann, solange die militärische Dynamik eine Waffenruhe verhindert.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Eine russische Bombe traf ein Wohnhaus in Charkiw, ein Mensch starb, neun wurden verletzt. Die Behörden meldeten den Vorfall ohne auf den größeren Konflikt einzugehen.
Der russische Luftangriff auf ein Wohnviertel in Charkiw tötete Zivilisten, darunter ein Kind, während beide Seiten die Feindseligkeiten verschärfen. Die von den USA geführten Verhandlungen bleiben eingefroren und lassen keine Hoffnung auf eine schnelle Lösung.
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