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Gesellschaft & KulturSonntag, 21. Juni 2026

Prada setzt auf radikale Einfachheit, Dolce & Gabbana auf Urlaubsromantik

Zwischen Pradas Kampf gegen ›unnützes Design‹ und Dolce & Gabbanas Hommage an das Sizilien der 1950er zeigt die Modewoche zwei Gesichter des Luxus.

Unter einem Boden aus Glas, durch den das Licht der Fondazione Prada schimmerte, eröffnete Miuccia Prada ihre Frühjahr/Sommer-Schau 2027 für Herren. Statt einer opulenten Kulisse bestimmten eine lange Reihe von LED-Leuchten und transparente Sitzbänke das Bild – jeder Gast hatte eine frontale Sicht, darunter NBA-Star Anthony Edwards und die K-Pop-Gruppe ENHYPEN. Zu den rockigen Gitarrenriffs von Van Halens ›Eruption‹ schickten die Designer schmale, verkürzte Lederjacken und enge Five-Pocket-Hosen über den Laufsteg, die auf den ersten Blick an klassische Jeans erinnerten, doch in butterweichem Leder oder fast durchsichtigem technischem Gewebe gefertigt waren. Nur eine Handvoll Looks bestand aus echtem Denim. ›Manchmal merkt man einfach, dass man eine gute Pasta Pomodoro braucht‹, erklärte Raf Simons vor der Show, das italienische Alltagsgericht zum Sinnbild für eine Kollektion, die alles Überflüssige eliminierte.

Miuccia Prada und Raf Simons sparten nicht mit deutlichen Worten. ›Es gibt nichts, was wir in dieser Zeit mehr hassen als unnützes Design‹, ließen sie verlauten und zielten damit auf die üppigen Entwürfe anderer Häuser. Ihr Gegenentwurf war eine vertikale, stolze Silhouette, die den Körper betonte, ohne ihn zu verhüllen: verkürzte Jacken, tiefe V-Ausschnitte, die den Bauchnabel freilegten, und transparente weiße Oberteile. Dazu kamen geometrische Strickmuster und schmale Schals, die um die Taille geknotet wurden. Die einzigen Taschen waren bunte Gürtel-Pouches, die an Kletterausrüstung erinnerten, und spitze Schuhe mit Klettverschlüssen. Die Botschaft war eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: Kleidung, die auf der Straße getragen wird, nicht nur von Modeinsidern. ›Wir wollten die Wahrnehmung von typischem Luxus in der High Fashion aufbrechen‹, sagte Simons.

Nur einen Kilometer entfernt, in einem anderen Mailänder Palazzo, beschworen Domenico Dolce und Stefano Gabbana das genaue Gegenteil. Ihre Kollektion ›Vacanze Siciliane‹ war ein Fest der Opulenz: Leinenhemden, Häkelstücke, Zitronendrucke und Postkartenmotive, die an die ersten Touristenwellen der 1950er Jahre erinnerten. Badehosen aus blauer und rosa Seide, weite hochtaillierte Hosen und Blazer in Streifenoptik wurden zu Klängen aus ›Der Pate‹ präsentiert. Korallenbroschen steckten selbst an den Sandalen – ein Ausdruck sizilianischer Handwerkskunst und barocker Fülle. ›Sizilien war für uns nie eine Modeerscheinung‹, betonte das Designerpaar, ›es ist der Ort, an dem alles begann.‹ So standen sich in Mailand zwei Visionen von Männlichkeit gegenüber: die asketische Strenge Pradas und die nostalgische Sinnlichkeit Dolce & Gabbanas.

Während die Modemetropole zwischen Reduktion und Dekoration schwankte, spiegelte sich die Suche nach Authentizität auch jenseits der Laufstege wider. In Los Angeles bewies Shakira, dass der persönliche Stil nicht den saisonalen Trends folgt: Sie trat in hautengen Skinny Jeans mit Spitzeneinsätzen und hohen Plateau-Stiefeln auf – ein Look, den manche Beobachter ›Moto Boho‹ nennen. In Kuala Lumpur gründeten die Schwestern Amy und Esther Tai die Schuhmarke Machino, die auf Komfort und Kundentreue setzt und dafür jüngst in die ›Forbes 30 Under 30‹-Liste aufgenommen wurde. ›Wir verkaufen nicht nur Schuhe, sondern einen Lebensstil‹, sagt Amy Tai. Und in der Mailänder Modebranche selbst kündigte Moschino an, gleich zwei neue Kreativdirektoren berufen zu haben: Die Gründer des Labels Sunnei, Loris Messina und Simone Rizzo, sollen im September 2026 debütieren – ein weiterer Wechsel in einer Industrie, die nach neuen Gesichtern sucht.

Als Pradas letzter Look aus echtem Jeansstoff den Glasboden betrat, schloss sich der Kreis. Raf Simons, der nach zwei Jahrzehnten in Wollhosen erst kürzlich wieder zur Jeans zurückgekehrt war, ließ die schlichteste aller Textilien zu einem Statement werden. Die Lichter der Fondazione spiegelten sich im Boden und dehnten die Silhouette des Moments ins Unendliche. Vielleicht lag genau darin die provokanteste Botschaft dieser Saison: dass der größte Luxus nicht im Hinzufügen, sondern im Weglassen liegen kann.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 4 Sprachen

32%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Stampa europea continentaleStampa atlantica / anglosfera
Stampa europea continentale
distaccopragmatismo

Continental European press emphasizes Prada's philosophy of eliminating the superfluous to return to essentials, presenting the collection as a break with luxury conventions and a focus on precision and proportions. It underscores that apparent simplicity hides deep research, and the collection is seen as a manifesto against excess. Thus, the focus is on the cultural significance and message of fashion.

Stampa atlantica / anglosfera
ironiapragmatismo

Atlantic press presents the Prada collection as a luxury version of pasta pomodoro, accessible to ordinary people, not just insiders. It highlights the reimagination of jeans basics in leather and technical fabrics, emphasizing the intention to make menswear for the street, not just the runway. The approach is more practical and concrete, with a slightly ironic tone.

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Prada setzt auf radikale Einfachheit, Dolce & Gabbana auf Urlaubsromantik

Zwischen Pradas Kampf gegen ›unnützes Design‹ und Dolce & Gabbanas Hommage an das Sizilien der 1950er zeigt die Modewoche zwei Gesichter des Luxus.

Unter einem Boden aus Glas, durch den das Licht der Fondazione Prada schimmerte, eröffnete Miuccia Prada ihre Frühjahr/Sommer-Schau 2027 für Herren. Statt einer opulenten Kulisse bestimmten eine lange Reihe von LED-Leuchten und transparente Sitzbänke das Bild – jeder Gast hatte eine frontale Sicht, darunter NBA-Star Anthony Edwards und die K-Pop-Gruppe ENHYPEN. Zu den rockigen Gitarrenriffs von Van Halens ›Eruption‹ schickten die Designer schmale, verkürzte Lederjacken und enge Five-Pocket-Hosen über den Laufsteg, die auf den ersten Blick an klassische Jeans erinnerten, doch in butterweichem Leder oder fast durchsichtigem technischem Gewebe gefertigt waren. Nur eine Handvoll Looks bestand aus echtem Denim. ›Manchmal merkt man einfach, dass man eine gute Pasta Pomodoro braucht‹, erklärte Raf Simons vor der Show, das italienische Alltagsgericht zum Sinnbild für eine Kollektion, die alles Überflüssige eliminierte.

Miuccia Prada und Raf Simons sparten nicht mit deutlichen Worten. ›Es gibt nichts, was wir in dieser Zeit mehr hassen als unnützes Design‹, ließen sie verlauten und zielten damit auf die üppigen Entwürfe anderer Häuser. Ihr Gegenentwurf war eine vertikale, stolze Silhouette, die den Körper betonte, ohne ihn zu verhüllen: verkürzte Jacken, tiefe V-Ausschnitte, die den Bauchnabel freilegten, und transparente weiße Oberteile. Dazu kamen geometrische Strickmuster und schmale Schals, die um die Taille geknotet wurden. Die einzigen Taschen waren bunte Gürtel-Pouches, die an Kletterausrüstung erinnerten, und spitze Schuhe mit Klettverschlüssen. Die Botschaft war eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: Kleidung, die auf der Straße getragen wird, nicht nur von Modeinsidern. ›Wir wollten die Wahrnehmung von typischem Luxus in der High Fashion aufbrechen‹, sagte Simons.

Nur einen Kilometer entfernt, in einem anderen Mailänder Palazzo, beschworen Domenico Dolce und Stefano Gabbana das genaue Gegenteil. Ihre Kollektion ›Vacanze Siciliane‹ war ein Fest der Opulenz: Leinenhemden, Häkelstücke, Zitronendrucke und Postkartenmotive, die an die ersten Touristenwellen der 1950er Jahre erinnerten. Badehosen aus blauer und rosa Seide, weite hochtaillierte Hosen und Blazer in Streifenoptik wurden zu Klängen aus ›Der Pate‹ präsentiert. Korallenbroschen steckten selbst an den Sandalen – ein Ausdruck sizilianischer Handwerkskunst und barocker Fülle. ›Sizilien war für uns nie eine Modeerscheinung‹, betonte das Designerpaar, ›es ist der Ort, an dem alles begann.‹ So standen sich in Mailand zwei Visionen von Männlichkeit gegenüber: die asketische Strenge Pradas und die nostalgische Sinnlichkeit Dolce & Gabbanas.

Während die Modemetropole zwischen Reduktion und Dekoration schwankte, spiegelte sich die Suche nach Authentizität auch jenseits der Laufstege wider. In Los Angeles bewies Shakira, dass der persönliche Stil nicht den saisonalen Trends folgt: Sie trat in hautengen Skinny Jeans mit Spitzeneinsätzen und hohen Plateau-Stiefeln auf – ein Look, den manche Beobachter ›Moto Boho‹ nennen. In Kuala Lumpur gründeten die Schwestern Amy und Esther Tai die Schuhmarke Machino, die auf Komfort und Kundentreue setzt und dafür jüngst in die ›Forbes 30 Under 30‹-Liste aufgenommen wurde. ›Wir verkaufen nicht nur Schuhe, sondern einen Lebensstil‹, sagt Amy Tai. Und in der Mailänder Modebranche selbst kündigte Moschino an, gleich zwei neue Kreativdirektoren berufen zu haben: Die Gründer des Labels Sunnei, Loris Messina und Simone Rizzo, sollen im September 2026 debütieren – ein weiterer Wechsel in einer Industrie, die nach neuen Gesichtern sucht.

Als Pradas letzter Look aus echtem Jeansstoff den Glasboden betrat, schloss sich der Kreis. Raf Simons, der nach zwei Jahrzehnten in Wollhosen erst kürzlich wieder zur Jeans zurückgekehrt war, ließ die schlichteste aller Textilien zu einem Statement werden. Die Lichter der Fondazione spiegelten sich im Boden und dehnten die Silhouette des Moments ins Unendliche. Vielleicht lag genau darin die provokanteste Botschaft dieser Saison: dass der größte Luxus nicht im Hinzufügen, sondern im Weglassen liegen kann.

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Continental European press emphasizes Prada's philosophy of eliminating the superfluous to return to essentials, presenting the collection as a break with luxury conventions and a focus on precision and proportions. It underscores that apparent simplicity hides deep research, and the collection is seen as a manifesto against excess. Thus, the focus is on the cultural significance and message of fashion.

Stampa atlantica / anglosfera
ironiapragmatismo

Atlantic press presents the Prada collection as a luxury version of pasta pomodoro, accessible to ordinary people, not just insiders. It highlights the reimagination of jeans basics in leather and technical fabrics, emphasizing the intention to make menswear for the street, not just the runway. The approach is more practical and concrete, with a slightly ironic tone.

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