Anmelden
Ausgabe von 06:00 CETMittwoch, 1. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen513 Briefings heute
Justiz & RechtDienstag, 30. Juni 2026

Oberstes US-Gericht lässt Urteil gegen Trump wegen sexuellen Missbrauchs rechtskräftig werden

Der Supreme Court lehnt die Revision im Fall Carroll ab und stärkt zugleich die präsidiale Durchgriffsmacht auf unabhängige Behörden – ein Tag mit widersprüchlichen Signalen für das Weiße Haus.

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat es abgelehnt, die Berufung von Präsident Donald Trump gegen ein zivilrechtliches Urteil aus dem Jahr 2023 anzunehmen. Damit ist die Entscheidung einer New Yorker Jury rechtskräftig, die Trump wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung der Autorin E. Jean Carroll zu einer Schadensersatzzahlung von fünf Millionen US-Dollar verurteilt hatte. Das Gericht gab für seine Ablehnung keine Gründe an; kein Richter vermerkte öffentlich eine abweichende Meinung. Aus Sicht der Anwälte Carrolls ist damit der Rechtsweg in dieser Sache erschöpft, während Trump auf seiner Plattform Truth Social von einem „gefälschten Verfahren“ sprach und ankündigte, den Kampf gegen die „Bewaffnung der Justiz“ fortzusetzen.

Die Entscheidung ist Teil eines Bündels von Urteilen, die der Supreme Court kurz vor der Sommerpause verkündete und die in Washington als widersprüchlich für den Präsidenten bewertet werden. In einem weiteren Fall stärkte das Gericht mit einer Sechs-zu-drei-Mehrheit die exekutive Durchgriffsmacht des Präsidenten erheblich: Es erklärte die fristlose Entlassung einer Kommissarin der Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) für rechtmäßig und kippte damit einen fast neunzig Jahre alten Präzedenzfall, der den Kongress ermächtigt hatte, die Unabhängigkeit solcher Behördenleiter zu schützen. Trump selbst bezeichnete das Urteil als „größten Zuwachs an präsidialer Macht in den letzten hundert Jahren“. Gleichzeitig verwehrte das Gericht dem Präsidenten in einem verfahrensrechtlichen Beschluss vorerst die Entlassung von Lisa Cook, einer Gouverneurin der Federal Reserve, und bestätigte ein Gesetz des Bundesstaates Mississippi, das die Annahme von Briefwahlunterlagen bis fünf Werktage nach einer Wahl erlaubt – eine Niederlage für republikanische Bestrebungen, die Briefwahl einzuschränken.

Im Fall Carroll hatte eine Jury im Mai 2023 befunden, Trump habe die frühere Kolumnistin Mitte der neunziger Jahre in der Umkleidekabine eines New Yorker Kaufhauses sexuell missbraucht und sie später durch herabwürdigende Äußerungen verleumdet. Die Geschworenen sprachen ihr fünf Millionen Dollar zu, lehnten jedoch die Klage wegen Vergewaltigung im engeren strafrechtlichen Sinne ab. Ein Bundesberufungsgericht bestätigte das Urteil im Dezember 2024. Trumps Anwälte hatten vor dem Supreme Court argumentiert, die Zulassung der umstrittenen „Access Hollywood“-Tonaufnahme aus dem Jahr 2005 sowie die Aussagen zweier weiterer Frauen, die Trump sexuelle Übergriffe vorwerfen, hätten das Verfahren unzulässig beeinflusst. Die Anwälte Carrolls verwiesen dagegen auf die Übereinstimmung der Beweisentscheidungen mit der etablierten Rechtsprechung.

Für Beobachter in den USA fügt sich die Ablehnung der Revision in ein Muster ein, wonach das höchste Gericht persönliche Rechtsniederlagen Trumps nicht abfängt, während es strukturell die Macht des Präsidentenamtes ausweitet. Die rechtskräftige Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs bleibt eine Hypothek für den Amtsinhaber, auch wenn das Strafrecht nicht berührt ist. Ein zweites, getrenntes Verleumdungsverfahren, in dem eine andere Jury Carroll im Jahr 2024 eine Entschädigung von 83,3 Millionen Dollar zusprach, befindet sich weiterhin im Berufungsverfahren; Trump hat angekündigt, auch diesen Fall vor den Supreme Court zu bringen. Das Justizministerium hat zudem strafrechtliche Ermittlungen gegen Carroll eingeleitet, die aus Washingtoner Sicht als Versuch gewertet werden, die Glaubwürdigkeit der Klägerin nachträglich zu erschüttern.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

65%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Atlantische / angloamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Atlantische / angloamerikanische Presse
IronieSkepsis

Der Oberste Gerichtshof hat Trump eine schwere persönliche Niederlage zugefügt, indem er seine Berufung im Fall Carroll ablehnte, ihm aber gleichzeitig einen 'historischen' Sieg durch die Ausweitung der präsidialen Befugnisse bescherte. Ein paradoxer Tag, der zeigt, wie der Tycoon vor Gericht verlieren, aber bei der Neugestaltung der Exekutive gewinnen kann. Die Ironie: Der Präsident geht institutionell gestärkt hervor, während er Millionen wegen sexuellen Missbrauchs zahlen muss.

Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
AlarmDistanz

An einem einzigen Tag hat der Oberste Gerichtshof die Gleichgewichte der amerikanischen Demokratie neu geschrieben: drei für Trump ungünstige Entscheidungen, aber ein historischer Sieg für seine Vision einer von Kontrollmechanismen befreiten Exekutive. Der Fall Carroll tritt hinter der Ausweitung der Entlassungsbefugnisse gegenüber unabhängigen Regulierungsbehörden zurück. Ein Präzedenzfall, der die Grenzen der verfassungsrechtlichen Kontrolle des Präsidenten neu definiert.

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Russlands Wirtschaftspessimismus auf 20-Jahres-Hoch – Banken weltweit unter Anpassungsdruck·Frankreichs 3:0 gegen Schweden: Mbappé jagt Messis WM-Rekord·Belgiens Zittersieg in die K.-o.-Phase trifft auf Senegals furioses Finale·Schweden und Ukraine besiegeln Kampfjet-Abkommen über 16 Gripen E·Kaltes Wasser, schnelles Essen: Wie Hitze und Tempo die Verdauung belasten·Trump setzt vorerst auf Diplomatie mit Iran – trotz Gesprächen über umfassende Militäroptionen·Iran bereitet Staatsbegräbnis für Ali Khamenei vor – Zeremonie soll nationale Einheit demonstrieren·Irans Absage an direkte US-Gespräche treibt Ölpreise über 73 Dollar·Russlands Wirtschaftspessimismus auf 20-Jahres-Hoch – Banken weltweit unter Anpassungsdruck·Frankreichs 3:0 gegen Schweden: Mbappé jagt Messis WM-Rekord·Belgiens Zittersieg in die K.-o.-Phase trifft auf Senegals furioses Finale·Schweden und Ukraine besiegeln Kampfjet-Abkommen über 16 Gripen E·Kaltes Wasser, schnelles Essen: Wie Hitze und Tempo die Verdauung belasten·Trump setzt vorerst auf Diplomatie mit Iran – trotz Gesprächen über umfassende Militäroptionen·Iran bereitet Staatsbegräbnis für Ali Khamenei vor – Zeremonie soll nationale Einheit demonstrieren·Irans Absage an direkte US-Gespräche treibt Ölpreise über 73 Dollar·
Akt. 08:113 Sprachen · 6 Quellen
6 Quellen|3 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Dienstag, 30. Juni 2026

Oberstes US-Gericht lässt Urteil gegen Trump wegen sexuellen Missbrauchs rechtskräftig werden

Der Supreme Court lehnt die Revision im Fall Carroll ab und stärkt zugleich die präsidiale Durchgriffsmacht auf unabhängige Behörden – ein Tag mit widersprüchlichen Signalen für das Weiße Haus.

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat es abgelehnt, die Berufung von Präsident Donald Trump gegen ein zivilrechtliches Urteil aus dem Jahr 2023 anzunehmen. Damit ist die Entscheidung einer New Yorker Jury rechtskräftig, die Trump wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung der Autorin E. Jean Carroll zu einer Schadensersatzzahlung von fünf Millionen US-Dollar verurteilt hatte. Das Gericht gab für seine Ablehnung keine Gründe an; kein Richter vermerkte öffentlich eine abweichende Meinung. Aus Sicht der Anwälte Carrolls ist damit der Rechtsweg in dieser Sache erschöpft, während Trump auf seiner Plattform Truth Social von einem „gefälschten Verfahren“ sprach und ankündigte, den Kampf gegen die „Bewaffnung der Justiz“ fortzusetzen.

Die Entscheidung ist Teil eines Bündels von Urteilen, die der Supreme Court kurz vor der Sommerpause verkündete und die in Washington als widersprüchlich für den Präsidenten bewertet werden. In einem weiteren Fall stärkte das Gericht mit einer Sechs-zu-drei-Mehrheit die exekutive Durchgriffsmacht des Präsidenten erheblich: Es erklärte die fristlose Entlassung einer Kommissarin der Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) für rechtmäßig und kippte damit einen fast neunzig Jahre alten Präzedenzfall, der den Kongress ermächtigt hatte, die Unabhängigkeit solcher Behördenleiter zu schützen. Trump selbst bezeichnete das Urteil als „größten Zuwachs an präsidialer Macht in den letzten hundert Jahren“. Gleichzeitig verwehrte das Gericht dem Präsidenten in einem verfahrensrechtlichen Beschluss vorerst die Entlassung von Lisa Cook, einer Gouverneurin der Federal Reserve, und bestätigte ein Gesetz des Bundesstaates Mississippi, das die Annahme von Briefwahlunterlagen bis fünf Werktage nach einer Wahl erlaubt – eine Niederlage für republikanische Bestrebungen, die Briefwahl einzuschränken.

Im Fall Carroll hatte eine Jury im Mai 2023 befunden, Trump habe die frühere Kolumnistin Mitte der neunziger Jahre in der Umkleidekabine eines New Yorker Kaufhauses sexuell missbraucht und sie später durch herabwürdigende Äußerungen verleumdet. Die Geschworenen sprachen ihr fünf Millionen Dollar zu, lehnten jedoch die Klage wegen Vergewaltigung im engeren strafrechtlichen Sinne ab. Ein Bundesberufungsgericht bestätigte das Urteil im Dezember 2024. Trumps Anwälte hatten vor dem Supreme Court argumentiert, die Zulassung der umstrittenen „Access Hollywood“-Tonaufnahme aus dem Jahr 2005 sowie die Aussagen zweier weiterer Frauen, die Trump sexuelle Übergriffe vorwerfen, hätten das Verfahren unzulässig beeinflusst. Die Anwälte Carrolls verwiesen dagegen auf die Übereinstimmung der Beweisentscheidungen mit der etablierten Rechtsprechung.

Für Beobachter in den USA fügt sich die Ablehnung der Revision in ein Muster ein, wonach das höchste Gericht persönliche Rechtsniederlagen Trumps nicht abfängt, während es strukturell die Macht des Präsidentenamtes ausweitet. Die rechtskräftige Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs bleibt eine Hypothek für den Amtsinhaber, auch wenn das Strafrecht nicht berührt ist. Ein zweites, getrenntes Verleumdungsverfahren, in dem eine andere Jury Carroll im Jahr 2024 eine Entschädigung von 83,3 Millionen Dollar zusprach, befindet sich weiterhin im Berufungsverfahren; Trump hat angekündigt, auch diesen Fall vor den Supreme Court zu bringen. Das Justizministerium hat zudem strafrechtliche Ermittlungen gegen Carroll eingeleitet, die aus Washingtoner Sicht als Versuch gewertet werden, die Glaubwürdigkeit der Klägerin nachträglich zu erschüttern.

Divergenz der Quellen

Justiz & Recht · 6 Quellen · 3 Sprachen

65%Hoch

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Gunstig29%
Neutral28%
Kritisch43%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Atlantische / angloamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Atlantische / angloamerikanische Presse
IronieSkepsis

Der Oberste Gerichtshof hat Trump eine schwere persönliche Niederlage zugefügt, indem er seine Berufung im Fall Carroll ablehnte, ihm aber gleichzeitig einen 'historischen' Sieg durch die Ausweitung der präsidialen Befugnisse bescherte. Ein paradoxer Tag, der zeigt, wie der Tycoon vor Gericht verlieren, aber bei der Neugestaltung der Exekutive gewinnen kann. Die Ironie: Der Präsident geht institutionell gestärkt hervor, während er Millionen wegen sexuellen Missbrauchs zahlen muss.

Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
AlarmDistanz

An einem einzigen Tag hat der Oberste Gerichtshof die Gleichgewichte der amerikanischen Demokratie neu geschrieben: drei für Trump ungünstige Entscheidungen, aber ein historischer Sieg für seine Vision einer von Kontrollmechanismen befreiten Exekutive. Der Fall Carroll tritt hinter der Ausweitung der Entlassungsbefugnisse gegenüber unabhängigen Regulierungsbehörden zurück. Ein Präzedenzfall, der die Grenzen der verfassungsrechtlichen Kontrolle des Präsidenten neu definiert.

Diese Nachricht erschien in

6 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Witkoff und Kushner in Doha – Iran dementiert direkte Verhandlungen

5 Sprachen · 13 Quellen

Aus Economy & Markets

USA lehnen Verlängerung des USMCA ab: Zehn-Jahres-Frist für Freihandelszone läuft an

3 Sprachen · 12 Quellen

Aus Technology

WhatsApp führt Nutzernamen ein: Chatten ohne Preisgabe der Telefonnummer

5 Sprachen · 7 Quellen

Mehr lesen