
Zwischen Waschbär und Wikinger-Rudern: Norwegens historische WM-Rückkehr
Nach dem Viertelfinal-Aus gegen England empfing eine euphorische Nation ihre Mannschaft mit königlichen Ehren – und Erling Haaland sorgte mit einem präparierten Souvenir für globale Schlagzeilen.
Die norwegische Nationalmannschaft ist am Montagabend in Oslo von knapp 100.000 Menschen gefeiert worden, nachdem sie bei der Weltmeisterschaft 2026 erstmals das Viertelfinale erreicht hatte. Das 1:2 nach Verlängerung gegen England am Samstag in Miami beendete zwar die Hoffnungen auf den Halbfinaleinzug, doch die Leistung der Skandinavier – insbesondere der 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Rekordweltmeister Brasilien – wurde im ganzen Land als historischer Durchbruch gewertet. Kapitän Martin Ødegaard sprach gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK von einer „unglaublichen Unterstützung“ und davon, wie sehr das ganze Land hinter der Mannschaft stehe.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand jedoch erneut Stürmer Erling Haaland, der mit sieben Toren in fünf Spielen nicht nur sportlich überzeugte, sondern auch abseits des Platzes für virale Momente sorgte. Bei der Ankunft am Flughafen Gardermoen trug der 25-Jährige in der einen Hand eine Designertasche von Dolce & Gabbana, in der anderen einen präparierten Waschbären, der eine Whiskyflasche umklammert. Das unter dem Namen „Whiskey Raccoon“ bekannte Stück hatte Haaland für 750 US-Dollar in einem Western-Laden in Dallas erworben, wo sich die norwegische Mannschaft während des Turniers aufgehalten hatte. Auf Instagram kommentierte er das Bild mit den Worten: „Er ist mir nach Hause gefolgt“ und bat seine Follower um Namensvorschläge – ein Post, der binnen Stunden millionenfach geliked wurde.
Die ungewöhnliche Trophäe löste weltweit ein Medienecho aus. US-amerikanische Berichte schilderten, wie der Familienbetrieb Wild Bill’s Western Store nach Haalands Besuch mit internationalen Bestellungen überflutet wurde und das Waschbär-Modell innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war. Die Ladenbesitzerin Julie Newport bestätigte, der Fußballer habe das Tier selbst gekauft und sei von der Taxidermie-Kollektion fasziniert gewesen. In Norwegen wiederum mischte sich Belustigung mit Stolz: Während die seriöse Presse die sportliche Leistung würdigte, kommentierten Boulevardmedien den „Waschbär-Sommer“ als Sinnbild für Haalands eigenwilligen Charakter, der ihm während des Turniers rund 22 Millionen neue Instagram-Follower eingebracht habe.
Der offizielle Empfang geriet zu einer Mischung aus höfischem Protokoll und volksnahem Spektakel. König Harald V. empfing die Mannschaft im Schloss, bevor die Spieler auf den Balkon traten und später auf den Stufen des Palasts den mittlerweile berühmten „Viking Row“ aufführten – eine choreografierte Ruderbewegung, die das Team während des Turniers als Jubel etabliert hatte. Kronprinz Haakon, der die Mannschaft bereits in Miami im Stadion besucht hatte, übernahm dabei den Takt auf einer Trommel. Anschließend bewegte sich ein offener Bus mit den Spielern durch die überfüllte Karl-Johans-Gate, wobei die Polizei den Andrang zeitweise kaum kontrollieren konnte. Haaland und Mittelfeldspieler Sander Berge hatten die Feierlichkeiten vorzeitig verlassen, um nach Sizilien in den Urlaub zu fliegen – eine Folge der verspäteten Rückreise aus den USA.
Für Norwegen markiert das Turnier eine Zäsur. Nach 28 Jahren Abwesenheit von der WM-Bühne und dem frühen Scheitern bei der Endrunde 1998 hat sich die Mannschaft um Ødegaard und Haaland in der erweiterten Weltspitze etabliert. Die nächste Bewährungsprobe folgt mit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2028, in der das Team den Schwung des WM-Erfolgs nutzen will.
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Die Anglosphäre feiert Haaland als liebenswerten viralen Star, dessen WM-Reise, obwohl beendet, ihn zu einer globalen Ikone gemacht hat.
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