
Medikamentenmangel im Iran trotz Devisenzuweisungen – Strukturdefizite belasten Gesundheitssysteme weltweit
Während Teheran 560 Arzneimittel als kritisch knapp einstuft, zeigen Analysen aus Brasilien und Kanada, dass Finanzspritzen allein Versorgungsengpässe nicht beheben.
Die iranische Gesundheitskommission des Parlaments hat 560 Arzneimittel als in kritischem und weitere 180 als in akutem Versorgungsengpass befindlich eingestuft – und dies, obwohl für Importe und Wirkstoffe ein subventionierter Wechselkurs von 28.500 Toman gewährt wird. Der Sprecher der Kommission, Salman Eshaghi, kündigte an, die Liste der Unternehmen, die Devisen zum Vorzugskurs erhalten haben, an die nationale Aufsichtsbehörde zu übergeben. Parallel sollen sogenannte „goldene Unterschriften“ im Gesundheitsministerium und in der Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde untersucht werden. Aus Teheraner Sicht liegt damit der Verdacht nahe, dass allokative Ineffizienzen und Rentenbildung die Krise verschärfen, noch bevor die jüngsten Störungen im Bankennetzwerk die Zahlungsfähigkeit von Patienten und Kliniken zusätzlich einschränkten.
In Brasilien hat die öffentliche Hand den Gesundheitsetat für 2026 auf 254 Milliarden Real angehoben, 82 Prozent über der 2022 geltenden Ausgabenobergrenze. Das Gesundheitsministerium verweist auf 10.057 neu geschaffene Krankenhausbetten und 14,7 Millionen planbare Operationen im Rahmen des Programms „Agora Tem Especialistas“. Dennoch beklagen Verwalter öffentlicher Häuser einen anhaltenden Mangel an Fachpersonal und Material. Das Hospital das Clínicas in São Paulo, mit 2.611 Betten eines der größten Lateinamerikas, deckt 94 Prozent seiner Fälle über das staatliche System ab und betont, dass Kostensenkung bei Verfahren ohne Versorgungsdefizite möglich sei. Die Regierung setzt zudem auf private Partner: Das philanthropische Hospital Israelita Albert Einstein betreibt inzwischen 34 Einheiten des SUS mit jährlich 14 Millionen Konsultationen und investiert im laufenden Dreijahreszeitraum 1,4 Milliarden Real aus Steuermitteln in Fortbildung und Technologieintegration.
In Kanada, wo die Gesundheitsausgaben 2024 laut OECD 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichten, illustrieren Erfahrungsberichte aus Neufundland und Labrador die Kluft zwischen Mitteleinsatz und Zugang. Eine Familie ohne Hausarzt wartete mit einem kranken Kleinkind viereinhalb Stunden in einer neu eröffneten Notfallklinik, bevor sie in die Kindernotaufnahme auswich. Ein anderer Patient flog nach Bangladesch, um eine Magenspiegelung binnen eines Tages zu erhalten, nachdem ihm in Kanada eine Wartezeit von vier Monaten genannt worden war. Pflegefachkräfte und Notfallmediziner machen jahrzehntealte Fehlanreize verantwortlich: Die Regierung habe Gesundheit stets als Kostenfaktor behandelt, statt in Ausbildungskapazitäten und Arbeitsbedingungen zu investieren. So blieben Tausende im Ausland ausgebildete Ärzte in Lizenzierungsschleifen stecken, während gleichzeitig die Zahl der Medizinstudienplätze im Verhältnis zur Bevölkerung zu den niedrigsten der Industriestaaten zähle.
Die iranische Kardiologin Hanieh Baghershahi verweist auf eine allen drei Ländern gemeinsame Tiefenschicht: Überverschreibung von Antibiotika, unnötige Bildgebung und fehlende elektronische Patientenakten führten zu Ressourcenverzehr, der durch Budgeterhöhungen allein nicht aufzufangen sei. In Brasilien fehlt vielerorts ein funktionierendes Überweisungssystem, sodass Patienten direkt Spezialisten aufsuchen und dort Kapazitäten binden. In Kanada wiederum erzwingt der Hausärztemangel Ausweichbewegungen in Notaufnahmen, deren Überlastung vermeidbare Folgeschäden verursacht. Die nächste greifbare Wegmarke ist die angekündigte Prüfung der iranischen Aufsichtsbehörde, die klären soll, ob die für Arzneimittel bereitgestellten Devisen tatsächlich der Patientenversorgung zugutekamen oder in anderen Kanälen versickerten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 2 Sprachen
Die Gesundheitskrise ist keine abstrakte politische Debatte mehr, sondern eine tägliche Tortur aus endlosen Wartezeiten und fehlenden Hausärzten. Das System betrachtet Gesundheit als zu begrenzende Kosten, nicht als Investition, und lässt Patienten im Stich. Dringender Systemwandel wird gefordert, doch der Glaube an eine Lösung schwindet.
Sowohl der öffentliche als auch der private Gesundheitssektor kämpfen mit knappen Ressourcen, hohen Kosten und hartem Wettbewerb, doch neue Politiken und Partnerschaften entstehen. Der Druck auf das universelle System ist unbestreitbar, mit Überfüllung und Engpässen, aber jüngste Programme weisen einen Weg nach vorn. Die Herausforderung wird als Suche nach wirtschaftlich-finanzieller Balance dargestellt, nicht als totaler Kollaps.
Erweitere deinen Horizont
Nach zähem Auszählungsmarathon: Keiko Fujimori zur Präsidentin Perus gewählt
4 Sprachen · 11 Quellen
Aus TechnologyWhatsApp führt Nutzernamen ein: Chatten ohne Preisgabe der Telefonnummer
6 Sprachen · 10 Quellen
Aus Science & HealthEbola-Ausbruch im Kongo weitet sich auf neue Provinzen aus – UNDP warnt vor Milliardenschäden
5 Sprachen · 10 Quellen