
Nato-Staaten beschließen 50-Milliarden-Dollar-Programm für neue Langstreckenrakete
Eine von Großbritannien geführte Koalition will mit dem 'Deep Precision Strike'-System die europäische Abschreckung stärken und sendet eine Botschaft an Moskau.
Auf dem Nato-Gipfel in Ankara hat eine Koalition aus zwölf Mitgliedstaaten unter Führung Großbritanniens am Mittwoch das Rüstungsvorhaben "Deep Precision Strike" vorgestellt. Für die Entwicklung eines neuen landgestützten Langstrecken-Präzisionsraketensystems sollen in den kommenden zehn Jahren mehr als 50 Milliarden Dollar (rund 37 Milliarden Pfund) bereitgestellt werden. Das System ist darauf ausgelegt, Ziele in einer Entfernung von mindestens 300 Kilometern mit hoher Genauigkeit zu treffen; künftige Varianten könnten eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern erreichen. Mit einer Einsatzbereitschaft wird nach Angaben aus London frühestens in den 2030er Jahren gerechnet.
Die britische Regierung unter dem scheidenden Premierminister Keir Starmer wertet die Initiative als Beitrag zu einer stärkeren europäischen Säule innerhalb des Bündnisses. Außenministerin Yvette Cooper sprach von einer "klaren Botschaft an Präsident Putin", das Bündnis sei stärker und europäischer geworden. Aus Washingtoner Sicht steht das Projekt im Zeichen der anhaltenden Forderung von Präsident Donald Trump, die europäischen Verbündeten müssten einen größeren Anteil der Verteidigungslasten übernehmen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte im Juni eine sechsmonatige Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa angekündigt. Nato-Generalsekretär Mark Rutte bemühte sich in Ankara, die Verbündeten von der Verlässlichkeit des US-Engagements zu überzeugen.
Das Raketenprogramm ist Teil einer breiteren europäischen Anstrengung, eigene Fähigkeiten zur weitreichenden Abstandswirkung aufzubauen und die Abhängigkeit von amerikanischen Waffensystemen zu verringern. Die britische Regierung verweist auf eine gestiegene militärische Aktivität Russlands: Nato-Kampfflugzeuge seien mehr als 700 Mal aufgestiegen, um sich dem Luftraum der Verbündeten nähernde russische Maschinen abzufangen; die Aktivität russischer Kriegsschiffe in der Nähe britischer Gewässer habe um 30 Prozent zugenommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Verbündeten auf dem Gipfel dazu auf, dringend benötigte Luftverteidigungssysteme bereitzustellen, und verwies auf die Wirksamkeit eigener Langstreckenangriffe gegen russische Logistik. Moskau erklärte, man werde den Gipfel aufmerksam verfolgen; keine neuen Waffen könnten Russland daran hindern, seine Militäroperation in der Ukraine fortzusetzen.
Die Ankündigung fällt in eine Phase transatlantischer Debatten über die Lastenverteilung. Auf dem vorangegangenen Gipfel hatten die Mitgliedstaaten vereinbart, bis 2035 fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung und Sicherheit aufzuwenden. Großbritannien hat sich im Rahmen eines Investitionsplans verpflichtet, bis 2030 umgerechnet rund 405 Milliarden Dollar für die Verteidigung bereitzustellen, steht jedoch wegen des Fehlens eines konkreten Fahrplans zur Erreichung des 3,5-Prozent-Ziels für den Verteidigungshaushalt unter Druck aus Washington. Die Beratungen über das "Deep Precision Strike"-Projekt werden am Rande des Gipfels fortgesetzt; mit einer formellen Vereinbarung wird noch im Laufe des Treffens gerechnet.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.70 | critical |
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| Kontinentaleuropäische Presse | +0.60 | aligned |
| Chinesische Presse | −0.30 | critical |
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