
Psychologie: Nicht Härte, sondern Emotionssteuerung formt die Resilienz
Eine wachsende Zahl psychologischer Studien relativiert die Vorstellung angeborener Widerstandskraft und verweist auf erlernbare Fähigkeiten der Selbstregulation.
Die verbreitete Annahme, eine entbehrungsreiche Kindheit mache automatisch stark, wird durch die psychologische Forschung zunehmend entkräftet. So kommt eine in spanischsprachigen Medien zitierte Analyse zu dem Schluss, dass die zwischen 1959 und 1970 Geborenen ihre vielfach beschriebene Robustheit nicht einer vermeintlich besseren Erziehung verdanken, sondern der früh eingeübten Fähigkeit, Emotionen eigenständig zu regulieren. Nicht das Ertragen von Entbehrungen, sondern der aktive Umgang mit Frustration und Unsicherheit habe demnach die spätere Stabilität begünstigt.
Den Mechanismus dahinter beschreiben US-amerikanische Forscher um den Psychologen James Gross. Sie unterscheiden zwischen der Neubewertung einer Situation – dem Verstehen und kognitiven Umdeuten eines emotionalen Reizes – und der reinen Unterdrückung des Gefühlsausdrucks. Längsschnittdaten zeigen, dass habituelle Neubewertung mit besseren interpersonalen Beziehungen und höherem Wohlbefinden einhergeht, während chronische Suppression die psychische Belastung erhöht. Die in der Kindheit erlernte Autonomie, so die Interpretation, habe vielen der heute 55- bis 67-Jährigen genau diese adaptive Regulation ermöglicht, ohne dass damit eine Idealisierung fehlender elterlicher Begleitung verbunden wäre.
Die langfristigen Folgen frühkindlicher Kommunikationsmuster werden auch in indonesischen und weiteren internationalen Beiträgen thematisiert. Dort heißt es unter Berufung auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse, dass wiederholt gehörte Sätze wie „Sei nicht egoistisch“ oder „Widersprich nicht“ die Fähigkeit beeinträchtigen können, im Erwachsenenalter gesunde Grenzen zu setzen. Umgekehrt zeigen Kinder, deren Eltern Emotionen benennen und nach Konflikten aktiv eine Reparatur der Beziehung suchen, eine höhere emotionale Intelligenz. Psychologen aus Jakarta betonen, dass diese emotionale und soziale Kompetenz für den Lebenserfolg ebenso bedeutsam sei wie akademische Leistungen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Angebote zur Früherkennung an Gewicht. In Indonesien wurde jüngst ein digitales Screening-Tool für die mentale und emotionale Entwicklung von Kindern eingeführt, das auf einem standardisierten Fragebogen des Gesundheitsministeriums basiert. Es soll Eltern eine niedrigschwellige Orientierung bieten, ob die emotionale Entwicklung des Kindes altersgemäß verläuft oder eine Konsultation angezeigt ist. Die nächste Ausbaustufe des Programms, so die Betreiber, werde auch eine telepsychologische Beratung umfassen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Vorstellung, dass Kinder früherer Jahrzehnte automatisch stärker wurden, wird durch die psychologische Forschung in Frage gestellt. Emotionale Resilienz ist keine Eigenschaft, die durch eine härtere Erziehung verliehen wird, sondern eine Reihe von Fähigkeiten, die erlernt und geübt werden müssen. Diese Neubewertung verlagert den Diskurs von generationenbezogener Nostalgie hin zur bewussten Förderung von Selbstregulation und Autonomie.
Die Worte, die Eltern ihren Kindern immer wieder sagen, können jahrzehntelang nachhallen und oft die Fähigkeit untergraben, im Erwachsenenalter Grenzen zu setzen. Die Psychologie zeigt, dass Schwierigkeiten mit Durchsetzungsvermögen und Selbstwertgefühl häufig auf frühe familiäre Kommunikationsmuster zurückgehen. Diesen Zusammenhang zu erkennen, ist ein Aufruf, die Erziehung so umzugestalten, dass emotionale Resilienz von Anfang an gelehrt und nicht untergraben wird.
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