
Ölpreise auf Vorkriegsniveau: Fortschritte im US-iranischen Dialog und wiederbelebte Exporte
Die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran über die Straße von Hormus lassen die Rohölnotierungen auf den tiefsten Stand seit Ende Februar sinken, während die Golfstaaten ihre Ausfuhren hochfahren.
Die Rohölpreise sind am Donnerstag den dritten Tag in Folge gefallen und haben mit rund 71 Dollar je Barrel der Sorte Brent den tiefsten Stand seit Ende Februar erreicht, bevor sie am Freitagmorgen leicht auf 72,10 Dollar anzogen. Auslöser der Abwärtsbewegung war die Mitteilung Katars, bei den indirekten Gesprächen zwischen den USA und Iran in Doha seien „positive Fortschritte“ erzielt worden. Die Verhandlungen betreffen die Umsetzung des Memorandums, das Mitte Juni den Krieg beendete und die schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus vorsieht.
Die Entspannungssignale beschleunigen die Normalisierung der Öllieferungen durch die Meerenge, über die vor dem Konflikt ein Fünftel des globalen Rohöls floss. Saudi-Arabien hat die Verschiffungen zuletzt deutlich hochgefahren; allein am Donnerstag verließen vier Supertanker mit rund acht Millionen Barrel den Hafen Ras Tanura. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate exportieren so viel wie seit 2017 nicht mehr, und Kuwait steigerte seine Produktion im Juni auf 1,65 Millionen Barrel pro Tag, nach 580.000 Barrel im Mai. Insgesamt passieren derzeit wieder mehr als zehn Millionen Barrel täglich die Straße von Hormus, wenngleich das Vorkriegsniveau von 18 bis 19 Millionen Barrel noch nicht erreicht ist.
An den Finanzmärkten gehen die Einschätzungen auseinander. Die US-Bank Citigroup rechnet in ihrem Basisszenario mit einem weiteren Rückgang auf 65 Dollar je Barrel im Jahr 2027, gestützt auf die Annahme steigender Fördermengen aus Saudi-Arabien, den Emiraten, Iran und Russland. Die Schweizer Großbank UBS senkte ihre Prognose für das dritte Quartal drastisch um 25 Dollar auf 80 Dollar, warnt aber zugleich vor verfrühtem Optimismus: Die Einfuhren in den Persischen Golf hinkten den Ausfuhren hinterher, das Risiko von Angebotsstörungen bleibe erhöht. Aus Teheraner Sicht unterstrich die iranische Militärführung am Donnerstag mit einer Drohung gegen Schiffe, die von den genehmigten Routen abweichen, dass die Lage fragil ist. Analysten in der Golfregion wie Mohammed al-Shatti sehen die Preise als „deutlich zu niedrig“ an und erwarten eine Gegenbewegung, sobald geopolitische Risiken wieder in den Vordergrund rücken.
Das nächste Treffen der Unterhändler wird nach den Trauerfeierlichkeiten für das verstorbene iranische Staatsoberhaupt Ali Khamenei am 9. Juli erwartet. Kurzfristig richtet sich der Blick zudem auf das für Sonntag anberaumte Treffen der OPEC+-Staaten, bei dem eine weitere Lockerung der Förderkürzungen ab August beschlossen werden könnte. Beide Termine werden darüber entscheiden, ob der Abwärtsdruck auf die Notierungen anhält oder die Risikoprämie wieder steigt.
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | +0.40 | aligned |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.60 | aligned |
Die arabischen Golfstaaten warnen: Das US-Iran-Abkommen ist eine Bedrohung für ihre Sicherheit, kein Sieg für den Frieden.
Es wird eine Bedrohungshierarchie aufgebaut, in der das Abkommen als Gefahr für die regionale Stabilität dargestellt wird, die über den unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteilen steht.
Die potenziell positiven Auswirkungen des Ölpreisrückgangs auf globale Verbraucher und Importländer werden ausgelassen.
Die lateinamerikanischen Volkswirtschaften begrüßen den Ölpreisverfall als Entlastung für ihre Handelsbilanzen, ohne politisch Stellung zu beziehen.
Es wird ein pragmatischer Ansatz verfolgt, der die geopolitische Komplexität auf eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung reduziert und strategische Implikationen ignoriert.
Die Rolle des Iran als regionaler Akteur und die möglichen Folgen für die Stabilität des Nahen Ostens werden ausgelassen.
Die USA bekräftigen ihre Führungsrolle: Der Ölpreisverfall zeigt, dass ihre Diplomatie gesiegt hat und globale Stabilität bringt.
Der amerikanische Staat wird als rationaler und wohlwollender Akteur personifiziert, der den Erfolg ausschließlich seiner Initiative zuschreibt, während die Rolle des Iran oder der Marktkräfte minimiert wird.
Die iranische Perspektive und die Möglichkeit, dass der Preisverfall auch auf wirtschaftliche Faktoren unabhängig von den Verhandlungen zurückzuführen ist, werden ausgelassen.
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